Zugverkehr in Pflach regt auf: Nach des Zuges Pfeife tanzen

Von anonymen Schreibern bis hin zu Bürgermeister Helmut Schönherr wünscht man sich, dass die Züge in Pflach weniger Signale geben. Sechs Kreuzungen sollen aufgelassen werden.

Die Bahnlinie in Pflach ist beidseitig von Häusern flankiert.
© Mittermayr

Von Helmut Mittermayr

Pflach – An jedem ungesicherten Bahnübergang müssen Züge bis zu drei aufeinanderfolgende Achtungssignale abgeben. Und wenn ein Ort wie Pflach über elf solcher Übergänge verfügt, dann kann ein Lokführer bis zu 33-mal die vorausliegende Strecke beschallen. Da kann es dann, wie im kommenden Winterfahrplan ab sechs Uhr morgens, schon öfter passieren, dass ein tiefenentspanntes REM-Traumstadium abrupt in eine reale Wach-mürrisch-Phase übergeht.

Ein Anwohner, der innerhalb des Beschallungszone wohnen dürfte, ist jedenfalls so wütend, dass er ein anonymes Schreiben an jeden Haushalt in Pflach verschickt hat. Denn von sechs bis 22 Uhr würden laut Winterfahrplan den Pflachern und Pflacherinnen gleich doppelt so viele Züge einen infernalen Lärm bereiten. Statt den bisher 18 täglich sei bald mit fast doppelt so vielen, oft leeren Zügen zu rechnen – die alle pfeifen müssten. Pflach sei in diesem Abschnitt der einzige Ort, dessen Übergänge noch nicht technisch gesichert seien. Der Gemeindeführung wirft er vor, dass eine Umsetzung seit 2017 möglich gewesen sei, aber immer noch auf sich warten lasse.

Lieber Bus statt Zug

Bürgermeister Helmut Schönherr zum komplexen Aufgabenfeld: „Mir wäre auch lieber, wenn anstatt des ersten und letzten Zuges ein Bus fahren würde. Wir werden das beim VVT anregen.“ Aber Untätigkeit in dieser Causa sei das Letzte, was man der Gemeinde vorwerfen könne. Seit Jahren werde intensiv mit den ÖBB verhandelt, eine Lösung zeichne sich für 2021 ab. Der Gemeinderat sei direkt eingebunden und erst kürzlich habe es dazu wieder Begehungen gegeben.

VVT-Sprecherin Stefanie Kozubek erklärt, dass der erste Zug um 6.05 Uhr durch Pflach fahre, der letzte um 21.55 Uhr. Es sei nicht geplant, Zugverbindungen durch Busse zu ersetzen. Es gebe zwar einmal statt eines Zuges einen Bus um sieben Uhr, aber dieser sei dem Schülerverkehr geschuldet.

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Im Ort gibt es elf Eisenbahnkreuzungen.
© Mittermayr

ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair bestätigt, dass es für Pflach nun ein Verkehrskonzept für schienengleiche Eisenbahnübergänge mit den notwendigen Auflassungen bzw. neuen technischen Sicherungen gibt. Ein solch gesamtheitliches Konzept innerhalb einer Gemeinde bedürfe unzähliger Abstimmungen und auch eines gewissen Maßes an Kompromissbereitschaft. „Oft sind einige Jahre an Vorarbeit notwendig, die außerhalb der Gemeindeführung kaum jemand wahrnimmt“, so der Sprecher.

Der Gemeindechef volley übernehmend an seine Kritiker: „Es lohnt sich auch einmal länger zu verhandeln, wenn man weiß, dass ein beschrankter Übergang eine Gemeinde mehr als 200.000 Euro kosten kann. Was wir uns hier sparten, damit konnten wir fast die Schule bauen.“

"Auflassungen immer ein Thema"

Gasser-Mair weiter: „Keine Eisenbahnkreuzung ist die sicherste Eisenbahnkreuzung.“ Deshalb seien Auflassungen immer Thema. Er weiß, dass in Pflach sechs Auflassungen geplant sind, weiters vier technische Sicherungen. Ob beschrankt oder mit Lichtzeichen sei noch nicht endgültig geklärt. Nur ein Fußgängerübergang, jener am Königsweg, bleibe wie gehabt.

Unter den aufzulassenden Kreuzungen befindet sich auch die Zufahrt zum Säulingparkplatz. Von Ampeln auf der Hauptstraße bis zu einer Haltespur ist laut Schönherr vieles angedacht und als nicht machbar oder zu teuer verworfen worden. Es gebe aber genug andere Zufahrtsmöglichkeiten zum Ausgangspunkt der ­Säulingtouren.

Was mit Auflassung oder technischer Sicherung einhergeht, ist Ruhe. Das Pfeifen wird verstummen.


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