Italien und Bayern wollen Verbot: Skiurlaubs-Krach der Nachbarn eskaliert

Italien, Frankreich und auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wollen ein europaweites Skiurlaubs-Verbot bis Jänner. Es hagelt Kritik aus Österreichs Politik und Tourismus.

Vom Milliardengrab Hypo Alpe Adria bis zu Verkehrsbeschränkungen, Lärm beim Anflug auf Salzburg und Tourismus: Bayern und Österreich waren wiederholt im Clinch.
© TT/iStock; Montage: TT/Schuchter

Innsbruck, Wien, München – Den Anfang hatte Italiens Premier Giuseppe Conte gemacht, der wegen der Corona-Gefahr ein europaweites Verbot von Skiurlauben bis zumindest 10. Jänner verlangt hatte. Auch französische Wintersportorte könnten erst Ende des Jahres wiedereröffnet werden, kündigte Präsident Emmanuel Macron an.

In den Chor stimmte auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein, der heuer bereits mehrfach vor einem „zweiten Ischgl“ gewarnt hat. Er unterstütze den italienischen Vorstoß, die Skigebiete in den Alpen auch über Weihnachten geschlossen zu halten. „Wenn wir Grenzen offen halten wollen, brauchen wir auch eine klare Übereinkunft, was das Skifahren betrifft.“ Wer in Risikogebieten Ski fahren gehe, der müsse zehn Tage in Quarantäne. Söder pocht auf „ein einheitliches Übereinkommen auf europäischer Ebene: keine Skilifte offen – überall – beziehungsweise kein Urlaub – überall.“ Die Bild-Zeitung titelte auch wegen der wiederholten Reibereien mit dem Nachbarn wie üblich wenig zurückhaltend: „Ski-Schlacht zwischen Kurz und Söder!“ Es drohe jetzt Ski-Unheil und, wenn der Konflikt mit Österreich nicht beigelegt werden kann, sogar Grenzschließungen.

Österreich gegen europaweites Skiurlaubs-Verbot

Österreich ist strikt gegen ein europaweites Skiurlaubs-Verbot. Winterurlaub in Österreich werde sicher sein, es gebe kein Après-Ski, die Betriebe hätten umfassende Sicherheitskonzepte für den Skiurlaub, sagt Tourismusministerin Elisabeth Köstinger. Und Finanzminister Gernot Blümel hatte bereits einen Milliarden-Schadenersatz von der EU verlangt, wenn diese tatsächlich ein europaweites Skiurlaubs-Verbot durchsetzen wolle.

Im Bundeskanzleramt geht man nicht davon aus, dass es zu einem Vorstoß der EU-Kommission betreffend die Verschiebung der Skisaison kommt. „Ich hatte den Eindruck, dass es die EU jetzt als ihre Aufgabe sieht, Details für andere Länder vorzugeben“, sagte Kanzler Sebastian Kurz nach Telefonaten mit EU-Spitzen in Brüssel. Kurz wünscht sich statt Verboten einheitliche Reiseregeln in Europa. Grundsätzlich seien alle Öffnungsschritte aber abhängig von der aktuellen Entwicklung der Infektionszahlen. Einen Plan für Österreich soll der Ministerrat nächste Woche beschließen.

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

"Mit Skifahren nichts am Hut"

Tirols LH Günther Platter, der diese Woche ein „Aufsperren“ im Tourismus angekündigt hatte, meinte gestern wohl auch in Richtung München und Rom: „Ich habe den Verdacht, dass sich hier diejenigen zu Wort melden, die mit Skifahren nichts am Hut haben.“

„Entsetzt“ über Söders Vorstoß für ein Skiurlaubs-Verbot ist Tirols Tourismusobmann Mario Gerber. Söder könne weder den Einheimischen noch den Bayern das Skifahren verbieten. „Die Bayern wollen zu uns kommen und Urlaub machen.“ Sport im Freien sei ungefährlich und der heimische Tourismus mit Sicherheitskonzepten ausgerüstet. (va/aheu/APA)

Verbots-Ruf Söders löst Proteste auch in Bayern aus

Mit seiner Forderung, europaweit Skigebiete zu schließen, stößt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf viel Widerspruch auch in Bayern sowie in Berlin. „Ein übernationales Verbot des Wintersports schränkt die Erholungssuche sehr vieler Menschen unverhältnismäßig ein“, sagte der Fraktionschef des CSU-Koalitionspartners Freie Wähler, Florian Streibl. Er sei klar gegen pauschale Schließungen, weil die Bergbahnen hervorragende Hygienekon­zepte erarbeitet hätten.

Der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte schlägt in dieselbe Kerbe. „Dieser Wunsch gefällt uns natürlich nicht“, sagte eine Sprecherin. „Unser Hygienekonzept hat sich im Sommer bewährt.“ Für den Tourismus hätte eine Schließung fatale Folgen, heißt es etwa im Allgäu. „Wintertourismus ohne Bergbahnen funktioniert nicht.“

Ein generelles Skiurlaubs-Verbot sei falsch, sagte auch der Tourismusbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU). Sicherheit gehe vor, er sei aber überzeugt, dass Ski fahren unter klaren Kriterien wie einer maximal erlaubten Anzahl von täglichen Skipässen „ohne Probleme möglich ist“.

Auch der Umwelt bringe ein Verbot wenig, sagt der Regionalreferent fürs Allgäu beim Bund für Umwelt und Naturschutz, Thomas Frey: Dann könnten „Individualsportler querfeldein durch die Berge marschieren“ und Tiere wie Auer- und Schneehuhn stören. (APA, dpa)


Kommentieren


Schlagworte