„Mustafa hat sich gut integriert": Abschiebung in letzter Minute abgewendet

Viereinhalb Jahre, nachdem der kurdische Alvit Mustafa S. nach Österreich und Tirol gekommen ist, drohte ihm jetzt die Abschiebung. Doch in letzter Sekunde wurde entschieden, dass er bleiben darf. Vorerst.

Vor der Regionaldirektion Tirol des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl versammelten sich gestern Mittag Aktivistinnen und Aktivisten, um gegen die Abschiebung von Mustafa S. zu demonstrieren.
© Foto Rudy De Moor

Innsbruck – Eigentlich sollte Mustafa S. gestern um 19 Uhr in einem Flieger sitzen. Abflugort: Wien-Schwechat. Ziel: Türkei. Gestern am frühen Nachmittag gab es dann aber unerwartet doch noch die gute Nachricht für ihn und seine Unterstützer und Freunde in Innsbruck und Wien: Mustafa S. darf bleiben. Vorerst.

Im Juli 2016 hatte der heute 31-jährige einen Asylantrag gestellt, nachdem er die Türkei verlassen hatte und nach Österreich gekommen war. Als Grund für seinen Antrag auf internationalen Schutz gab der kurdische Alevit an, dass der türkische Staat gegen ihn einen politischen Prozess führe und ihm die Nähe zu einer terroristischen Organisation unterstelle. Ins Visier der türkischen Justiz sei er unter anderem geraten, als er als Student ungenehmigt Plakate anbrachte und sich 2013 an den Protesten und Demonstrationen gegen die Regierung Erdogans auf dem Gelände des Gezi-Parks in Istanbul beteiligte. In Innsbruck fand er ein neues Zuhause, inskribierte an der Uni und lernte Deutsch. Nach einer Erstbefragung im Sommer 2016 dauerte es fast drei Jahre, bis er im März 2019 vom Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl zu seinem Antrag einvernommen wurde, ein Jahr später folgte der negative Bescheid.

Protestkundgebung in Innsbruck

Am Montag gegen 8 Uhr holte die Polizei Mustafa S. ab und brachte ihn nach Wien – viereinhalb Jahre nachdem er nach Österreich gekommen war. Für seine Unterstützer ein Schock. „Mustafa drohen in der Türkei bis zu 35 Jahre Haft“, betont Yeliz Yilmaz, die gemeinsam mit Freunden gestern zu einer Protestkundgebung vor der Regionaldirektion des Bundesamtes für Fremdenwesen und Asyl in Innsbruck aufgerufen hatte. Bereits am Dienstag fand für Mustafa eine Kundgebung in Wien statt. „Mustafa S. hat sich in Tirol sehr gut integriert und möchte nach einem positiven Asylbescheid sein Studium an der Uni Innsbruck fortsetzen“, so Yilmaz.

Dass die Abschiebung doch abgewendet werden konnte, liege an der Zuerkennung einer aufschiebenden Wirkung eines Einspruches oder Bescheides in buchstäblich letzter Minute, meint Yilmaz. Näheres wisse sie aber nicht. Auch nicht, wie es jetzt mit Mustafa weitergeht. Wichtig sei jetzt, dass er bleiben darf. Wenigstens vorerst. (np)

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