Tests im 3-Minuten-Takt sind in der Kufsteiner Screening-Straße normal

Mehr als 120 Abstriche werden an Spitzentagen in der Screening-Straße der Wirtschaftskammer in Kufstein gemacht. "Ruhe bewahren" heißt es für das Testteam.

Kathrin Mermi bei der Abstrich-Entnahme.
© Vanessa Rachlé

Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Zuerst kommt das dünne Teststäbchen tief in den Rachen, es folgt ein dickeres. Würg! Dann heißt es eine Viertelstunde im Auto warten: Bing, bing – die SMS ist da: „Das Ergebnis Ihres SARS-CoV-2-Tests ist negativ.“ Aufatmen, weiterfahren. Und abends das zweite Testergebnis abwarten. Diese Szene wiederholt sich in der Screening-Straße der Wirtschaftskammer in Kufstein seit einem Monat wochentags immer wieder.

Mehr als 600 Personen nahmen bisher das Angebot in Anspruch, für einen Selbstbehalt von 110 Euro einen Antigen-Schnelltest und einen PCR-Test machen zu lassen. „Wir müssen halt einfach mit dieser Lage leben“, bringt es ein Deutscher Wahl-Tiroler beim Lokalaugenschein am Donnerstag auf den Punkt. Schutz der Mitarbeiter, Einreisebestimmungen in Deutschland, persönliche Sicherheit – die Beweggründe sind vielfältig.

Der Nebel sammelt sich unterhalb der Autobahnabfahrt Kufstein Süd. Gegen die graue Suppe behauptet sich eine Lichtquelle. Im Containerhäuschen pendeln zwei Heizstrahler hin und her, versuchen die drei Labormitarbeiter trotz Minusgrade draußen warm zu halten. In dicke Winterjacken gepackt, geschützt von einem blauen Überwurf aus dünnem Plastik, streifen sich Carina Auer und Kathrin Mermi Gummihandschuhe über, Mund und Nase sind von einer FFP-2-Maske, Kopf und Ohren mit einer Mütze bedeckt.

Kathrin Mermi (l.) und Carina Auer lassen sich nicht aus der Ruhe bringen.
© Rachlé

Um 7.30 Uhr brummen die ersten Motoren vor der Tür. Die Damen eilen hinaus, die verpackten Stäbchen in der Hand. „Guten Morgen“, strahlt Auer den ersten Lenker durchs offene Autofenster an. Ein Lächeln kommt zurück, am Handy leuchtet die Anmeldebestätigung vom Vortag auf, dann heißt es: Mund bitte weit auf! „Sie machen das super, wir haben es gleich geschafft“, spricht Mermi einer Dame Mut zu, die etwas mit ihrem Würgreflex kämpft.

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Die beiden Proben bringt Auer rasch ins Innere („Das Hin und Her hält warm!“), Kollege David Cisera taucht sie dort in eine Lösung. Ein Röhrchen voll geht für den PCR-Test ins Labor – am Abend werden die Probanden Gewissheit haben; zwei Tropfen aus dem zweiten Behältnis werden auf den Schnelltest geträufelt. Hoffen, dass sich das zweite Stricherl darauf nicht schwarz färbt. In 15 Minuten liegt das Ergebnis vor – elf Getestete warten derweil draußen in einer Autokolonne. Fünf Kunden schafft das Team pro Viertelstunde, mehr als 60 kommen an Spitzentagen vorbei. „Man ist schon angespannt, wenn draußen so viele auf ihr Ergebnis warten“, sagt Cisera, „aber wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen.“ Schließlich dürfen keine Fehler passieren.

David Cisera bei der Arbeit.
© Vanessa Rachlé

„Ich treffe viele Menschen bei Terminen, da will ich Sicherheit haben, dass ich niemanden anstecke“, schildert ein Architekt den Grund für seinen bereits zweiten Test. Ein international tätiger Geschäftsführer aus der Pharmabranche fährt heute von seinem Tiroler Zweitwohnsitz aus wieder nach Deutschland. „Ich bin jede Woche beim Testen – langsam müsste ich Stammkundenrabatt bekommen“, scherzt er.

1500 Firmen haben das Angebot der Wirtschaftskammer an den beiden Screening-Stationen in Kufstein und Innsbruck bereits genutzt. In der Festungsstadt ist es diese Woche ruhiger geworden. Das könnte auch mit der am Dienstag gefallenen wöchentlichen Testpflicht für Grenzgänger (Personen, die für Beruf oder Ausbildung nach Bayern fahren und sich mindestens einmal wöchentlich an ihren Wohnsitz zurückbegeben) zu tun haben. Der Rest der bayerischen Einreise-Quarantäneverordnung hingegen ist weiterhin aufrecht, ein negativer Test für die Pläne einer Schülerin damit obligatorisch: „Ich will meine Oma in Deutschland besuchen.“

Der Anmeldecode wird gescannt. Später bekommen die Getesteten ihr Ergebnis aufs Smartphone.
© Vanessa Rachlé

„Stäbchen rein“ heißt es selbst für die Tester in Kufstein. Der Feierabend beginnt für Auer, Cisera und Mermi erst, wenn alles desinfiziert wurde und auch die eigenen Proben auf dem Weg ins Labor sind. Abends fiebern auch sie ihrem Testergebnis-SMS entgegen – Tag für Tag, seit vier Wochen.


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