Bei der Rettung am Berg herrscht Gleichberechtigung in Tirol

Die Bergrettung ist schon lange keine reine Männerdomäne mehr. Knapp ein Fünftel der Anwärter sind mittlerweile Frauen.

Alexandra Huber mit ihrem Blue auf dem Weg zum Einsatz.
© privat

Von Wolfgang Otter

Innsbruck, Kufstein – Damals, zur Jahrtausendwende, waren sie noch „exotisch“. „Das war eine heiße Sache“, erinnert sich schmunzelnd Bergretterin Regina Poberschnigg an ihren Beginn bei der Bergrettung Ehrwald und damit an einen Vorstoß in eine damals echte Männerdomäne. Berührungspunkte zu den Rettern am Berg gab es bereits, nachdem sie als Notfallsanitäterin bei Einsätzen mit dabei war. Als sie dann die Uniform mit dem Edelweiß auf dem grünen Kreuz anziehen wollte, gab es auch heftigen Gegenwind von Bergrettern, „die meinten, wir sollen sie in diesem Bereich gefälligst in Ruhe lassen“. Aber auch von mancher Ehefrau der Kameraden kamen Einwände, wie sie sich erinnert. Andererseits erfuhr sie aber auch viel Zustimmung, erzählt Poberschnigg. Ihr Kampf für die Frauen bei der Bergrettung hat Früchte getragen. Mittlerweile gibt es in Ehrwald zwei Einsatzbergretterinnen und zwei Anwärterinnen. Und – Poberschnigg ist Ortsstellenleiterin, derzeit die einzige in Tirol. Wie sie aus Erfahrung weiß, sind in Ortsstellen, in denen eine Frau Dienst macht, bald neue Bewerberinnen zu finden.

Frauen in Uniform der Bergrettung sind mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich und dürften in Zukunft zahlenmäßig keine Minderheit mehr sein, wenn sich der Trend fortsetzt. Auch wenn sie derzeit nur knapp fünf Prozent der rund 4600 Mitglieder ausmachen – sie sind stark im Kommen. Bei den Anwärtern stellen sie bereits 17 Prozent – und bei den überprüften Anwärtern knapp 14 Prozent. Und jede Frau sei eine Bereicherung und hervorragende Retterin, weiß Landesleiter Hermann Spiegl.

Hermann Spiegl freut sich über das Interesse der Frauen an der Bergrettung.
© Silberger

Lange Zeit die einzige Frau in der Ortsstelle war auch Alexandra Huber in Elbigenalp. Nur hatte sie Vorbilder und faktisch das Bergrettungsgen im Blut. Vater und Bruder sind beide bei der Organisation. Und sie setzt mit ihrem Australian Shep­herd „Blue“ die Tradition der Hundeführer in ihrer Familie fort. „Man ist viel mit dem Hund unterwegs und macht was zusammen, bestenfalls werde ich dabei sogar zur Lebensretterin“, berichtet sie von ihrer Motivation für die Mühen und viele Stunden Ausbildung, die sie auf sich nimmt.

Motiviert sind die Bergretterinnen, berichtet Landesleiter Spiegl. Das bestätigen ihm die Ausbildner. So seien die Frauen leistungsmäßig im vorderen Drittel der Teilnehmer. Ausnahme bei der Knochenarbeit gibt es dabei für das „zarte Geschlecht“ keine. Im Einsatzfall müssen sich alle aufeinander verlassen können und jeder Handgriff sitzen. Am Berg, unter oft heftigsten Wetterbedingungen, herrscht überlebensnotwendige Gleichberechtigung.

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Mit dem Einzug der Frauen in den Bergrettungsdienst musste es auch für die derzeit knapp 230 Frauen im Schulungszentrum Jamtal Veränderungen geben. So benötigte man eigene Sanitärräume. Bevor die zur Verfügung standen, wurde im Schichtbetrieb geduscht, erzählt Spiegl. Im Februar will man die Schulungen wieder aufnehmen. Aber mit reduzierter Teilnehmerzahl. Corona lässt auch am Berg grüßen.

Bei Einsätzen am Berg gibt es kein falsches Wetter, sondern nur falsche Kleidung.
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