Hochwasserschutz: Kammerchefs rufen zu Dialog in Causa Radfeld auff

Die Chefs von Wirtschafts- und Landwirtschaftskammer wollen beim Hochwasserschutz im Unterland vermitteln. Christoph Walser und Josef Hechenberger rufen die Beteiligten zum Dialog auf.

In Radfeld ist der Widerstand gegen die Retentionsflächen für den Hochwasserschutz ungebrochen.
© Otter

Von Wolfgang Otter

Radfeld, Innsbruck – Die Situation ist kompliziert, die Fronten festgefahren. Wann und ob überhaupt jemals ein Inn-Hochwasserschutz im unteren Unterinntal von Brixlegg bis Wörgl möglich wird, steht in den Sternen. Die Gemeindeführung und viele Grundbesitzer legen sich gegen den enormen Flächenverbrauch von 140 Hektar für Retentionsflächen in Radfeld quer, auf denen das Innhochwasser „zwischengeparkt“ werden soll.

Die Folge ist Stillstand. Die Kammerpräsidenten Christoph Walser (Wirtschaft) und Josef Hechenberger (Landwirtschaft) wollen jetzt die Sache in Bewegung bringen. Sie hätten sich in Radfeld ein Bild von der Situation gemacht und Gespräche mit Bürgermeister Josef Auer und Bürgerinitiativen sowie Grundbesitzern geführt. Ihr Fazit: „Es müssen noch einmal alle an einen Tisch, um die Argumente auszudiskutieren“, sagen Walser und Hechenberger.

Das Ziel sei, einen jahrelangen Rechtsstreit zwischen Radfeld und dem Gemeindeverband um eine Zwangsmitgliedschaft des Ortes zu vermeiden. Dazu sollte der Flächenverbrauch so gering wie möglich gehalten werden. Nicht nur in Radfeld, sondern bei allen anderen noch vorgesehenen Retentionsflächen.

Angeblich, so das Präsidentenduo, habe Bürgermeister Auer in Aussicht gestellt, bei einer Reduktion der Retentionsflächen auf die Hälfte dem Projekt zuzustimmen. „Warum soll ein Grundbesitzer derzeit Flächen hergeben, solange es unterschiedliche Expertenmeinungen gibt?“, wirbt Hechenberger um Verständnis für die Haltung der Landwirte. Es gebe eben ein „Misstrauen“ in dieser Frage.

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Für Walser erscheint auch die Möglichkeit, durch Kraftwerke Wasser zurückzuhalten, durchaus plausibel. Es müssten auf alle Fälle alle Möglichkeiten geprüft und aus allen Expertisen das Beste zusammengeführt werden. „Und wenn Kraftwerke eine Lösung sind und dann die Koalitionspartner in der Regierung dagegen sind, wissen wir, wie wir mit den Grünen umzugehen haben“, sagen Hechenberger und Walser, die sich aber nur als Kammerpräsidenten zu Wort melden wollten.

Beim zuständigen LHStv. Josef Geisler (VP) stoßen die beiden auf offene Türen. Er sei ohnedies im ständigen Dialog, und auch das Rückhaltepotenzial von Kraftwerken werde derzeit von einem externen Fachmann überprüft. Wasserkraft zu nützen, sei sehr in seinem Sinne, so Geisler. Nur die Hälfte der derzeit benötigten Retentionsflächen in Radfeld durch alpine Maßnahmen einzusparen, sei „Utopie“, so Geisler.


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