Großeinsatz bei den Massentestungen: Das Bundesheer übt den Kraftakt

Bei den Corona-Massentestungen kommt es erstmals in der Geschichte des Bundesheeres in allen Bundesländern zu einem Assistenzeinsatz des Militärs.

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Das Bundesheer demonstrierte in einer Musterstraße den Ablauf der Corona-Massentestung.
© APA

Von Michael Sprenger

Wien – Wenn man jetzt auf den Knopf drückt, dann stehen dem österreichischen Bundesheer 30.000 Personen für seine Aufgaben zur Verfügung – und zwar Berufssoldaten und Grundwehrdiener gerechnet. Und wie viele Soldaten werden für den Einsatz im Rahmen der Covid-19-Massentestungen benötigt? Das ist derzeit noch eine offene Frage beim Bundesheer. Oberst Michael Bauer erklärt dies im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung damit, dass die Bundesländer unterschiedliche Pläne verfolgen und damit auch die angeforderte Unterstützung des Heeres eine unterschiedliche sei.

Vorarlberg ist mit seinen Planungen schon fertig – und macht vieles eigenständig. Dort ist die Aufgabe relativ überschaubar. „Unsere Aufgabe in Vorarlberg ist es unter anderem, den Transport der Testkits zu den Teststationen sowie den Rücktransport von nicht verbrauchten Kits zu übernehmen. In der Steiermark hingegen übernimmt das Militär quasi die Testung. Das Bundesheer bietet den Bundesländern ein Susi-Sorglos-Paket in Sachen Massentestungen an. Die Bundesländer suchen sich aus, was sie aus unserem Angebot benötigen“, erklärt Oberst Bauer, Sprecher des Bundesheeres.

Wenn auch noch nicht klar ist, mit wie viel Mann und Frau das Bundesheer bei den Testungen im Einsatz ist, kann man die Herausforderung, vor der das Heer steht, beschreiben? „Der personell größte Bundesheereinsatz seit 1955 war die Hochwasserkatastrophe im Jahr 2002. Damals waren 12.000 Soldaten im Einsatz. Ob es bei den Massentestungen mehr oder weniger Personal braucht, ist offen. Aber wir hatten noch nie einen Assistenzeinsatz zeitgleich in allen neun Bundesländern.“

Das Bundesheer ist bereits seit März mit der Bekämpfung der Pandemie beschäftigt. Dabei waren über den Daumen gerechnet zur Hälfte Grundwehrdiener und je zu einem Viertel Milizsoldaten und Berufssoldaten im Einsatz.

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Wenn man davon ausgeht, dass es – wie von der Politik gewünscht – mehrere Massentestungen im Winter geben wird, ist dann das Bundesheer nicht auf Wochen blockiert? „Nein, das Bundesheer wurde dafür geschaffen, dass solche Einsätze – wenn auch nicht explizit Massentestungen – gemacht werden können. Es geht um den Schutz der Bevölkerung. Aber natürlich ist dies ein Kraftakt. Und es kann beim Heer zu Einschränkungen kommen“, sagt Bauer.

Das Bundesheer hat am Freitag derweil in einer Sporthalle in Korneuburg mit einer Musterstraße den Ablauf der geplanten Massentestungen auf das Coronavirus demonstriert. Das System soll am 5. und 6. Dezember bei der Untersuchung des niederösterreichischen Lehrpersonals, die auch als Testlauf für die Behörden dienen soll, zum Einsatz kommen.

📽️ Video | Bundesheer bereitet Teststraßen für Corona-Massentests vor

Die Steiermark hat gestern festgelegt, eine Woche nach Tirol, also am 12. und 13. Dezember, die Massentestungen durchzuführen. Wo genau die Teststraßen zu finden sein werden, soll bis Mitte kommender Woche feststehen. Die Organisation der Testungen würden in enger Abstimmung mit Land und Bundesheer durchgeführt. „Wir sind überzeugt, dass diese Tests uns helfen können, Infektionsketten zu unterbrechen“, sagt Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer.

Extra-Schichten in den Laboren

Über 60 Prozent der Südtiroler Bevölkerung ließen sich beim kürzlich abgehaltenen Massentest auf Corona untersuchen – bei einem Prozent wurde das Virus entdeckt.

Falls die in Tirol für das Wochenende vom 4. bis 6. Dezember angesetzte Aktion genauso viel Zuspruch findet, würden sich 500.000 Menschen testen lassen und 5000 davon ein positives Ergebnis erhalten – sofern die Rate gleich wie in Südtirol ist. Anders als in der autonomen Provinz müssen hierzulande alle beim Antigentest als positiv Identifizierten auch zum PCR-Test. Eine Herausforderung für ohnehin schon strapazierte Screening-Straßen und Labore. „Die Teststraßen werden an den drei Tagen auch am Abend länger offen halten“, heißt es dazu in einer Stellungnahme des Landes Tirol. Auch Labore und Rettungsdienste bereiten sich auf Extra-Schichten vor.

Das medizinische Material, das für den Massentest benötigt wird, kommissioniert das österreichische Bundesheer. „Wir lagern und verteilen in und von den Kasernen in Landeck, Innsbruck, Vomp, St. Johann und Lienz aus“, sagt Christoph Seidner, Sprecher des Landeskommandos. Welche weiteren Aufgaben das Heer übernehme, sei derzeit unklar.

Fest steht, wo in Innsbruck getestet wird. Insgesamt sechs Standorte sind vorgesehen: Messehalle, Congress, Olympiahalle sowie drei kleinere Lokale. Abstriche werden von Freitag bis Sonntag zwischen 7 und 17 Uhr genommen.


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