Mini-Serie „The Undoing“: Besser betuchte Verrätselung

Die starbesetzte Mini-Serie „The Undoing“ ist eine als Krimi getarnte Hochglanz-Seifenoper.

High Society unter Mordverdacht: Hugh Grant und Nicole Kidman als New Yorker Schickeria-Paar in der neuen Sky-Serie „The Undoing“.
© HBO

Innsbruck – Vor etwa zehn, vielleicht 15 Jahren wäre „The Undoing“ ein Kinofilm geworden. Ein elegant und durchaus aufwändig inszenierter Thriller. Neunzig, eventuell 120 Minuten wendungsreiche Mörderjagd, Stars in schönem Dekor, messerscharfe Dialoge, vielsagende Blicke.

Doch solche Filme ließen sich in Hollywood schon vor Corona nicht mehr finanzieren. Großproduktionen müssen inzwischen Milliarden einspielen, um sich halbwegs zu rechnen. Und unabhängige Produktionen könnten sich im besten Fall einen der Stars, die in „The Undoing“ aufmarschieren, leisten. Deshalb wurde „The Undoing“ zum Sechsteiler fürs US-Bezahlfernsehen. Hierzulande läuft die Mini-Serie nun auf Sky.

📽️ Trailer | „The Undoing“

Fürs Fernsehen aufbereitet wurde der auf einem internationalen Bestseller von Jean Hanff Korelitz basierende Stoff von David E. Kelly, der einst „Ally McBeal“ schuf – und sich spätestens mit „Big Little Lies“ aufs Ausdeuten besser betuchter Abgründe spezialisiert hat. Inszeniert wurden die sechs einstündigen Episoden von der dänischen Oscarpreisträgerin Susanne Blier („In einer besseren Welt“). Beide Namen bürgen für handwerkliche Qualität.

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Und die der Stars sowieso: Nicole Kidman, die die Serie mitproduzierte und für den Vorspann „Dream a Little Dream of Me“ singen darf, spielt eine Therapeutin aus bestem Hause, Hugh Grant ihren Ehemann, einen feingeistigen Spitzenmediziner, Donald Sutherland den milliardenschweren Patriarchen. Drum herum gruppiert sich eine ganze Legion gesichtsbekannter Charaktermimen. Der großartige Édgar Ramírez zum Beispiel soll als Detective der New Yorker Polizei jenen Mord aufklären, um den „The Undoing“ kreist – und wirkt dabei selbst alles andere als unverdächtig.

Das ist im Grunde der große, wenn auch nicht wirklich neue, Clou der Serie: Alle sind verdächtig. In der New Yorker Überdrüberoberschicht, wo alle gelernt haben, den strahlend schönen und sündteuren Schein zu wahren, reiht sich ein dunkles Geheimnis ans nächste. Bis zur letzen, mit „The Bloody Truth“ überschiebenen Episode werden alle Figuren als mögliche Totschläger vorgeführt: Jeder und jedem ist im Grunde alles zuzutrauen.

Die permanente Verrätselung des Rätsels ist in „The Undoing“ oberstes Prinzip. Ihm wird alles untergeordnet. Plausibilität genauso wie Psychologie. Insofern ist die Serie weniger Krimi als Seifenoper. Es geht ihr nicht um den Aufbau von Spannung, sondern um zumeist präzise als Cliffhanger gesetzte Überraschungseffekte. Die allerdings wurden bislang selten schöner ins Bild gesetzt als in „The Undoing“. (jole)


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