„Adventkalender“ für Kunsthungrige in der Altstadt

© Vanessa Rachlé / TT

Innsbruck – Die Entscheidung, ihr artdepot von einem Wiltener Stöcklgebäude in ein Ladenlokal in der Riesengasse 8 zu übersiedeln, erweise sich gerade in Zeiten des Lockdowns als goldrichtig, sagt Birgit Fraisl. Besonders weil ihre neue Galerie über zwei große Schaufenster verfügt, von denen sie eines während der kommenden vier Wochen in einen „Adventkalender“ für Kunsthungrige verwandelt. Wo es jeden Tag ein anderes Objekt zu sehen geben wird, am heutigen Tag eins einen 1994 entstandenen Siebdruck von Otto Mühl. Eine ganz und gar nicht adventlich besinnliche, barbusige „Frau mit Hut“ zeigend, die frech und in plakativem Schwarzweiß aus dem Fenster schaut.

Womit bis zum 24. Dezember dieser „Adventkalender“ bestückt sein wird, soll eine Überraschung bleiben. Allein die Nr. 24 wird verraten: Die rätselhafte Arbeit „Still“ der steirischen Konzeptkünstlerin Matta Wagnest. An den übrigen Tagen wird das Fenster mit Objekten der unterschiedlichsten Art bestückt. Mit solchen, die zwischen 300 und 20.000 Euro kosten, abhängig von der Technik bzw. dem Renommee ihrer Erzeuger. Je nachdem, ob sie Hermann Nitsch, Rudolf Schwarzkogler, Gerhild Diesner, Ilse Abka Prandstetter bzw. Nora Schöpfer heißen oder – noch – „No-Names“ in der Szene sind.

Nach einem Tag wandert das jeweils gezeigte Kunstwerk an eine galeristische Wand, um auf diese Weise Stück für Stück zur nächsten Ausstellung des artdepot zu werden, außer jenen Arbeiten, die vielleicht als Weihnachtsgeschenk unter einem Christbaum liegen sollen. Denn ein Anruf bei der Galerie genügt und das jeweilige Objekt der Begierde wird geliefert.

Man müsse in Zeiten wie diesen fantasievoll sein, sagt Birgit Fraisl, die hofft, nächste Woche wieder aufsperren zu können. Sie sei jedenfalls fest entschlossen, durch die aktuelle Krise durchzutauchen, denn ganz gegen den Rat ihres Steuerberaters sei Aufgeben so ganz und gar nicht ihre Sache. (schlo)


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