Viele freiwillige Helfer für Massentests in Innsbruck

Die Landeshauptstadt richtet 85 Testlinien an sechs Standorten ein. Der personelle Aufwand ist enorm. 70.000 Testkits wurden angefordert.

Zwei bis sechs Minuten pro Person kalkuliert das Stadtmagistrat für die Tests ein. Die Ergebnisse erfährt man noch am selben Tag.
© Rachle

Innsbruck — Die freiwilligen Antigen-Massentests (4.bis 6. Dezember) werden für ganz Tirol eine gewaltige organisatorische Herausforderung — besonders gilt das jedoch für die Landeshauptstadt Innsbruck. Dort laufen die Vorbereitungen seit Mitte letzter Woche auf Hochtouren, gestern waren Details zu den Abläufen zu erfahren.

Getestet wird in Innsbruck von Freitag bis Sonntag jeweils von 7 bis 17 Uhr. Sechs Standorte mit insgesamt 85 „Testlinien" stehen den Bürgern zur Auswahl: Neben den großen Stationen Olympiahalle, Messe (Halle A) und Congress Innsbruck mit jeweils 25 Testlinien sind das auch das Bildungshaus Seehof auf der Hungerburg, die Sporthalle der Mittelschule O-Dorf und der Congress Igls.

„Ich appelliere an alle, die in Innsbruck leben, Verantwortung wahrzunehmen.“ –Georg Willi (Bürgermeister)
© TT/De Moor

70.000 Testkits wurden angefordert, BM Georg Willi (Grüne) hofft auf „möglichst viele" Teilnehmer, ohne sich auf ein konkretes Ziel festzulegen. Er appelliert an alle, die in Innsbruck leben, „Verantwortung wahrzunehmen". Es gehe darum, jene Leute zu finden, die Corona-positiv, aber asymptomatisch sind.

Was den Aufruf an freiwillige Helfer aus der Bevölkerung betrifft, zeigte sich Gesundheitsstadtrat Vize-BM Hannes Anzengruber (ÖVP) gestern Nachmittag begeistert über die vielen Unterstützungsangebote. Allein über den Aufruf des Landes bzw. der GemNova hätten sich für Freitag bereits 55, für Samstag 144 und für Sonntag 119 Ärztinnen und Ärzte gemeldet, beim medizinischen Personal (Krankenpflegepersonal, Sanitäter etc.) seien es bislang 165 für Freitag, 239 für Samstag und 226 für Sonntag. Freiwillige können und sollen sich auch weiterhin melden — der Anmeldelink erscheint auf der Startseite der Stadt-Homepage innsbruck.gv.at

📽️ Video | Bürgermeister Willi zum Massentest in Innsbruck

Den sonstigen Personalaufwand könne man großteils mit eigenem Personal stemmen, erklären Andrea Schwaighofer (Büroleitung Magistratsdirektion) und Katharina Bonauer (Amtsleitung Personalwesen). Rund 250 Mitarbeiter des Stadtmagistrats stehen pro Tag im Einsatz — Verwaltungspersonal (Anmeldung, Dateneingabe), das Gesundheitsamt, aber etwa auch IT- und Statistikspezialisten. Daher wird das Rathaus am Freitag für den Parteienverkehr komplett geschlossen.

Hilfe kommt z. B. auch von den Johannitern oder den Feuerwehren — letztere leisten etwa Transportaufgaben, Ordner- und Hilfsdienste.

Drive-In-Teststraßen gibt es nicht, Personal vor Ort wird auf Abstandsregeln achten, an jedem Standort bestehen Kapazitäts-Höchstgrenzen und „Einbahnregelungen". Ein eigenes, online abrufbares Ampelsystem soll anzeigen, welche Teststation gerade wie stark belastet ist. Mitbringen müssen die Bürger die zuvor per Post versandten, ausgefüllten Datenblätter und einen amtlichen Lichtbildausweis.

In Innsbruck wird per Nasenabstrich getestet, positive Ergebnisse werden über das Corona-Center Innsbruck und die Gesundheitshotline 1450 abgearbeitet, sie informieren über den Ablauf der dann notwendigen PCR-Tests. (md)

„Wir dürfen uns keine Wunder erwarten“

Massentests könnten dazu beitragen, die Infektionszahlen zu senken, „aber sie sind nur ein Puzzlestein". Niki Popper, Simulationsforscher an der TU Wien, plädiert dafür, sich an den Tests zu beteiligen. Man müsse aber so realistisch sein, dass man bis in den Frühling mit gewissen Einschränkungen und Maßnahmen werde leben müssen.

Man dürfe sich von den Massentests keine Wunder erwarten und schon gar nicht, dass man sich ein nachhaltiges Behandeln von Patienten und das Contact-Tracing spart, so Popper. Die nun aufgebaute Infrastruktur solle bei künftigen regionalen Ausbrüchen für rasches Testen und „Tracen" genutzt werden. Schnelles Handeln sei wichtig, denn „Containment" mache nach 24 bis 48 Stunden keinen Sinn mehr. „Dann ist das Geschehen schon passiert."


Kommentieren


Schlagworte