Kampf gegen Online-Riesen: „Wie David gegen Goliath“

Regierung und Wirtschaftskammer rufen zum Online-Einkauf bei österreichischen Händlern auf. Handel bereitet sich auf Lockdown-Ende vor.

Die heimische Wirtschaft und die Regierung appellieren an die Konsumenten, auch beim Onlineshopping auf den regionalen Handel zu setzen.
© iStockphoto

Wien –Kurz vor Weihnachten werben das Wirtschaftsministerium und die Wirtschaftskammer (WKÖ) für den regionalen Handel und Onlineshops der österreichischen Unternehmen. Der Handel leidet, wie berichtet, massiv unter den Geschäftsschließungen in der normalerweise umsatzstärksten Zeit des Jahres. Gewinner ist aktuell vor allem der Onlinehandel. Hier verzeichnen jedoch überwiegend die Online-Riesen aus dem Ausland starke Umsatzzuwächse.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) sieht einen „Kampf David gegen Goliath“ im Wettrennen des heimischen Handels mit Online-Konzernen wie Amazon und Zalando, wie sie bei einer Pressekonferenz erklärte. Heuer rechnet die Wirtschaftskammer (WKO) mit einer Zunahme der Onlineumsätze von zuletzt 7,4 Mrd. Euro auf mehr als 8 Mrd. Euro, wie WKO-Präsident Harald Mahrer erklärte. „Amazon hat 10,4 Prozent vom gesamten Online-Handelskuchen, Zalando mehr als 4 Prozent. Erst auf Platz 3 folgt der erste österreichische Händler Universal mit einem Prozent“, sagte Mahrer. Es sei „an der Zeit, den großen Online-Händlern die Stirn zu bieten“, ergänzte Schramböck.

Bereits im ersten Lockdown initiierten das Land Tirol und die Standortagentur Tirol in Kooperation mit der TT und der WK-Tirol die Online-Plattform wirkaufenin.tirol, auf der rund 2000 Tiroler Unternehmen gelistet sind. Nun legt der Bund nach. Das Wirtschaftsministerium hat gestern gemeinsam mit der WKÖ die Plattform kaufhaus-oesterreich.at online gestellt. Darauf sind bislang rund 1000 österreichische Onlineshops gelistet, 58 davon aus Tirol. „Es ist keine Kopie von Amazon, es ist auch nicht unser Ziel“, sagte Schramböck. Vielmehr wolle man österreichische Händler leichter auffindbar machen.

Auch WKO-Handelsobmann Rainer Trefelik appelliert an die Konsumenten, lokal zu shoppen. „Bitte unterstützen Sie mit Ihrem Einkauf den Handel in Österreich“, so Trefelik in einer Presseaussendung. „Ihre Kaufentscheidung hilft, den Fortbestand der Geschäfte und von Arbeitsplätzen zu sichern.“

Die Handelsbetriebe bereiten sich indes auf die Öffnung der Geschäfte nächste Woche vor. Dazu wurde ein Maßnahmenkatalog für „sicheres Aufsperren“ erarbeitet. Die Inhalte des Katalogs reichen von „Anstellsysteme vor Shops implementieren“ über Hygienevorkehrungen im Geschäft und „Wühltische entzerren“ bis hin zum Bezahlvorgang, wie die WKO mitteilte. Am Mittwoch will die Regierung den weiteren Zeitplan für die Öffnungsschritte bekannt geben. Die Händler rechnen mit einem Lockdown-Ende für ihre Branche am 7. Dezember. Schramböck und Mahrer wollten das noch nicht fix bestätigen. (ecke, APA)


Kommentieren


Schlagworte