5.400 Bundesheersoldaten bei Massentests im Einsatz

Das Bundesheer ist mit einem regelrechten Großaufgebot von rund 5.400 Soldaten und Zivilbediensteten im Einsatz, um die diese Woche startenden Corona-Massentests in den Bundesländern zu ermöglichen. Alleine in der Bundeshauptstadt werden 2.000 Mann benötigt, teilte das Bundesheer der APA am Montag mit. Inklusive der Grenz- und Auslandseinsätze sowie aller anderen Covid-Einsätze sind derzeit knapp 8.250 Soldaten des Bundesheers in einem Einsatz.

Die Militärkommanden der Bundesländer arbeiten derzeit auf Hochtouren an den Vorbereitungen für die Testungen der Lehr- und Schulpersonals. Aufgrund der Vorgaben der Gesundheitsbehörden in den Bundesländern ergeben sich unterschiedliche Aufgabenstellungen. So ist etwa die Streitkräftebasis mit ihren Soldaten und Zivilbediensteten für die Logistik der Schutzausrüstungen und Testkits für das gesamte Bundesgebiet sowohl für die Lehrertestungen als auch für die Massentests zuständig. Zusätzlich werden auch hier Sanitätsfachpersonal sowie Soldaten und Zivilbedienstete für die Organisation von Teststraßen abgestellt. Somit stehen hier rund 600 Soldaten und Zivilbedienstete im Einsatz.

In Wien wird ab Mittwoch bis 12. Dezember an drei Standorten (Stadthalle, Messegelände und Marx Halle) getestet. Dafür werden 300 Teststraßen vorbereitet, bei denen rund 2.000 Soldaten und Zivilbedienstete zum Einsatz kommen. Unterstützt werden die Wiener Soldaten (Garde verantwortlich für Marx Halle mit 60 Teststraßen, Heereslogistikschule verantwortlich für die Stadthalle mit 40 Teststraßen) von den Soldaten der 3. Jägerbrigade aus Niederösterreich, Burgenland, der Steiermark und Kärnten.

In Vorarlberg wird die gesamte Bevölkerung vom 4. bis 6. Dezember getestet. Hier ist das Bundesheer mit 120 Soldaten und Zivilbediensteten in Form von Sanitätsfachpersonal und in der Logistik im Einsatz. In Tirol, wo ebenfalls vom 4. bis 6. die Lehrer- und die Massentestungen laufen, übernimmt das Bundesheer die Verteilung der Schutzausrüstungen und der Testkits. Für die Testungen sind 450 Soldaten und Zivilbedienstete im Einsatz.

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In Salzburg werden die Testungen in Kasernen (Schwarzenbergkaserne, Wallnerkaserne, Krobatinkaserne, Struckerkaserne) stattfinden. Dabei werden insgesamt 33 Teststraßen mit 200 Soldaten und Zivilbediensteten betrieben.

In Oberösterreich wurden 20 Testorte mit 47 Teststraßen vorbereitet, bei denen die Organisation beim Bundesheer liegt. Es werden die Testkits und die Schutzausrüstungen geliefert und die Teststraßen mit Sanitätspersonal sowie Soldaten betrieben, in Summe 500 Soldaten. Für die Massentests, 11. bis 14. Dezember, erfolgen die Lieferungen der Schutzausrüstungen und Testkits aus dem Heereslogistikzentrum Wels an die Bezirkswarnzentralen durch das Bundesheer. Von dort erfolgt die Abholung und Verteilung durch die Oberösterreichischen Feuerwehren an die Teststationen.

Auch in Niederösterreich ist das Heer bei den Lehrertestungen federführend. Die Festlegung der 29 Standorte mit 70 Testspuren erfolgte in Absprache mit dem Land und den Bezirksverwaltungsbehörden. Eingesetzt werden täglich rund 1.000 Soldaten. Die Planungen für die Einbindungen des Bundesheeres bei den Massentests, die am 12. starten, sind noch in Laufen.

Im Burgenland unterstützt das Bundesheer logistisch bei der Anschaffung und Transport der Testkits sowie mit San-Fachpersonal und Soldaten im organisatorischen Ablauf an neun Standorten in ganz Burgenland mit 100 Soldaten.

In Kärnten ist das Bundesheer alleinverantwortlich für die Lehrertestungen und unterstützt bei den Massentestungen. Bei den Lehrertestungen erfolgt die Abstützung auf die militärische Infrastruktur und Kasernen. Bei den Lehrertestungen stehen täglich 300 Soldaten im Einsatz. Für die Testungen des Bildungspersonals in der Steiermark wurden 20 Standorte mit 36 Teststraßen festgelegt und es werden sich dabei 130 Soldaten und Zivilbedienstete im Einsatz befinden. Die Massentests finden vom 12. bis 13. statt.

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP), der es nach einem positiven Corona-Test am Sonntag gesundheitlich gut geht, wie es im Ministerium heißt, zeigte sich vom außergewöhnlichen Aufgebot an Soldaten beeindruckt. „Auf das Bundesheer kann man sich verlassen und das wissen die Österreicherinnen und Österreicher auch.“

Als „sinnvolles und probates Mittel“, um die Covid-19-Zahlen in Österreich in den Griff zu bekommen, bezeichneten unterdessen Experten in einem vom Bundeskanzleramt veranstalteten Hintergrundgespräch die geplanten Massentests mit Antigen-Schnelltests. Es brauche aber auf jeden Fall Wiederholungen der möglichst flächendeckenden Programme, etwa in Regionen mit dann wieder höheren Zahlen, hieß es am Montag. Ob man ohne weiteren Lockdown auskommen wird, hänge auch von der Folgestrategie ab.

Man müsse sich vor Augen halten, dass man sich einen neuen „Shutdown“ wie momentan „nicht mehr leisten“ könne, sagte die Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin an der Medizinischen Universität (Meduni) Wien, Ursula Wiedermann-Schmidt, vor Journalisten. Mit den nun verfügbaren „hochwertigen Tests“ gelange man in 15 bis 30 Minuten zu einem Ergebnis. Vorausgesetzt die Bevölkerung mache in ausreichendem Ausmaß mit, ließen sich damit Infektionsketten unterbrechen und die gefürchteten asymptomatischen Virusträger mit hoher Virenlast und kaum Symptomen effektiv herausfiltern. Der Zeitpunkt nach dem Lockdown sei „ideal“, eine Wiederholung vor oder nach Weihnachten wäre sinnvoll.

Für Oswald Wagner, Leiter des klinischen Instituts für Labormedizin am Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH), sind die nun anstehenden Massentests sogar die einzige Chance, um einer Verlängerung des Lockdowns entgegenzuwirken. Würden diese am besten noch vor Weihnachten und vielleicht regional wiederholt, ersetze das auch die Kontaktnachverfolgung zum Teil. Sind die Fälle dann deutlich niedriger, müsse auch das Contact-Tracing so aufgesetzt sein, da dies hierzulande „nie so richtig funktioniert hat“, so der Experte.


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