Umweltbereich bleibt weiterhin das Sorgenkind bei Lebenszufriedenheit

Studie der Statistik Austria: Noch zeigt die Corona-Krise keine signifikanten Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit.

  • Artikel
  • Diskussion
Im Umweltbereich ist ein politisches Handeln notwendig. So interpretiert Wifo-Chef Badelt die aktuelle Studie.
© Thomas Boehm / TT

Wien – Die aktuelle Studie über die Lebenszufriedenheit liegt noch nicht offiziell vor. Aber der hohe Wert in Österreich soll auch durch den Studienzeitraum während des ersten Lockdowns im Frühjahr nicht beeinträchtigt worden sein. In diesem Zeitraum wurden die Daten für die Studie EU-SILC 2020 erhoben. Gestern veröffentlichte die Statistik Austria die Studie zu 2019. Dabei hatten die Österreicher ihre Lebenszufriedenheit durchschnittlich mit 8 von 10 Punkten bewertet, nur Finnen und Iren waren zufriedener.

„Bislang können wir aus diesen Ergebnissen keinen Einfluss von Covid auf die allgemeine Lebenszufriedenheit messen“, sagte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. Entgegen den Erwartungen habe es bei der Lebenszufriedenheit im Vergleich zum Vorjahr „kein Absinken“ gegeben, sondern sie sei „stabil auf hohem Niveau“ geblieben, erklärte Sozialstatistikerin Nadja Lamei.

© APA

Die Lebenszufriedenheit ist einer von 31 Indikatoren der jährlich erstellten Studie, die ein ganzheitliches Bild vom Zustand Österreichs vermitteln soll. Vor der Krise „stand Österreich, was den Wohlstand und die Lebensqualität betrifft, exzellent da“, sagte Thomas. Gemeinsam mit Wifo-Chef Christoph Badelt wagte Thomas erste Einschätzungen hinsichtlich des Corona-Jahrs 2020. Dazu wurden vorläufige Daten aus der Studie EU-SILC 2020 verwendet, aber etwa auch BIP-Quartalszahlen.

In der EU-Studie 2020 berichteten 21 Prozent von einem Rückgang ihres Haushaltseinkommens in den vergangenen zwölf Monaten, während es im Jahr davor nur 13 Prozent gewesen waren. Auswirkungen der Krise auf die Armutsgefährdung seien „nicht statistisch quantifizierbar“, hieß es weiter.

3 x Futterkutter-Kochbuch zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Kritischer äußerte sich Thomas zu den Arbeitslosenzahlen. Sie seien schon vor der Corona-Krise deutlich höher als etwa in den 1970er-Jahren gelegen, strukturelle Probleme wie etwa die Langzeitarbeitslosigkeit seien nicht gelöst. Der Statistik-Austria-Generaldirektor hob zugleich hervor, dass die Kurzarbeit heuer „zu einem Gutteil“ den Rückgang der Beschäftigung abgefedert habe.

Weiterhin vergleichsweise schlecht sieht es im Umweltbereich aus. So stiegen die Treibhausgasemissionen im Vorjahr um 1,8 Prozent an. Besonders negativ ist die Entwicklung im Verkehrsbereich, dessen Energieverbrauch zwischen 2000 und 2018 um 36,8 Prozent (EU-Schnitt: 7,7 Prozent) gestiegen sei.

Badelt drängte die Politik angesichts der negativen Trends im Umweltbereich zum Handeln. „Wenn man sich zum Beispiel die Verkehrszahlen anschaut – da kann ich als Politiker nicht sagen: ‚Da kann ich nichts machen‘“, sprach Badelt von „Alarmstufen“ in dem Bericht. Er plädierte für Anreize, dass sich die Menschen „klimakonform verhalten“. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass die Regierung eine ökologische Steuerreform durchführen werde. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass gar nichts passiert. Das wäre eine Blamage, zumindest für einen Koalitionspartner“, sagte er. (TT, APA)


Kommentieren


Schlagworte