Schluss mit Belustigung: Kulturszene wehrt sich gegen Politik

Eine prominent besetzte Allianz der Kulturszene nimmt die Politik in die Pflicht.

Die im Oktober entstandene Plattform von Tiroler Kulturschaffenden (mit Arno Ritter, 3. v. l.) findet inzwischen österreichweit großen Zuspruch
© Vanessa Rachlé / TT

Innsbruck, Wien – Neun Monate nach Ausbruch der Corona-Krise wollen die Kulturschaffenden politisch endlich ernst genommen werden. In den Covid-Verordnungen wurden Theater, Kinos, Museen und Co. bisher den Stichworten „Unterhaltung“ und „Belustigung“ zugeordnet. „Das entspricht keinesfalls der Bedeutung von Kunst und Kultur als Träger von Bildung und professioneller Kunstvermittlung“, betont Arno Ritter, der Leiter des Architekturforums „aut“. Kunst und Kultur seien „systemrelevante Teile der Gesellschaft und sollen auch so behandelt werden“, appelliert Ritter in Richtung der Entscheidungsträger.

Ritter und mit ihm eine breite Allianz von Tiroler Kulturschaffenden hatte sich schon im Oktober an die Öffentlichkeit gewandt. Die freie Szene und die institutionelle (wie etwa das Landestheater) zeigten sich dabei Schulter an Schulter. Durch häufig unklare bzw. geänderte Corona-Beschränkungen fühle man sich vor vollendete Tatsachen gestellt und übergangen, lautete der Tenor damals.

Offener Brief an die Bundesregierung

Mit dem aktuell bis 7. Jänner verlängerten Veranstaltungsverbot spitzt sich die Lage weiter zu. „Es gibt viel Verständnis dafür, dass Kultur vor Publikum angesichts der Infektionszahlen noch nicht möglich ist“, räumt Ritter ein. Gleichzeitig müsse aber auch die Politik aufwachen: „Kunst und Kultur sollen bei den Covid-Verordnungen und -Hilfen eigenständig betrachtet werden. Und wir brauchen für die langfristige Planungssicherheit Budgets mit jährlicher Indexanpassung.“

Einen offenen Brief dieses Inhalts hat die Tiroler Kulturallianz der Bundesregierung übermittelt, von Kanzler Sebastian Kurz abwärts. Der Tiroler Vorstoß fand Hunderte Unterstützer in ganz Österreich. Die Auflistung der Brief-Befürworter liest sich wie das erweiterte „Who’s Who“ des heimischen Kulturbetriebs: von Künstlerin Eva Schlegel bis Schauspieler Tobias Moretti, von Kabarettist Dirk Stermann bis Komponist Johannes Maria Staud, von Schriftsteller Robert Menasse bis zu Interessenvertretern wie Gerhard Ruiss (IG Autoren) und führenden Köpfen von Institutionen wie der Wiener Secession oder diverser Museen und Theater.

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Vielleicht liegt es an dieser geballten Prominenz, dass Staatssekretärin Andrea Mayer auf Anfrage der TT rasch reagierte. Sie wisse um die Irritationen, welche die Apostrophierung von Kulturbetrieben als „Freizeiteinrichtungen“ ausgelöst habe. In der ab 7.12. geltenden neuen Verordnung werde die Kultur „separat genannt“. Ein kleiner Erfolg, immerhin. (mark)


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