Wegen Olympia zum Glück gezwungen: Solo im Bob macht Beierl wenig Spaß

Die Wahl-Tirolerin Katrin Beierl startet in Winterberg erstmals im Monobob und vermisst ihre Anschieberin.

Keine Liebe auf den ersten Blick: Für Katrin Beierl beginnt das Abenteuer mit ihrem Monobob.
© ÖBSV

Von Benjamin Kiechl

Winterberg – Eigentlich ist es ihre Sache nicht. „Die Euphorie hält sich in Grenzen“, gibt Katrin Beierl unumwunden zu. Denn Bobfahren sei für die 27-jährige Niederösterreicherin, die seit acht Jahren in Tirol lebt und trainiert, eine Teamsportart. Im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele 2022 forciert der internationale Bob- und Skeletonverband (IBSF) bei den Damen den Monobob. Die Startplätze werden über eine Kombiwertung aus Zweier- und Monobob vergeben. Beierl wird quasi zu ihrem Glück gezwungen. „Der Europacup wird ein erstes Gewöhnen ans Gerät“, erzählt sie mit einem Lächeln vor dem Rennen morgen in Winterberg (GER).

Den 165 Kilogramm schweren, schwarz lackierten Monobob durch den deutschen Eiskanal zu steuern, sei gewöhnungsbedürftig. „Der Bob ist ziemlich instabil, besonders auf langen Geraden oder langgezogenen Kurven ist das eine Herausforderung.“ Die Polizeisportlerin bleibt zuversichtlich, das in den Griff zu bekommen. „Je mehr ich beim Lenken probiere, desto besser wird es!“ Bisher hat sie fünf Fahrten in Königssee (GER) absolviert.

Anschieberin Onasanya wartet auf Staatsbürgerschaft

Der Spaßfaktor bleibe jedoch auf der Strecke: Den Monobob könne man nicht einfach wie einen Skeleton-Schlitten im Arm halten. Beierl benötigt am Start und im Ziel eine Person, die ihr beim Herumtragen hilft. Um den Fahrspaß fallen Anschieberin Jennifer Onasanya und Back-up Selina Loibner hingegen um. Beierl: „Mein Team muss genauso viel arbeiten wie beim Zweierbob, aber hat nichts davon.“ Am Start schiebt sie ihren Bob alleine an, springt hinein und greift in die Seile. „Wenn sie mir das Startritual nehmen und mich einfach wegstoßen würden, wäre der letzte Funken Freude dahin.“

Die Anschaffungskosten des Monobobs (27.000 Euro) trug dankenswerterweise das Sportministerium. Mehr wäre der ehrgeizigen Sportlerin aber in einer anderen Sache geholfen: Um bei Olympia um eine Medaille kämpfen zu dürfen, braucht Anschieberin Jennifer Onasanya (NED) die Staatsbürgerschaft. „Der Antrag liegt seit September bei der zuständigen Stelle“, weiß Beierl und hofft, dass es bis Ende des Monats doch noch gute Neuigkeiten gibt.

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Bevor es weiter zum Heim-Weltcup nach Igls geht, steht am Sonntag in Winterberg noch ein Zweierbobrennen an. Nach dem ersten Weltcup-Podestplatz zum Saisonstart in Sigulda (LAT) sind die Erwartungen gestiegen. Beierl will die Fahrten vor allem als Training für die EM im Jänner an selber Stelle nützen.


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