Black Lives Matter Bewegung in Kunstranking „Power 100“ vorn

Die internationale Anti-Rassismus-Bewegung Black Lives Matter steht an der Spitze des diesjährigen weltweiten Kunstrankings „Power 100“. Erstmals hat es damit eine Bewegung auf Platz eins der Liste der einflussreichsten Persönlichkeiten und Bewegungen der aktuellen Kunst geschafft. Das Ranking für 2020 wurde am Donnerstag vom britischen Kunstmagazin „ArtReview“ veröffentlicht.

Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd im Mai durch brutale Polizeigewalt habe Proteste in der ganzen Welt ausgelöst, schreibt „ArtReview“. In der Kunstwelt habe Black Lives Matter auf jeder Ebene Veränderungen vorangetrieben: Denkmäler würden gestürzt, Galerien diversifizierten eilig ihre Programme, zeitgenössische schwarze Künstler würden sichtbar, Museen überdächten, wen sie repräsentierten.

Auf Platz zwei stieg das indonesische Künstlerkollektiv ruangrupa auf, das die Kasseler Documenta im Jahr 2022 kuratiert. An ruangrupa werden aktuelle Trends deutlich: Der Blick der Kunst geht weg von Europa. Und der Teamgedanke wird immer wichtiger - weg vom einzelnen Künstler oder Kurator hin zu Kollektiven. Platz drei belegen Felwine Sarr und Bénédicte Savoy. Der senegalesische Ökonom und die in Berlin lehrende französische Kunsthistorikerin fordern die umfassende Rückgabe afrikanischer Kulturgüter an die ehemaligen Kolonien. Die #MeToo-Bewegung wurde auf Platz vier gereiht.

Unter den Prominenten im Ranking finden sich MoMa-Direktor Glenn D. Lowry (Platz 7), Philosophin Judith Butler (10) und Kurator Hans Ulrich Obrist (19). Ekaterina Degot, die Intendantin des steirischen herbstes, wird auf Platz 54 geführt, das Leitungskollektiv der Kunsthalle Wien („What, How & for Whom“, bestehend aus Ivet Curlin, Sabina Sabolovic und Natasa Ilic) auf Platz 82.

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Europäische Künstler kommen in den „Power 100“ kaum vor. Aber unter ihnen sind immerhin gleich zwei Deutsche: die Medienkünstlerin Hito Steyerl auf Platz 18 - vor drei Jahren war sie sogar die Nummer eins - und der Fotokünstler Wolfgang Tillmans auf Rang 23.

Die „Power 100“ werden von einer etwa 20-köpfigen anonymen internationalen Jury erstellt, die angesichts der Corona-Pandemie bekannte: „Das Jahr 2020 hat uns gezeigt, wie machtlos wir alle sind.“ Denn das Virus hat auch den Kunstbetrieb erschüttert: Museen sind im Lockdown geschlossen, fast alle Kunstmessen wurden abgesagt, Künstler kämpfen um ihre Existenz, Galerien verlieren an Einfluss. Viele Galerien fielen aus dem Ranking, die internationalen Megagaleristen Larry Gagosian, David Zwirner und die Schweizer Iwan und Manuela Wirth landeten nur noch im Mittelfeld.

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