Tiroler sitzt seit 20 Jahren täglich am Drahtesel von Schwaz nach Innsbruck

Manfred Moser hat der Sportsgeist gepackt. Seit 20 Jahren fährt er jeden Tag mit dem Rad in die Arbeit. Über 200.000 Kilometer hat er hinter sich.

Egal, ob im Sommer von Schwaz nach Kalabrien (li.) oder täglich bei jedem Wetter in die Arbeit: Manfred Moser radelt für sein Leben gerne.
© Moser

Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Die Arbeitskollegen von Manfred Moser ziehen ihren Hut, denn auch wenn sie anfangs noch versuchten, mit ihm mitzuhalten – ist es dennoch keinem gelungen. Moser beweist nämlich eiserne­n Willen und lebt seine Leidenschaft voll aus. Jeden Tag fährt er von Schwaz nach Innsbruck mit dem Rad in die Arbeit.

Vor gut 20 Jahren suchte Moser nach einem sportlichen Ausgleich zur Arbeit im Landeskriminalamt. „Es fiel mir nach der Arbeit manchmal schwer, mich zu motivieren, und ich hatte das Gefühl, dass ich zu wenig für mich tue“, sagt er im TT-Gespräch. Also beschloss er kurzerhand, mit dem Rennrad in die Arbeit zu fahren. Was als spontaner Gedanke begann, wurde mit der Zeit zu einem regelrechten Drang. „Ich fühlte mich richtig getrieben, weil ich wollte mich vom Wetter nicht abhalten lassen. Mir war es egal, ob es schüttet oder schneit“, erzählt der Schwazer.

Patschen und Stürze gehören dazu

Er hat sich sein eigenes ideales Rad zusammengestellt und im Winter sogar Spikes montiert. „Wenn es irgendwie geht, fahre ich den ganzen Winter durch“, sagt Moser. Von seiner Leidenschaft hält ihn nichts so schnell ab. Teils hatte es im Winter in der Früh, wenn er um 4.30 Uhr losstartete, minus 15 Grad. „Dann habe ich unter der Kappe noch eine Sturmhaube aufgesetzt“, erklärt er trocken. Auch die Neoprensocken haben schon öfters schlappgemacht. Da freute ihn eine warme Dusche in der Arbeit umso mehr.

Manfred Moser.
© Moser

Auf seiner täglichen Strecke – rund 32 Kilometer pro Richtung – ist ihm auch schon so einiges passiert. „Da begegnet man am frühen Morgen oder in der späten Nacht, je nach Dienstzeit, auch mal einem Dachs oder Hirsch. In Weer hat auch mal ein Biber meinen Weg gekreuzt“, erinnert sich der Sportfan. Aber auch der ein oder andere Patschen sowie Sturz blieb nicht aus. „Einmal musste ich umdrehen, weil ich nach einem Sturz so geblutet habe, dass mir selbst nicht mehr ganz wohl dabei war“, erzählt Moser. Seine Frau rief zuhause dann sofort die Rettung. „Da habe ich mir den Jochbogen gebrochen und musste am Kopf genäht werden. Aber so ein kleiner Zwischenfall gehört auch dazu“, sagt er ganz locker.

Appell in Richtung Politik

Innerhalb der letzten 20 Jahre hat er am Weg zur Arbeit und wieder retour über 200.000 Kilometer mit seinem Rad geschafft. „Da braucht es schon jedes Jahr ein paar Ketten und Reifen“, meint Moser. Bei guten Verhältnissen radelt er von Schwaz in 50 Minuten mitten in die Landeshauptstadt. Bei Dunkelheit, Gegenwind oder Schnee kann es auch mal 20 Minuten länger dauern. „Es geht mir ja nicht um die Zeit. Ich tu das für mich und weil es mir sehr viel Freude macht“, sagt Moser.

Mit seiner offenen und fröhlichen, aber auch ehrgeizigen Art möchte er auch andere animieren, öfter aufs Fahrrad umzusteigen. „Natürlich geht das nur, wenn man in der Arbeit duschen kann, aber so kann man nicht nur sich selbst etwas Gutes tun, sondern auch der Umwelt“, sagt er. Zudem wünscht er sich, dass seitens der Politik nicht nur davon gesprochen wird, die Tiroler Radwege auszubauen, „sondern, dass das auch mal wirklich passiert“. Im Vergleich zu anderen Ländern hinke man hierzulande weit hinterher, was gut ausgebaute Radwegnetze angehe.

Kein Weg zu weit

Und wer glaubt, dass dem Schwazer die täglichen 64 Kilometer am Rad reichen – weit gefehlt. Bei schönem Wetter macht er am Heimweg auch mal gerne einen Abstecher über die Walderalm und im Urlaub geht es mit dem Rad sogar bis nach Kalabrien oder von Bilbao über den Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela. „Dort habe ich dann meine Frau mit ihrem E-Bike getroffen und wir sind gemeinsam weiter nach Portugal“, erzählt Moser.

Für den ambitionierten Radler scheint kein Weg zu weit. Schon gar nicht jener in die Arbeit. Auch wenn er seit heuer etwas kürzertreten will. Mit 58 Jahren hat er beschlossen, ab und zu doch auf Zug oder Bus umzusteigen. „Aber nur, wenn ganz schlechtes Wetter herrscht, und das Aut­o bleibt weiterhin für den Weg zur Arbeit stehen“, hält er fest. Gern tauscht er sein Rad nämlich nicht ein.


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