Corona-“Rundumschlag“ im Damen-Speedteam mit Nachwehen

Wie das Coronavirus in die Trainingsgruppe „Weltcup Speed“ der ÖSV-Ski-Damen gekommen ist, haben die betroffenen Athletinnen Nicole Schmidhofer, Tamara Tippler, Stephanie Venier und Mirjam Puchner nicht herausgefunden. Damen-Rennsportleiter Christian Mitter verwies im Gespräch mit Journalisten auf die vielen täglichen Neuinfektionen in Österreich und meinte über Skisportler: „Wir sind auch keine Götter, die in einer Plastikblase wohnen.“

Drei der Läuferinnen, die sich infiziert haben, sind wieder fit und für die beiden Super-G am Wochenende in St. Moritz nominiert, Tippler hat noch mit den Nachwehen zu tun. Die Steirerin berichtete u.a. von Kopf- und Gliederschmerzen sowie einem Hautausschlag. Sie sehe sich „nicht imstande, körperliche Höchstleitungen zu erbringen“ und kämpfe an manchen Tagen noch mit Schwindel.

Auch bei Venier verlief die Erkrankung bei weitem nicht symptomlos. „Es hat jede ein bisschen anders getroffen. Ich hatte extrem Kopfweh, war extrem müde und schmecke und rieche immer noch nichts. Mittlerweile geht es mir wieder ganz gut“, sagte die Tirolerin. Bedenken wegen möglicher Langzeitfolgen hat sie nicht. „Ich hatte eine Spiroergometrie, man hat einen Herzultraschall gemacht und die Lungenfunktion getestet. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass ich wieder voll fit bin.“

Den vorgeschriebenen Schnell- und PCR-Tests muss sich Venier wie alle anderen, die die Infektion schon durchgemacht haben, nach wie vor unterziehen. Etwas Positives bringen positive Tests für die Infizierten mit sich, denn zumindest coronabedingt sollten in dieser Saison keine Ausfälle mehr drohen. Darauf baut auch Schmidhofer, die mit Kopfschmerzen glimpflich davonkam. „Laut Ärzten sollte es in den nächsten zwei, drei Monaten kein Thema mehr sein. Ich hatte es und hoffe, das ist jetzt soweit erledigt und kommt hoffentlich nicht mehr. Der Nervenkitzel fällt weg, dass man jedes Mal hinschwitzt, dass man hoffentlich negativ ist.“

Der Bevölkerung rät sie zur Teilnahme an den Massentests. „Ich habe keine Ahnung, wo ich mich angesteckt habe. Es geht so schnell, dass man es hat, man glaubt es nicht. Ich bin brutal fanatisch gewesen, ich habe mich fast daheim eingesperrt und es trotzdem bekommen.“ Mit dem Wissen um die eigene Gesundheit, würde man auch die Familie, die Großeltern und Freunde schützen.

Puchner sprach von „Glück“, dass sie kaum Symptome hatte, zudem sei der Zeitpunkt der Infektion mit einer Regenerationsphase zusammengefallen. Die Salzburgerin verpasste nur einzelne Skitage. Seit zwei Wochen sei sie wieder „auf freiem Fuß“. Sie könne nicht sagen, wo sie es herhabe, man habe alle Sicherheitsvorverkehrungen eingehalten. „Wir haben uns desinfiziert, Masken getragen, hatten Einzelzimmer, haben Abstand gehalten. Es war ein Rundumschlag. Man muss jetzt die, die es noch nicht erwischt hat, auch schützen und die ganzen Schutzmaßnahmen weiter aufrecht halten.“

Das Prozedere bei einem positiven Coronatest ist für Spitzensportler gleich wie bei jedem anderen hierzulande. Da die Infektion meldepflichtig ist, übernimmt die Behörde. Es folgen Absonderungsbescheid, Quarantäne, Entlassungsbescheid. „Bevor sie zurück auf Schnee dürfen, machen sie sportmedizinische Untersuchungen unter Belastung. Also nicht nur ein Abklopfen, sondern ein Belastungs-Spirotest. Wir klären, ob im Herz und in der Lunge alles okay ist“, erklärte Mitter.

Für die Betroffenen freilich bedeutet ein positiver Test den Trainingstopp. „Logischerweise für die Quarantänezeit und dann vielleicht noch wegen der Nachwirkungen.“ Dank hoher Anzahl von Skitagen zuvor wirkten sich die fehlenden Tage im November bei den Athletinnen nicht so aus. „Es war gut, dass man bis dahin seine sieben Zwetschgen schon beinander hatte.“

Positive Fälle gäbe es nicht nur im ÖSV, sondern auch im Umfeld, den Familien. „Es gibt keinen mehr, der keinen Positiven kennt. Wir müssen einfach aufpassen“, weiß Damen-Chef Mitter, der die kleinen Gruppen und das engmaschige Netz erwähnte sowie auf Disziplin und Hausverstand pocht. Sein Job ist aber noch herausfordernder geworden. „Covid hat noch einmal eine neue Dimension aufgerissen. Man muss schauen, dass man gesundheitlich alles richtig macht. Aber auch administrativ bzw. mit den Auflagen, die von der FIS gefordert sind. Da kommt man sich teilweise vor wie ein Gesundheitsbeauftragter.“


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