Die gute Geschichte: „Erstaunlich, was ein paar Tage Auszeit ausmachen“

Unbeschwerte Sommerwochen verbrachten Menschen mit Behinderung und ihre Familien im Bildungshaus St. Michael in Pfons.

© Caritas Tirol/privat

Uderns, Pfons – Dieses Jahr war vieles anders. Auch in der Tagesstätte des Caritas-Zentrums Zillertal in Uderns für Menschen mit Behinderung. Ihre Eltern und pflegenden Angehörigen waren heuer besonders gefordert. „Immer und überall hört, spricht und liest man von Corona, dessen Auswirkungen, Krankheiten und Einschränkungen. Sogar unsere Kinder haben diese Nachrichten schon satt und fragen ständig: ‚Wann ist das endlich vorbei?‘“, sagt eine Mutter.

Da kam mit den Erholungswochen für Familien im Bildungshaus St. Michael in Pfons ein Sommerangebot gerade recht. Die Caritas Tirol konnte eine Teilnahme dank einer Spende für Familien ermöglichen, die in den letzten Monaten vor besondere Herausforderungen gestellt wurden. Viele nahmen das Angebot begeistert an. „Es ist erstaunlich, was ein paar Tage Auszeit ausmachen, da muss man gar nicht weit wegfahren. Wir genießen es, einmal an nichts denken zu müssen, einfach in der wunderschönen Natur zu sein und das leckere Essen zu genießen“, erzählen eine Frau und ihre Töchter.

Auch Bernhard und seine Mutter waren bei einer dieser Wochen dabei. Zum ersten Mal haben sie das heuer gewagt und ausprobiert. „Besonders schön war das Abschalten – kein Radio, Fernseher, kein fixes Programm. Wir genossen das herrliche Essen mit netten Tischnachbarn und das Wandern in der unberührten und schönen Natur der Wipptaler Seitentäler“, erzählt Bernhards Mutter. Wichtiger sei für sie aber etwas völlig anderes gewesen: „Wir taten genau das, was niemand verboten hat – wir haben viel gelacht. Wir freuten uns über die unbeschwerten Tage und das ansteckende Lachen unserer Kinder.“

Sonja nahm gemeinsam mit ihrer Schwester Annemarie teil, die beiden fühlten sich in diesem Sommer durch die viele Zeit zu Hause und das Home-Schooling sehr gefordert und eigentlich „sehr urlaubsreif“. Die paar Tage in St. Michael waren für sie etwas Besonderes, „weil eine kunterbunte Gruppe aufeinandertraf und ganz zwanglos Zeit miteinande­r verbrachte. Wir begegneten Müttern mit kleinen und größeren Kindern, mit und ohne Beeinträchtigung. Die Gespräche und Begegnungen waren so verschieden und man merkt­e, dass es uns allen guttat. Es war in dieser Situation eine Vertrautheit und Nähe zu spüren, obwohl wir uns eigentlich nicht kannten. Ein schönes Gefühl gerade in Zeiten wie diesen – und die Erkenntnis: Die Welt ist ja zum Glück noch immer bunt.“

Auch Sonja und Annemarie haben besonders die Entdeckungsreisen in die Natur genossen, ob zu zweit oder spontan mit anderen Gruppenmitgliedern. „Wir haben in den vier Tagen viel mitgenommen – keine üblichen Urlaubsmitbringsel oder gar schwere Lasten waren dabei, dafür aber Gespräche, die unter die Haut gingen oder einfach nur guttaten, Begegnungen, die man nicht missen möchte, und für mich persönlich eine Leichtigkeit, die das Schwere der Corona-Zeit wieder erträglicher machte.“ (TT)


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