Das war Tag 1 der Massentests in Tirol: Reges Treiben, wenige Positive

Unaufgeregt sind gestern die Massentests in Innsbruck abgelaufen – abgesehen von den Problemen mit dem Datenverarbeitungssystem des Bundes. Nur wenige Menschen wurden positiv getestet.

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Die Messehalle ist in Innsbruck einer von insgesamt sechs Test-Standorten.
© Foto Rudy De Moor

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Absperrgitter und Einlasskontrolle, Fotografen und Journalisten sowie ein roter Teppich, der zum Eingang führt. Doch die „Stars“ des Tages sind keine Schauspieler, die einen Oscar abholen, sondern Tirolerinnen und Tiroler, die sich einen Nasenabstrich machen lassen wollen. Freitagvormittag, am ersten Tag der landesweiten Corona-Antigentests, ist das Drehbuch geschrieben und es herrscht reges Treiben vor der Innsbrucker Messehalle: Feuerwehrleute sorgen dafür, dass Abstände eingehalten, Masken getragen und die Schlangen vor den Anmeldeschaltern im Foyer nicht zu lang werden.

„Hier bitte die Hände desinfizieren und dann an der linken Seite zur Anmeldung“, begrüßt ein Feuerwehrmann die Ankömmlinge. Wenige Meter weiter lotst ein Kollege die zu Testenden weiter zu freien Anmeldestellen: „Sie können gerne weitergehen, da hinten ist alles frei.“ Bei der Aufnahme und dem Datenabgleich erfahren die Testwilligen dann, dass sie im Falle einer positiven Testung binnen 24 Stunden eine Mitteilung per Mail oder SMS bekommen. „Wenn Sie negativ sind, hören Sie nichts mehr von uns“, erklärt eine der Frauen einer älteren Dame, die sich trotzdem rückversichert: „Also ich muss mich dann auch nicht melden, oder?“ Nein, muss sie nicht.

Ordner sorgen dafür, dass es an den Test-Stationen zu keinen Staus kommt. Die Tester zeigen mit Tafeln freie Plätze an.
© Foto Rudy De Moor

Weiter geht es in die große Halle, wo die Teststraßen aufgebaut sind. Auch hier sorgt ein Ordnerdienst dafür, dass die zu Testenden rasch einer Station zugewiesen werden. Mittendrin im geordneten Kommen und Gehen ist der Regisseur des aktuellen Dreh- ortes, Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi. Und dieser zeigt sich mit den Abläufen bis dahin sehr zufrieden. „Um halb 7 Uhr sind die ersten Frühaufsteher bereits da gewesen und angestanden. Da hat sich eine Schlange vor der Messehalle gebildet“, berichtet er. Diese habe sich dann aber mit dem Start der Tests ab 7 Uhr rasch aufgelöst. Jetzt laufe alles nach Plan – abgesehen von der technischen Panne beim System des Bundes zur Datenverarbeitung. „Das ist auch der Grund, warum wir nur die positiv Getesteten informieren können“, erklärt Willi.

© Foto Rudy De Moor

Hauptrollen mit Abstrichen – im wörtlichen, nicht übertragenen Sinn – spielen die Testteams direkt an den Stationen. Hinter dem ersten Tisch sitzt ein junger Mann, unter dem blauen Schutzanzug schimmert das Militärgrün einer Uniform sowie eine rotweißrote Armbinde durch. Vor dem Tisch wartet ein Kollege von den Johannitern darauf, von einer Ordnerin in leuchtoranger Weste eine neue Testperson zugewiesen zu bekommen. „Die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen funktioniert sehr gut“, meint er und wendet sich dann einer Dame zu, die mit dem Anmelde-Schreiben in der Hand auf den Sessel zusteuert. „Nehmen Sie blutverdünnende Mittel?“, will er nach der Begrüßung wissen. Nein? Dann kann es losgehen. Nach einer kurzen Erklärung zum Prozedere nimmt er den Nasenabstrich. „Das war’s auch schon.“

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Sebastian Huber ist praktischer Arzt in Innsbruck und will als Helfer an den drei Testtagen einen solidarischen Beitrag leisten.
© Foto Rudy De Moor

Der Antigentest wird anschließend samt dazugehörigem Schreiben und Strichcode auf einem Tisch hinter der Abnahmestation aufgelegt. Hier haben die eingeteilten Ärzte einen kritischen Blick darauf, ob neben dem Kontrollstreifen ein zweiter Strich erscheint und der Test damit positiv ist. „Alle negativ, hier haben wir erst ein oder zwei positive gehabt“, sagt der für den Bereich verantwortliche Mediziner Sebastian Huber. Er sei vom Land angeschrieben worden und habe sich daraufhin bereit erklärt, mitzuhelfen. „Ich sehe das als einen solidarischen Beitrag“, erklärt der praktische Arzt aus Innsbruck. Ein Wermutstropfen bei der Testaktion sei, dass die Ergebnisse nicht zu hundert Prozent repräsentativ seien, weil nur jene mitmachen würden, die Corona ernst nehmen und nicht als harmlose Grippe abtun. „Die Aluhut-Träger bleiben heute nämlich sicher zu Hause.“ Ein Ruf von der Teststation: Eine Dame hat angegeben, dass sie Blutverdünnungsmittel nimmt. Zeit für den Arzt, im persönlichen Gespräch zu klären, ob die Gefahr des Nasenblutens bei der Testabnahme nicht zu groß sei. Der Test kann schließlich stattfinden.

Um 17 Uhr fällt die letzte Klappe des ersten Drehtages. Die Kulissen am Set bleiben für heute und morgen aufgebaut. Eine erste Bilanz des Massentests in der Landeshauptstadt: Am Nachmittag sind von 12.000 Tests gerade einmal 29 positiv – und das Coronavirus damit höchstens als Nebendarsteller in Erscheinung getreten – zumindest am Auftakt-Tag.

Positive Tests bekommt er an diesem ersten Tag wenige zu sehen.
© Foto Rudy De Moor

Startschuss auch in vielen größeren Orten

Innsbruck – Mit ganz unterschiedlicher Beteiligung haben die Massentests gestern auch in den größeren Gemeinden und Städten in den Bezirken begonnen. Überall gleich wahrgenommen wurden die Probleme mit der Software und der ansonsten reibungslose Ablauf. In Landeck sagte Vize-BM Thomas Hittler: „Wie überall in Tirol haben auch wir das Konzept unter großem Zeitdruck umgesetzt. Ich muss sagen, ohne unsere Feuerwehrmänner hätten wir es kaum geschafft.“

Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler zeigte sich zufrieden. „Der Start war wegen der EDV-Probleme etwas holprig, aber das war ja überall so. Sonst wurden die Tests von Beginn an gut angenommen.“ In Kitzbühel wurde das Tennisstadion für die Tests adaptiert. (aha, hwe)


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