Albertina modern startet nach Lockdown mit „Essl Collection“

Ab Montag ist die zweite Ausstellung der Albertina modern im Wiener Künstlerhaus zu sehen. Nach „The Beginning“ mit Schwerpunkt auf österreichischer Kunst nach 1945 rückt „The Essl Collection“ mit einer Auswahl von rund 130 der 7.000 Objekten der Sammlung nun ihre Vielfalt in den Mittelpunkt. „Karlheinz Essl war begeistert“, sagte Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder am Freitag vor Journalisten. Der Sammler hatte freilich auf die Zusammenstellung keinen Einfluss.

Die auf eine 1958 unternommene New-York-Reise des jungen Unternehmerssohns Karlheinz Essl (wo er seine spätere Frau Agnes kennenlernte) zurückgehende Kollektion sei „eigentlich eine amerikanische Sammlung“, meinte Schröder. Das merke man an der Präferenz für große Formate wie an der breiten Internationalität. „Er sammelt in einer Dimension, wie es selten bei uns sehr Fall ist.“ Dem internationalen Drittel der Sammlung, die nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten der BauMax-Gruppe in eine Schenkung an die Albertina sowie in die Familiensammlung Haselsteiner überführt und der Albertina als Dauerleihgabe zur Verfügung wurde, ist die Ausstellung gewidmet.

Die von Schröder und Elisabeth Dutz kuratierte Ausstellung in den von Hans Peter Haselsteiner renovierten und nun dauerhaft der Albertina modern zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten (laut Schröder wurde gestern ein unbefristeter Vertrag unterzeichnet) setzt auf geografische Vielfalt, mediale Vielfalt (neben Malerei gibt es Skulpturen, Assemblagen, Installationen und Fotografien) und thematische Vielfalt. Gewählte Präsentationsform laut Schröder: „Spannende Dialoge und radikale Gegensätze“. So wartet ein Ironie-Raum mit Werken von Tal R und Peter Land ebenso auf die Besucher wie ein gegenüber liegender Schmerz-Raum mit einer Abu-Ghraib-Skulptur von Marc Quinn, Videos von Bill Viola und einem großen Stoffkäfer von Gudrun Kampl (Schröder: „Ein Lieblingsobjekt von mir.“).

Neben der kühlen US-Oberschichtsmalerei eines Alex Katz hängt eine Klorollenskulptur von Heimo Zobernig, über einem großen Organballett von Annette Messager, bei dem aus gefärbter Ballonseide genähte überdimensionale Menschenteile aus- und einatmen, ist ein abstraktes Bild von Martha Jungwirth angebracht. Chinesische und deutsche Kunst ist ganz stark vertreten, Neo Rauch, Daniel Richter und Georg Baselitz stechen ins Auge. Aus Österreich sind u.a. Elky Krystufek, Gelitin oder Johanna Kandl mit dabei. Die im Untergeschoß untergebrachte Fotosektion versammelt von Cindy Sherman bis Thomas Ruff und von Nan Goldin bis Lisl Ponger viele große Namen.

Am eindrucksvollsten ist aber die Eingangssituation geglückt: Eines von mehreren nackten Selbstporträts des Künstlerduos Gilbert & George als Teil des riesigen Tableaus „Bloody People“ scheint ganz entsetzt auf eine davor stehende, überlebensgroße Skulptur des rumänischen Bildhauers Virgilius Moldovan zu schauen: In hyperrealistischer Darstellung sind dort die beiden Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. bei gemeinsamen Dehnungsübungen zu sehen - in schlecht sitzenden, ausgeleierten Unterhosen. Im Hintergrund amüsieren sich zwei Figuren eines Bildes von Yue Minjun darüber offenbar königlich.

600 Besucher gleichzeitig werden ab Montag in der Albertina modern zugelassen, weniger als eigentlich erlaubt. Auf Abendöffnungen und Führungen wird verzichtet. Schröder rechnet für 2020 mit 350.000 statt 1,1 Millionen Besuchern und mit Mindereinnahmen in der Höhe von 13 Mio. Euro. Doch man sei glücklich, nun wieder aufsperren zu dürfen und habe dies in Windeseile organisiert, nachdem die Signale in den Tagen vor der Lockdown-Lockerung zuletzt eher entmutigend gewesen seien. In fünf bis zwölf Minuten werde die gesamte Raumluft ausgetauscht, versicherte der Museumschef. Der Besuch der Ausstellung sei kein Gesundheitsrisiko. „The Essl Collection“ ist bis Mitte März angesetzt. Für die Zeit danach wird u.a. eine Ausstellung über österreichische und deutsche Künstler sowie über Abstraktion in Österreich nach 1945 vorbereitet.

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