Erster Tag des Massentests in Wien, Vorarlberg und Tirol

In Wien, Tirol und Vorarlberg haben am Freitag die ersten Corona-Massentestungen stattgefunden. Besonders die Teststation in der Wiener Stadthalle war sehr stark besucht. Es wurde daher ersucht, sich vermehrt an den Standorten Messe Wien und Marxhalle anzumelden. Zu beklagen gab es massive IT-Probleme. In Vorarlberg und Tirol dauern die Tests bis inklusive Sonntag, Wien testet bis zum 13. Dezember. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zog eine positive Bilanz.

Probleme machte die vom Bund zur Verfügung gestellte Software. Negativ getesteten Personen haben in Tirol vorerst nur verspätet oder keine Benachrichtigung über ihr Testergebnis erhalten. Auch in Wien kommt es immer wieder zu Ausfällen, das Bundesheer habe daher ein Backup in Papierform angelegt, teilte die Stadt mit. In der Stadthalle etwa fiel das das elektronische Erfassungssystem aus. In Salzburg bekamen Lehrer, deren Tests eigentlich erst am Samstag beginnen, Termine für Freitag. Die Betroffenen sind erschienen und wurden auch getestet, weil das Bundesheer bereits startklar war, bestätigte das Militärkommando. Damit setzt sich die Pannenserie des IT-Systems nahtlos fort.

Das Bundesheer ist mit dem Start der Massentests in den drei Bundesländern trotz der IT-Panne zufrieden. „Die Massentests der Bevölkerung Wiens ist an den drei Standorten angelaufen. Leider hat das Buchungssystem an den Standorten kaum funktioniert und so musste man teilweise auf einen analogen Betrieb umstellen. Für die zu testenden Personen hat das aber keine Auswirkungen, wir halten die geplanten Zeiten ein“, zog der Wiener Militärkommandant Kurt Wagner erste Bilanz.

Besonders die Teststation Stadthalle erfreue sich großer Beliebtheit, „dort ist der Zulauf enorm“. Die Wiener Bevölkerung werde daher ersucht, sich an den Standorten Messe Wien und Marxhalle anzumelden und dort die freien Kapazitäten zu nutzen. In Wien sind 2.000 Bundesheersoldaten im Einsatz.

Gesundheitsminister Anschober ortete „viele positive Reaktionen betroffener BürgerInnen wegen ausgezeichneter Organisation und Umsetzung“ der Tests in Vorarlberg, Tirol und Wien. Zu den teilweisen IT-Problemen sagte er: „Ich erwarte mir vom verantwortlichen IT-Unternehmen eine rasche Lösung.“ Die IT-Probleme hätten den Ablauf „und damit die Zielerreichung des Starts der Massentestungen“ nicht beeinträchtigt, betonte Anschober. Zugleich appellierte er „an die betroffene Bevölkerung“, die Chance zur Testung weiterhin intensiv zu nützen: „Denn ein bestätigtes positives Ergebnis führt dazu, dass der Betroffene aus dem Zyklus des Infektionsgeschehen geholt werden kann und der Betroffene weiß, dass er positiv ist, obwohl er vorerst keine Symptome hat.“

Am ersten Tag der Massentests wurden in Wien bisher 58 Infektionen mit dem Coronavirus diagnostiziert. Das teilte ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) der APA am Freitagnachmittag mit. Es ist dies die Zahl jener Personen, die nach einem positivem Ergebnis beim Schnelltest anschließend noch in den Testcentern einen von den Wiener Gesundheitsbehörden durchgeführten PCR-Test gemacht haben. Laut Stadt dürften bisher somit nicht ganz 0,5 Prozent der Untersuchungen ein positives Testergebnis gebracht haben.

In Vorarlberg waren Freitagmittag bereits über 30 Prozent der bis Sonntagabend angemeldeten Tests durchgeführt. Zu Mittag schien sich der erste Trend zu einer sehr niedrigen Positivrate - vier Promille - fortzusetzen. Bis 17.00 Uhr standen 25.000 weitere Tests an, anschließend sollten die Betroffenen positiver Antigen-Tests zur Absicherung noch einen PCR-Test absolvieren.

Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) nahm selbst am Test teil und freute sich über einen „sehr guten Start“ der Massentests in Vorarlberg. Es habe bisher alles funktioniert, man bekomme viele positive Rückmeldungen, sagte er im Gespräch mit der APA. Der Landeshauptmann appellierte ein weiteres Mal an die Bürger, an der Testung teilzunehmen. In wenigen Minuten könne man einen großen Beitrag zur Gesundheit der Allgemeinheit leisten, sagte er.

In der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck fanden sich bis Freitagnachmittag 12.000 Bürger zum freiwilligen Corona-Antigentest ein. Davon wurden 29 Personen zunächst positiv auf das Virus getestet, teilte die Stadt mit. Die Betroffenen mussten noch einen PCR-Test absolvieren.

Bürgermeister Georg Willi (Grüne) zog indes eine positive Zwischenbilanz: „Das große Interesse der Menschen zeigt, dass die Innsbruckerinnen und Innsbrucker zusammenhalten und -helfen. Aufgrund der optimalen Vorbereitungen kam es an keinem der Standorte zu längeren Wartezeiten oder Schlangenbildungen“.

zum Massentest, der in ganz Oberösterreich von 11. bis 14. Dezember stattfindet, anmelden. Massive Anmelde-Probleme gab es auch in Niederösterreich.

Massive Kritik an den IT-Problemen, die vor zwei Tagen mit einem Datenleck begonnen hatten, übte die Opposition auf Bundesebene. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch sprach von einem „chronischen Missmanagement“. Die Bundesregierung sorge jeden Tag „für eine veritable Panne im Kampf gegen das Coronavirus“, attestierte FPÖ-Chef Norbert Hofer. Für NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker „wird es immer offensichtlicher, dass diese Bundesregierung bei ihrem Krisenmanagement nichts mehr im Griff hat“.

Geht es nach der Arbeiterkammer (AK) sollte die für die Massentestungen auf das Coronavirus aufgewandte Zeit als Dienstzeit gelten. In vielen Fällen werde es nicht möglich sein, die Testung außerhalb der Arbeitszeit zu legen. Daher müssten diese als Dienstverhinderung aus wichtigem Grund und damit als Arbeitszeit gelten, findet AK-Präsidentin Renate Anderl. Sie berichtete über etliche Mitgliederanfragen, ob sich diese für die Testungen freinehmen müssten.


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