Schneechaos im Süden: Lawine beschädigt Häuser in Osttirol

Anhaltend starke Schneefälle haben am Samstagabend in Prägraten am Großvenediger in Osttirol zu einem Lawinenabgang geführt. Dabei wurden laut Polizei vier Häuser sowie ein Fahrzeug beschädigt. Personen wurden nach ersten Informationen nicht verletzt. Bereits davor waren 29 Personen zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert worden. Teile Osttirols und Kärntens versinken im Schnee, es gibt Verkehrsbehinderungen und Stromausfälle. Wetterberuhigung ist erst für Montag angesagt.

Vor dem Lawinenabgang hatte die Gemeindeeinsatzleitung Prägraten am Nachmittag insgesamt 29 Personen aufgefordert, ihre Wohnhäuser zu verlassen und ihren Aufenthalt vom westlichen in den östlichen Ortsteil von Bobojach zu verlegen. Die Evakuierung von rund 90 weiteren Personen in den Ortsteilen Bichl, Wallhorn und nördlich des Dorfzentrums sei derzeit im Gange, hieß es. Die Feuerwehr Prägraten, die Bergrettung, Gemeindearbeiter und die Alpinpolizei Lienz standen im Einsatz.

Teile Osttirols und Kärntens versinken im Schnee. Schon in der Nacht auf Samstag war die Schneedecke um bis zu 70 Zentimeter gewachsen. Das Lesachtal ist von Kärnten her nicht erreichbar. Auch im oberen Gailtal kam es zu Behinderung wegen der Neuschneemenge von über einem halben Meter. Am Spätnachmittag ging der Schneefall teils in Schneeregen über. Mancherorts herrschte rote und damit höchste Wetterwarnung. Die Felbertauernstraße zwischen Matrei und Mittersill ist gesperrt.

Verkehrswege waren in den Bezirken Hermagor, Feldkirchen und Spittal an der Drau wenn überhaupt, dann nur mit Schneeketten benützbar. Die örtlichen Freiwilligen Feuerwehren und Straßenmeistereien bereiteten sich angesichts der hohen Schneemengen innerhalb von 24 Stunden auf umfangreiche Einsätze vor. Weil es wärmer wurde, gingen an einigen Orten wie Dellach im Drautal, Kötschach-Mauthen und Mallnitz der Schnee in Schneeregen oder Regen über.

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Am Samstagvormittag lagen zum Beispiel in Kornat 80 Zentimeter Schnee, in Kötschach-Mauthen und Döllach 70 sowie in Mallnitz (alle Kränten), Sillian und St.Jakob/Defereggen (beide Osttirol) 60 Zentimeter. Bis Montagfrüh schneit und regnet es besonders in Oberkärnten und in Osttirol sowie im Bereich des Tiroler Alpenhauptkamms ohne Pause weiter, zeitweise auch stark, berichteten die Meteorologen.

„Die genaue Prognose der Schneemengen in den Niederungen ist schwierig, da die Schneefallgrenze je nach Region und Intensität des Niederschlags zwischen Tallagen und über 1.500 Meter Seehöhe schwankt“, erklärte Gerhard Hohenwarter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Am meisten schneit es aber in den Tälern in Osttirol und in Oberkärnten, speziell im Lesachtal und im Oberen Mölltal. Hier kommen am Wochenende nochmals 70 bis 130 Zentimeter Neuschnee dazu.“

Wegen umgestürzter Bäume auf Stromleitungen waren in Osttirol Samstagnachmittag 500 Haushalte ohne Strom. Bei den betroffenen Gemeinden handelte es sich um Matrei in Osttirol, Kals am Großglockner, Ainet, Schlaiten, Nikoldsdorf und Tristach. In der Spitze waren Samstagfrüh kurzfristig rund 3.500 Haushalte ohne Strom.

Auf vielen Bergen bläst an diesem Wochenende ein Föhnsturm mit mehr als 100 km/h. So registrierte die ZAMG am Samstagvormittag am Sonnwendstein (Niederösterreich, 1.500 Meter Seehöhe) Windspitzen bis 133 km/h, am Dachstein (Steiermark/Oberösterreich, 2.700 Meter) bis 126 km/h sowie am Hahnenkamm (Tirol, 1.794 Meter) und am Brunnenkogel (Tirol, 3.437 Meter) bis zu 124 km/h. „Auch in den Niederungen greift der Föhnsturm zeitweise durch“, hieß es. So wurden in Bad Mitterndorf (Steiermark) am Samstagvormittag 99 km/h gemessen, in Mariazell (Steiermark) 84 km/h und in Mondsee (Oberösterreich) 75 km/h.

Wegen der großen Schneelast könnten Bäume auf Straßen, Stromleitungen und Bahn-Oberleitungen stürzen sowie Lawinen abgehen. Außerdem führe die Kombination aus großen Schnee- und Regenmengen auf gefrorenem Boden dazu, dass das Wasser nicht abfließen kann und kleinräumige Überschwemmungen verursacht.

Am Montag werden Regen und Schneefall im Süden und Westen Österreichs schwächer oder legen überhaupt Pausen ein. In der weiteren Entwicklung gibt es dann noch Unsicherheiten, sagt ZAMG-Meteorologe Hohnwarter: „Mitte der Woche entwickelt sich wahrscheinlich ein weiteres Italien-Tief und es schneit und regnet erneut, wenn auch nicht so stark wie an diesem Wochenende. Allerdings wird die Zugbahn dieses Tiefs von den Vorhersagemodellen noch sehr unterschiedlich berechnet und damit auch die Auswirkungen auf Österreich.“


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