Kopf-an-Kopf-Rennen bei Parlamentswahlen in Rumänien

Bei der Parlamentswahl in Rumänien am Sonntag zeichnet sich eine knappe Entscheidung. Laut der einzigen Nachwahlbefragung liegen die postkommunistischen Sozialdemokraten (PSD) mit 30,5 Prozent vor den regierenden Liberalen (PNL) mit 29 Prozent. Das erhoben die beiden Meinungsforschungsinstituten Avantgarde und CURS gemeinsam. Damit lag die PSD, die unter Turbulenzen mitten in der Legislaturperiode das Regierungsruder verloren hatte, überraschend gut.

Da die Exit Poll jedoch bloß die im Inland abgegebenen Wählerstimmen in Betracht zieht, könnte das Endergebnis der Parlamentswahl von Sonntag letzten Endes ganz anders aussehen, denn die Stimmen der rund vier Millionen Auslandsrumänen haben in den vergangenen Jahren nämlich wiederholt alle Prognosen und Hochrechnungen im Land selbst gekippt. So könnte die PNL doch den ersten Platz machen. Die Auslandsrumänen tendieren dazu, eher nicht für die Sozialdemokraten zu stimmen.

In Umfragen hatte zuletzt die reformorientierte Zentrumspartei PNL von Ministerpräsident Ludovic Orban mit Werten zwischen 28 und 30 Prozent dominiert. Der 57-Jährige leitet seit einem Jahr eine Minderheitsregierung, nachdem die damals regierende linke PSD-Regierung über ein Misstrauensvotum gestürzt war.

Orban will einer ausufernden Staatsverschuldung entgegensteuern und hat unter anderem versprochen, die noch von der PSD versprochene Anhebung der Pensionen um 40 Prozent abzuschwächen. Wirtschaftsexperten hatten davor gewarnt, das rumänische Defizit würde zweistellige Prozentwerte erreichen, sollten die Pläne der PSD verwirklicht werden. Derzeit hat Rumänien bei den drei großen Rating-Agenturen einen negativen Ausblick, was auf eine Herunterstufung der Bonitätsnote hindeutet. Am Sonntag bekräftigte Orban vor Journalisten, er wolle substanzielle Reformen durchsetzen und das Land in einen Aufschwung führen. Im Falle eines Wahlsieges wird erwartet, dass Orban eine Koalition mit der progressiven USR-Plus eingehen wird, die in Umfragen bei rund 16 Prozent liegt.

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