Historiker Michael Brenner erhält ersten Baron-Preis

Der erstmals vergebene „Salo W. und Jeannette M. Baron Preis“ geht an den deutschen Historiker Michael Brenner. Die Auszeichnung wird von der Knapp Family Foundation und die Universität Wien „für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Erforschung des Judentums“ verliehen. Der Preis soll die Errungenschaften und das Erbe von Salo Wittmayer Baron würdigen, der als „der größte jüdische Historiker des 20. Jahrhunderts“ gilt, teilte die Uni Wien am Montag mit.

Die Auszeichnung wurde von Nachkommen Barons gestiftet, erklärte Armin Lange vom Institut für Judaistik der Universität Wien gegenüber der APA. Er soll künftig alle zwei Jahre an anerkannte Wissenschafter für ein besonders herausragendes Buch oder ihr Lebenswerk vergeben werden. Es handle sich um einen der höchstdotierten Preise im Bereich Judaistik, sagte Lange, die Dotation liege im fünfstelligen Bereich.

Salo Wittmayer Baron wurde am 26. Mai 1895 in Tarnów in Galizien geboren, damals Teil der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. 1920 erhielt er seine rabbinische Ordination vom Jüdischen Theologischen Seminar in Wien und wurden an der Universität Wien in Philosophie (1917), Politikwissenschaft (1922) und Recht (1923) promoviert. 1930 ging Baron nach New York, wo er zum Professor für jüdische Geschichte, Literatur und Institutionen an der Columbia University ernannt wurde - die erste Professur dieser Art überhaupt. Dort lernte er auch seine Frau Jeannette Meisel kennen, die seine Vertraute, Lebensgefährtin und wissenschaftliche Mitarbeiterin wurde.

Baron, der über zwanzig Sprachen beherrschte, betrachtete es als seine Lebensaufgabe, das sogenannte „tränenreiche Konzept“ der jüdischen Geschichtsschreibung neu zu bewerten und auch die Erfolge des Judentums und seinen Überlebenswillen in die Darstellung der jüdischen Geschichte einzubinden. Seine Arbeit, darunter eine achtzehnbändige „Sozial- und Religionsgeschichte der Juden“, bildete damit die Grundlage dafür, wie sich Juden in Israel und weltweit selbst wahrnehmen und von anderen wahrgenommen werden, heißt es seitens der Uni Wien.

So wie Baron baue auch Michael Brenner in seinem Leben und in seiner Forschung Brücken zwischen Europa und den USA. Der Preisträger ist Professor für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München, Lehrstuhl-Inhaber für Israel-Studien an der American University in Washington DC und der Internationale Präsident des Leo Baeck Instituts. Brenners Forschung konzentriert sich auf die Geschichte des Judentums vom 19. bis 21. Jahrhundert, einschließlich der Shoah und des Staates Israel. Zu seinen Veröffentlichungen zählen zahlreiche Bücher, darunter „Nach dem Holocaust. Juden in Deutschland, 1945-1950“ (1995), „Israel: Traum und Wirklichkeit des jüdischen Staates“ (2016) oder „Der lange Schatten der Revolution. Juden und Antisemiten in Hitlers München 1918-1923“ (2019).

Im Rahmen des Preises sollen auch zwei Doktoranden für ihre Arbeiten ausgezeichnet werden. Ein Ausschreibung dafür soll demnächst erfolgen, sagte Lange. Die Preise sollen voraussichtlich am 25. Mai verliehen werden.

(S E R V I C E - Internet: http://go.apa.at/w906DzWg )


Kommentieren


Schlagworte