Äthiopien rechnet mit keinem Guerilla-Krieg in Tigray

Äthiopiens Präsident Abiy Ahmed hat Bedenken zurückgewiesen, dass in der abtrünnigen Landesregion Tigray ein Guerilla-Krieg drohen könnte. Am Montag erklärte er, die aus der Regionalhauptstadt Mekelle verdrängte Volksbefreiungsfront TPLF habe „eine offenkundig falsche Erzählung verbreitet“, wonach ihre Kämpfer und Anhänger gut bewaffnet und ihr Regierungsapparat weiterhin intakt seien.

„Die Realität ist, dass die kriminelle Clique gründlich besiegt und in Unordnung ist. Sie ist nur unwesentlich in der Lage, einen langwierigen Aufstand zu führen“, hieß es weiter. Von der TPLF lag zunächst keine Reaktion vor. Ihre Anführer haben nach der Einnahme Mekelles durch Regierungstruppen jedoch erklärt, sie würden von verschiedenen Fronten außerhalb der Stadt zurückschlagen.

Unabhängig ließen sich die Angaben nicht überprüfen. Journalisten und Hilfsorganisationen haben nach wie vor nur begrenzten Zugang zu der Konfliktregion, in der Abiy vor einem Monat eine Offensive gegen die TPLF gestartet hatte. Nach Angaben der Regierung ist wieder Frieden in Tigray eingekehrt. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen hielten es aber am Wochenende immer noch für zu gefährlich, Konvois in das Gebiet zu entsenden. Es werde geplündert und es herrsche Gesetzlosigkeit, hieß es. Am Freitag hatten auch einige Bewohner Mekelles von Protesten und Plünderungen in der Stadt berichtet.

Die TPLF hat Erfahrung im Guerilla-Kampf. Die Gebirge in Tigray halfen ihr in ihrem langen Widerstand gegen den marxistischen Diktator Mengistu Haile Mariam, den sie 1991 stürzte. Äthiopien wurde jahrzehntelang von der TPLF und Tigray dominiert, das nur sechs Prozent der rund 115 Millionen Einwohner des Landes stellt. Vor zwei Jahren wurde Abiy Ministerpräsident, er gehört der Bevölkerungsmehrheit der Oromo an. Ein Konflikt innerhalb Äthiopiens, das aus zehn ethnischen Regionen besteht, droht das gesamte Gebiet am Horn von Afrika zu destabilisieren.


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