Schnee hielt Einsatzkräfte in Kärnten und Tirol auf Trab

Die starken Schneefälle in Teilen Tirols haben vor allem in Osttirol und dem Ötztal Verkehrsbehinderungen und Stromversorgungsprobleme verursacht. Zahlreiche Straßen waren geschlossen, auch die Brennerbahnlinie war bis zum Nachmittag nicht befahrbar. Zudem waren Montagnachmittag noch 2.200 Osttiroler Haushalte ohne Strom. Auch in Kärnten rückten die Feuerwehren zu mehr als 300 Einsätzen aus. Einige Bergstraßen waren gesperrt, 2.500 Haushalte waren zeitweise ohne Strom.

Während in Osttirol noch vor allem im Villgraten- und Lesachtal Stromprobleme vorherrschen, konnten diese im Ötztal Sonntagabend weitgehend behoben werden. „Wir können aber noch keine Entwarnung geben“, hieß es von der Tinetz. 150 Haushalte waren im Ötztal noch ohne Strom. Umgeknickte Bäume in den Leitungen seien oftmals dafür verantwortlich.

Am Nachmittag wurde die Brennerstrecke in Österreich wieder für den Zug-Nahverkehr bis zum Brenner freigegeben - auf Südtiroler Seite werde die Streckensperre jedoch bis Dienstag andauern. Ein Schienenersatzverkehr zwischen Bozen und Innsbruck wurde eingerichtet, Fernverkehrszüge wenden allerdings in Innsbruck. Zudem konnte die Drautalstrecke von Lienz bis Innichen nicht bedient werden. Solange es die Wettersituation zulasse, werde es aber einen Schienenersatzverkehr geben, hieß es von den ÖBB. Es wurde dennoch dazu geraten, sich vor dem Reiseantritt über die aktuelle Lage zu informieren.

Die Brennerautobahn wurde in den frühen Morgenstunden wieder für den Verkehr freigegeben. Die Brennerstraße (B182) musste dagegen wegen Hangrutschungen zwischen dem Gasthof Stefansbrücke und der Abzweigung Schönberg für umfangreiche Sanierungsmaßnahmen bis voraussichtlich Weihnachten gesperrt werden, hieß es vom Land. Der Abschnitt zwischen Schönberg und Matreiwald soll ab 17.00 Uhr für den Verkehr freigegeben werden.

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Indes waren am Montag vier Hubschrauber in Osttirol auf Erkundungsflügen für Lawinenkommissionen, Gemeinde-Einsatzleitungen, die Landesgeologie und die Tinetz im Einsatz. In Nordtirol führte ein Bundesheerhubschrauber Erkundungsflüge für die Lawinenkommissionen und den Lawinenwarndienst durch. „Der Landeshubschrauber ist für Krankentransporte von Dialysepatientinnen und -patienten ins Bezirkskrankenhaus Lienz, Erkundungsflüge für Lawinenkommissionen und Leitungsbefliegungen für die Tinetz unterwegs. Zwei private Hubschrauber sind ebenfalls für Lawinenkommissionen und die Tinetz im Einsatz. Ein Bundesheerhubschrauber wird noch von Klagenfurt nach Lienz verlegt“, erklärte die Lienzer Bezirkshauptfrau Olga Reisner. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) war am Montag war am Montag nach Osttirol geflogen, um sich ein Bild der Lage zu machen.

In Osttirol wurde am Montag die Lawinenwarnstufe „4“, also große Gefahr, ausgerufen. Am Sonntag galt noch die höchste Lawinenwarnstufe „5“. An steilen Grashängen waren jederzeit Nass- und Gleitschneelawinen zu erwarten, vereinzelt auch sehr große, hieß es im Lawinenreport. Dasselbe galt für Nordtirol, wobei hier verbreitet Lawinenwarnstufe „3“ ausgegeben wurde. In Hopfgarten im Defereggental beschädigte eine Lawine am Sonntag drei Häuser schwer, wobei Schnee und Schlamm in Keller eindrang. Es wurde niemand verletzt.

Am Montag stellte sich nach dem schneereichen Wochenende eine leichte Wetterberuhigung ein, die jedoch nur von kurzer Dauer sein wird. „Am Dienstag und am Mittwoch bringt das nächste Italien-Tief in Oberkärnten und in Osttirol wieder verbreitet Schneefall bis in die Täler. Dabei kommen nochmals um die 50 Zentimeter Neuschnee dazu, vereinzelt auch um die 100, zum Beispiel im Lesachtal“, sagte Gerhard Hohenwarter von der ZAMG Klagenfurt. Ab Donnerstag sieht es derzeit nach einer nachhaltigen Beruhigung des Wetters aus. „Gegen das Wochenende dürfte zwar über Italien nochmals ein Tiefdruckgebiet entstehen, es liegt nach aktuellem Stand der Prognose aber zu weit südlich, um sich auf Österreich auszuwirken.“

Die Tiroler Landesregierung sicherte am Montag den von den schweren Schneefällen Betroffenen finanzielle Unterstützung zu. Der Katastrophenfonds soll bei privaten Elementarschäden herangezogen werden können, dasselbe gelte für Betriebe hieß es. Eine Beihilfe in Höhe von 50 Prozent des geschätzten Schadens werde gewährt.

„Um der Bevölkerung eine schnellstmögliche Unterstützung bereitzustellen, haben wir heute beschlossen, notwendige Instandsetzungs- und Verbauungsmaßnahmen zur Bewältigung der Schäden, die durch das Niederschlagsereignis aufgetreten sind, rasch umzusetzen. Zudem stehen finanzielle Mittel aus dem Katastrophenfonds des Landes bereit“, sagte Landeshauptmann und Finanzreferent Günther Platter (ÖVP) nach einem Lokalaugenschein in Osttirol.

Die Mittel des Katastrophenfonds sollen vor allem bei außergewöhnlichen Schäden, die bei Hochwasser, Erdrutsch, Vermurung, Lawinen und Erdbeben entstehen, verwendet werden. LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) bedankte sich indes bei all den Freiwilligen, die nun bei der Bewältigung der Situation mithelfen würden. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, meinte sie.

Starker Schneefall hielt am Wochenende auch die Einsatzkräfte und Behörden in Kärnten auf Trab. Allein seit Sonntag rückten die Feuerwehren im Bundesland zu mehr als 300 Einsätzen aus. Einige Bergstraßen waren am Montag immer noch gesperrt, 2.500 Haushalte mussten zeitweise ohne Strom auskommen. Im Mölltal (Bezirk Spittal an der Drau) wurden mehrere Häuser evakuiert, dort kam es immer wieder zu Lawinen- und Murenabgängen sowie Überflutungen.

Schon am Dienstag und Mittwoch soll das nächste Italien-Tief in Oberkärnten und Osttirol wieder Schneefall und Regen bringen, weshalb am Montag der Landeskrisenstab tagte. Im Lesachtal, das noch immer von der Außenwelt abgeschnitten war, wurde in Zusammenarbeit mit der Bezirkshauptmannschaft Hermagor über den Feuerwehranalogfunk und die Polizei eine Kommunikation für Notfälle eingerichtet.

Die Lawinenkommissionen führte Erkundungsflüge durch - vom Hubschrauberstützpunkt Klagenfurt aus stand vom Bundesheer eine Alouette III im Einsatz, ein Black Hawk-Hubschrauber war zu Mittag im Anflug auf Kärnten. Zusätzlich standen zwei Hubschrauber des Innenministeriums bereit. 100 Bundesheersoldaten, die Pioniere aus Villach und das Jägerbataillon 26 aus Spittal an der Drau, waren in Bereitschaft. Zwölf Angehörige des Jägerbataillon 26 unterstützten die Straßenmeisterei Winklern im Mölltal.

Im Großeinsatz standen am Wochenende 420 Mitarbeiter der Landesstraßenmeistereien. Mitarbeiter und Geräte wurden aus dem Unterkärntner Raum nach Oberkärnten geschickt. Viel zu tun hatten auch die Monteure der KNG-Kärnten Netz. Vor allem im Mölltal sowie im Lesachtal galt es, Störungen zu beheben. Erschwert wurde das durch die vielerorts herrschende Lawinengefahr.


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