Mailänder Scala trotzte mit Operngala der Coronakrise

Die Mailänder Scala hat dem Corona-Lockdown getrotzt und mit einer Operngala mit Weltstars den Beginn der neuen Saison gefeiert. Einige der schönsten Stimmen der internationalen Opernszene - darunter die Mezzosopranistin Elina Garanca und die Tenöre Placido Domingo, Roberto Alagna und Vittorio Grigolo - interpretierten am Montag berühmte Opernarien, begleitet vom Orchester der Scala unter dem Dirigat von Musikdirektor Riccardo Chailly.

Arien aus „Rigoletto“, „Don Carlo“, „Turandot“ und „Madama Butterfly“ ertönten im leeren Theater. Der polnische Tenor Piotr Beczala ersetzte den erkrankten Jonas Kaufmann in „Nessun Dorma“. Roberto Alagna, der seit 14 Jahren nicht mehr in der Scala gesungen hatte, feierte sein Comeback, nachdem er bei der Saisoneröffnung 2006 mit „Aida“ das Opernhaus fluchtartig wegen Pfiffen der Zuschauer verlassen hatte.

Der Galaabend wurde weltweit von RAI 1 und per Videostream übertragen. Ergänzt wurde das Programm durch einige berühmte Ballettszenen und durch Auftritte von Schauspielern, die unter anderem Auszüge aus Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“ verlasen. 2021 gedenkt Italien des 700. Todestags seines Nationaldichters Dante. Einem Vers aus Dantes „Inferno“ ist der Titel der Operngala „A riveder le stelle“ (Zum Wiedersehen der Sterne) entnommen.

Die Musiker spielten nicht im Orchestergraben, sondern von einem Podium in den Zuschauerrängen. In den Logen standen die Chorsänger, gemeinsam mit den Theatermitarbeitern. Regisseur des Events war der Italiener Davide Livermore, der im vergangenen Jahr bei der Scala-Saisoneröffnung mit „Tosca“ großen Beifall geerntet hatte. „Jeder muss begreifen, dass Italien von der Kultur neu starten kann“, kommentierte Livermore.

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„Wir wünschen uns alle, bald wieder Zuschauer zu haben, doch solange dies nicht möglich ist, suchen wir nach alternativen Lösungen. Die Künstler, die an der Scala auftreten, sind Botschafter der Kunst und der Schönheit. Es ist, als ob die ganze Opernwelt die Scala und Italien in dieser schwierigen Zeit unterstützen wollten“, sagte der im März von der Wiener Staatsoper zur Scala gewechselte Intendant Dominique Meyer.

Die Operngala wurde von italienischen Medien gefeiert. „Dieser Galaabend ist eine Ode an das Theater, das mit Musik und Kultur Angst, Resignation und Ungewissheit besiegt“, kommentierte die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Dienstagsausgabe).

Jedes Jahr am 7. Dezember - dem Gedenktag des Heiligen Ambrosius, des Mailänder Schutzpatrons - feiert die Scala die Saisoneröffnung mit einer Opernpremiere. Wegen des Wiederaufflammens der Corona-Pandemie Anfang November wurde heuer stattdessen ein Galaabend zugunsten der von der Coronakrise hart getroffenen Künstler angesetzt.


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