Wiener MAK zeigt Sheila Hicks als Malerin mit Textilien

Dicke Zöpfe, pralle Knäuel, von der Decke hängende Stoffbahnen und Lianen, flauschige Teppiche und samtige Geflechte, wollige Würste und Wülste in vielen Farben und ein ganzer Berg von in Fischernetze gepressten Fasern in Orange-, Gelb- und dunklen Rot-Tönen: Die Objekte der Ausstellung „Sheila Hicks. Garn, Bäume, Fluss“, die ab heute im Wiener MAK zu sehen ist, laden zum Betasten und Befühlen ein. Doch leider heißt es: Hände weg! Kunst zum Anschauen und nicht zum Angreifen.

„Es ist wichtig, dass wir in Zeiten wie diesen eine Gute-Laune-Ausstellung anbieten können“, sagt MAK-Chef Christoph Thun-Hohenstein im Gespräch mit der APA. „Sheila Hicks ist eine tolle Person, die weltweit bedeutendste Künstlerin, die sich mit Textilien auseinandersetzt. Sie ist eine wahre Malerin mit Textilien. Mehr noch als über die Materialien ist ihr Zugang aber über die Farbe.“ Man sei mit der in Paris lebenden 86-jährigen US-Künstlerin schon länger im Gespräch, doch angesichts der weltweiten Corona-Situation habe man Verständnis gehabt, dass sie zum Aufbau der Großausstellung nicht nach Wien kommen konnte. „Sie hat aber mit der Kuratorin Bärbel Vischer jede Nuance der Präsentation genau besprochen“, sagt Thun-Hohenstein.

Sheila Hicks setzt sich seit den 1950er-Jahren intensiv mit Textilien in verschiedenen künstlerischen und kulturellen Kontexten auseinander. Sie studierte an der Yale University bei Josef Albers, Webtechniken erlernte sie autodidaktisch von dem Archäologen Junius Bird, dem Kunsthistoriker George Kubler und von Anni Albers. 1957/58 ermöglichte ihr ein Fulbright-Stipendium für Malerei Aufenthalte in Peru, Ecuador, Bolivien und Chile, später lebte sie in Mexiko. „Inspiriert von den Konzepten der Wiener Werkstätte und des Bauhauses setzt sich Hicks über die Grenzen von Medium, Nationen und Gender hinweg und lenkt den Blick auf die soziopolitischen Konnotationen von Textilien“, heißt es dazu im Pressetext. „Ein ungemein reiches Wissen über indigene Webpraktiken, das sie sich während Aufenthalten in Nord- und Lateinamerika, Europa, im Nahen Osten und in Asien angeeignet hat, ist immanentes Moment ihres facettenreichen Werks.“

Und so stößt man beim Rundgang auf opulente Neuinterpretationen barocker Perücken ebenso wie auf marokkanische Gebetsteppiche, die mit Walter Pichlers skulpturalem „Tor zum Garten“ korrespondieren, auf in einem Karmeliterkloster geflickte Socken, auf bestrickende Dialoge zwischen Leinen und Wolle, bei denen Fäden zu filigranen Bildern werden, auf Gewebe, Skulpturen und Installationen, bei denen das taktile Element ebenso eine Rolle spielt wie die leuchtenden Farben. Kokosfasern und Maisblätter sind ebenso eingearbeitet wie Muscheln oder Zweige.

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Die Ausstellungshalle dominiert aber die aus monumentalen Bündeln pigmentierten Garns bestehende Arbeit „La Sentinelle de Safran“ (2018). Man möchte den leuchtenden Hügel gleich erklimmen und in die satten Farben buchstäblich eintauchen. Doch das sollte man lieber bleiben lassen. Immerhin: In aller Ruhe anschauen ist auch schön.

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