Routinier Reichelt feiert sein Comeback: „Ein bisserl eine Rennsau bin ich ja“

349 Tage nach seinem Kreuzbandriss in Bormio nimmt Hannes Reichelt heute das Auftakttraining für das Speed-Doppel in Val d’Isère in Angriff. Mit 40!

In den internen Zeitläufen fehlte schon noch etwas zu den Taktgebern wie Mayer und Kriechmayr.
© gepa steiner

Von Max Ischia

Innsbruck, Val d’Isère – Die Diagnose nach dem Abfahrtssturz in Bormio war niederschmetternd und der erste Reflex klar: Das wird es wohl gewesen sein für Hannes Reichelt. Der geneigte Ski-Fan hatte da freilich die Rechnung ohne den damals 39-jährigen Radstädter gemacht. Nachdem das Kreuzband vom Innsbrucker Chirurg Karl Golser geflickt worden war und 30 bis 40 Prozent des ramponierten Meniskus entfernt worden waren, überraschte Reichelt im Sanatorium Kettenbrücke mit der Botschaft, es noch einmal versuchen zu wollen: „So möchte ich einfach nicht aufhören.“

Dementsprechend freudig startet der seit dem 5. Juli 40-Jährige ins heutige Training für das Speed-Doppel am Samstag (Abfahrt) und Sonntag (Super-G) in Val d’Isère. Die Erwartungen hängt der Routinier freilich nicht zu hoch: „Ich bin noch nicht da, wo ich gerne wäre. Auf Mothl (Mayer) und Vince (Kriechmayr, Anm.) fehlt mir schon noch einiges.“ Um aber mit Blick auf das Rennwochenende anzumerken: „Mal schauen, was ich noch rauskitzeln kann. Ein bisserl eine Rennsau bin ich ja.“

© gepa sprenger

Losgelöst davon ist Reichelt hocherfreut, dass das rekonvaleszente Knie hält – und keine bis kaum Probleme bereitet. Das weiß der Super-G-Weltmeister von 2015 spätestens seit den Trainingstagen in Hochgurgl, wo eine äußerst selektive Piste den ÖSV-Gasgebern alles abverlangt hatte.

Körperlich, versichert Reichelt, gehe es ihm blendend. Und weil er in den Sommermonaten noch zwei, drei Kilogramm Muskelmasse draufgepackt habe, fühle er sich „richtig gut beinand“.

Entscheidend werde sein, wie schnell das Urvertrauen, das Selbstverständnis, das Instinktive zurückkehre. Reichelt macht keinen Hehl daraus, dass die Überwindung mit zunehmendem Alter nicht kleiner wird. „Es ist nicht mehr ganz so einfach, voll ans Limit zu gehen.“ Genau das brauche es aber, um ganz an der Spitze mitmischen zu können. Und das war, ist und bleibt das Ziel des 13-fachen Weltcupsiegers. Spätestens im Jänner, wenn mit Wengen, Kitzbühel oder Garmisch durchwegs Klassiker warten, wolle er in Topform sein.

Dass sein Comeback auch die Gefahr des sportiven Scheiterns einschließt, ist dem Jungpapa (Sohn Niklas, eineinhalb Jahre) bewusst. „Natürlich kann das passieren. Aber entscheidend ist für mich, es noch einmal versucht zu haben und sich nicht irgendwann einmal fragen zu müssen, ob da nicht noch etwas möglich gewesen wäre.“

St. Anton ist bereit für den Weltcup

St. Anton a. A. – Exakt einen Monat vor dem Ski-Weltcup der Damen in St. Anton am Arlberg (9. und 10. Jänner) blickten gestern die Verantwortlichen mit Vorfreude auf die Veranstaltung voraus. Auch wenn aufgrund der aktuellen Covid-19-Situation keine Zuschauer erlaubt sind, sollen Abfahrt und Super-G St. Anton wieder ins Gedächtnis des Skirennsports rufen. Die letzten Rennen gab es ja 2013. „Wir mussten die letzten beiden Rennen absagen: Einmal hatten wir zu viel Schnee, einmal zu wenig. Heuer ist ein ganz besonderes Jahr“, meinte TVB-Obmann Josef Chodakowsky. „Wir sind bei den Vorbereitungen vor dem Zielsprung und guter Dinge, dass alles klappt“, bestätigte OK-Chef Peter Mall.

Statt der Zuschauer sollen im Ort und im Stadion Schneemänner aufgestellt werden, für die nun bereits Paten gesucht werden. Der Erlös kommt einem wohltätigen Zweck (Caritas-Hilfsprojekt in Afrika) zugute. Noch nicht vom Tisch ist das Thema eines dritten Weltcup-Rennens: Nach der Absage zweier Super-G in St. Moritz sei man für Gespräche bereit, meinte ÖSV-Generalsekretär Christian Scherer. (rost)


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