“Sindbad“ kommt nach Innsbruck: Dort helfen, wo Hürden sind

Bis dato half „Sindbad“ nur in anderen Städten Österreichs. Nun soll es auch in Innsbruck benachteiligten Jugendlichen unter die Arme greifen.

Jugendliche, deren Lebensalltag sich durch „Sindbad“ positiv verändert hat.
© Sindbad/Kranabetter

Von Elisabeth Zangerl

Innsbruck – „Mein Leben hat sich verändert, weil ich früher niemanden hatte, der mich schulisch unterstützen konnte. Meine Eltern konnten mir bei Hausübungen nicht helfen, weil sie kaum Deutsch sprechen. Außerdem bin ich das älteste Kind daheim und helfe auch noch meinen Geschwistern, ich bin wirklich dankbar für meine Mentorin.“ – Das erzählt Bibi, die dank ihrer Mentorin mittlerweile eine weiterführende Schule besucht: „Meine Mentorin hat mir schulisch und auch in vielen anderen Bereichen weiterhelfen können“, sagt die 16-Jährige, die im November 2019 als „Mentee“ in Wien gestartet hat.

Dass es in Österreich an gleichen und fairen Chancen für alle Kinder und Jugendliche hapert, weiß man mittlerweile aus zahlreichen Studien. Bildungsarmut wird immer noch „vererbt“. Genau hier setzt das Programm „Sindbad“ an, künftig auch verstärkt in Tirol.

Gegründet wurde der gemeinnützige Verein 2016 in Wien, seit März 2020 gibt’s auch einen Standort in Innsbruck. Ziel des Sindbad-Mentoringprogramms, das zwölf Monate läuft, ist die Unterstützung von sozioökonomisch benachteiligten Jugendlichen (Mentees) aus Brennpunktschulen. Luzia Hawthorne ist eine der beiden Geschäftsführerinnen von Sindbad Tirol, sie erläutert: „Als Mentees werden Schülern aus Brennpunktschulen ehrenamtliche Mentoren (zwischen 20 und 35 Jahren) zur Seite gestellt, die mit ihnen am Sprung in den ersten Job oder in eine weiterführende Ausbildung arbeiten. Sie arbeiten mit den Mentees an ihrem Weg, während sie selbst ihre sozialen Führungsqualitäten weiterentwickeln.“

Der Start in Tirol war kein einfacher: „Wir haben zeitgleich mit dem Lockdown mittels Home-Office gestartet“, erinnert sich Luzia Hawthorne zurück. Das Ziel bleibt ein hochgestecktes: „Sindbad wurde gegründet mit der Vision einer Gesellschaft, in der junge Menschen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Wir arbeiten daran, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Lebenswelten miteinander in Verbindung treten und gemeinsam Chancen ergreifen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft.“

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Insgesamt ist Sindbad an über 50 Partnerschulen österreichweit vertreten, am Standort Innsbruck gibt’s bis dato noch keine. Man ist noch auf der Suche. Derzeit sucht man die Zusammenarbeit mit Jugendzentren, Lernhilfen und Elternvereinen, bis der Zugang zu Schulen wieder gewährt werden kann. Mit Hilfe der Schulsozialarbeit wolle man mögliche Schulen identifizieren, die vom Sindbad-Mentoringprogramm profitieren könnten, erklärt Hawthorne. In einem weiteren Schritt wolle man auch am Land durchstarten, wo es noch kein „Sindbad“ gibt.


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