Der Innsbrucker Kunstraum wird zum Leseraum

Schauen und verweilen: Die neue Schau im Kunstraum zeigt Editionen und noch mehr.
© Kunstraum

Innsbruck – Dass man in einem Kunstraum nicht nur Kunst sehen, sondern auch zwischen Kunst verweilen, dort lesen und schmökern kann, beweist der Innsbrucker Kunstraum mit seiner aktuellen Ausstellung. Eigentlich sollte die Editionen- und Bücherschau „Art Books & Art Works“ bereits im November eröffnet werden und bis Dezember laufen, Corona-bedingt ging es erst diese Woche los, zu sehen ist die Schau dafür bis Ende Jänner.

Genutzt hat Kunstraum-Leiterin Ivana Marjanovi´c die Ausstellung vor allem für einen sehr individuellen Rückblick in die Ausstellungsgeschichte des Kunstraums. Tobias Rehbergers Plexiglasarbeit „Alkohol und Nikotin rafft die halbe Menschheit hin“ erinnert an seine „mechanische Sonnenuhr“, die 2009 im Kunstraum ausgestellt war; Monica Bonvicinis Kettenzeichnungen an ihre überdimensionale Liebesschaukel, die 2006 im Kunstraum hing. Immer wieder gern sieht man auch Heidi Holleis’ aufwändig gestaltete Vorzugsausgabe mit Aschemalereien, die aktuell neben einer fragmentierten Serie von Hans Weigand Platz findet.

Spontan hat Marjanovi´c die ausgestellten Editionen mit Gast-Kunstwerken aufgefettet, die zur thematischen Ausrichtung des Programms passen sollen. Das mag durchaus auch mal überraschen: Mit dabei ist u. a. Stefanie Sargnagel, zwei ihrer Cartoons sowie ihr vor Kurzem erschienener Debütroman „Dicht“ hat sich in die Ausstellung geschlichen.

Zum Themenschwerpunkt Kohabitation, der den Kunstraum ins 2021 begleiten wird, passt die Arbeit „Heavy Blood“ von Naomi Rincón Gallardo aber besser, vervollständigt sie doch die im Rahmen ihrer Kunstraum-Schau 2019 begonnene Trilogie: Kult, Natur und Postkolonialismus verwachsen hier zu einem großen Ganzen.

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Auf natürliche Symbiose setzen auch Ina Hsus und Sinisa Ili´cs neue Editionen, und beide fügen sich zwischen Katalogen und weiterführender Literatur im Raum ein. Kunst darf hier auch erarbeitet werden. Erarbeitet will auch die Schau selbst werden, man merkt ihr doch an, hier wurde improvisiert. Aber sei’s drum.

Wer mehr will, kann in die neu eingerichtete Bibliothek einen Raum weiter wechseln, die auch nach der aktuellen Schau für Besucher und Mitglieder offenstehen wird. (bunt)


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