Objekte mit Beipackzetteln und Frustrationspotenzial im Taxipalais

Erste Einzelausstellung der Ägypterin mit US-Pass Iman Issa in Österreich in der Kunsthalle Tirol im Innsbrucker Taxispalais.

Zwei Objekte aus der Serie „Heritage Studies“, die Iman Issa auf den Boden der Hofhalle der Innsbrucker Taxisgalerie gelegt hat.
© günther kresser

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Aufgebaut hat Iman Issa ihre Personale bereits vor einem Monat, bis gestern konnten allerdings nur Tiroler SchülerInnen via Zoom virtuell durch die Schau spazieren, ab heute jeder, der mag. Der Lust hat, sich auf Objekte der Kunst einzulassen, die durch das Brüchig-Machen scheinbar klarer Beziehungsgeflechte mehr Fragen stellen als Antworten liefern. Ist die gebürtige Ägypterin mit amerikanischem Pass, die derzeit auf einem Lehrstuhl für Bildhauerei an der Wiener Akademie der bildenden Künste sitzt, doch eine, die auf irritierend unkonventionelle Weise Wahrnehmungskrisen provoziert.

Die Schau – übrigens die erste Einzelausstellung der 41-Jährigen in Österreich – beginnt im Foyer der Taxisgalerie mit einer Soundarbeit, in der es um den viel strapazierten Begriff des Revolutionären geht. Zelebriert rund um eine fiktive Figur, deren Stimme eine computergenerierte ist. Eine Diskrepanz, die typisch für die Denkweise von Iman Issa ist. Was noch wesentlich konkreter auch ihre Arbeiten aus der Serie „Lexicon“ vorführen, in denen die einzelnen Sujets und ihr jeweiliges textliches Pendant kaum mehr etwas miteinander zu tun zu haben scheinen. Um vorzuführen, wie viel der jeweilige historische und kulturelle Kontext die Rezeption bestimmt.

So sehr Iman Issa auch das Spiel mit Begrifflichkeiten und deren Darstellung mag, primär ist sie doch eine zutiefst politisch bewegte Künstlerin. Wenn sie etwa in dem „Beipackzettel“ ihres Videos „Untitled“ akribisch die auf einem 1950 gemalten Aquarell zu sehende Idylle beschreibt, während sich die konkreten Bilder rund um die amerikanische Invasion im Irak drehen bzw. deren moralische Rechtfertigung durch Sequenzen, die nachweislich gefaked sind.

Eigens für die Ausstellung u. a. aus Holz, Stahl oder Epoxidharz gemachte Masken dürfen in Zeiten wie diesen offenbar nicht fehlen. Sozusagen als Stellvertreter, um in die unterschiedlichsten Rollen zu schlüpfen, die mit dem Film „Surrogates“ zu tun haben sollen. Worum es da geht, ist im obligaten Beitext zu lesen.

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Leichter zugänglich ist Issas „Kriegerdenkmal für den Irakkrieg“ im Videoformat. Zelebriert als Flut unterschiedlichster Bilder über ein Land, das die Künstlerin selbst nur aus zweiter Hand kennt. Pittoresk märchenhafte Sequenzen wechseln sich da mit solchen verheerender Explosionen ab, die aus der medialen Perspektive jedoch verführerisch schön wie ein Feuerwerk daherkommen. Um Issas sehr spezielle „Heritage Studies“ geht es schließlich in der Hofhalle, auf deren Boden sie sieben Skulpturen gelegt bzw. gestellt hat, die sich jeweils auf ein konkretes museales Objekt beziehen. Die berechtigte Frage aufwerfend, wie neutral unser Blick auf Objekte uns fremder Kulturen überhaupt sein kann.


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