Großformatiges in „Schwarz Weiß & Grau“ in der Albertina

Passend zum Wetter und wohl so mancher Gemütslage zeigt die Albertina in ihrer neuen Ausstellung „Schwarz Weiß & Grau“ die farblosen Seiten des Lebens. Die Propter Homines Halle beinhaltet bis 21. März 2021 insgesamt 55 Werke von 16 Künstlerinnen und Künstlern aus der hauseigenen Sammlung. Die großteils mit Bleistift oder Tusche angefertigten Zeichnungen eint ihr großes Format und der Fokus auf Hell-Dunkel-Kontraste.

Eigentlich wäre für den Herbst eine lange vorbereitete Amedeo-Modigliani-Ausstellung geplant gewesen. Doch die Coronapandemie zwang die Albertina zu einer Verschiebung. Stattdessen präsentiert man nun Teile der eigenen Sammlung. „Diese Ausstellung ist zwar der Coronakrise geschuldet, aber sie ist eine gute Gelegenheit, unsere Sammlungstätigkeit der letzten 20 Jahre auszustellen“, sagte Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder am Donnerstag vor Journalisten.

„Zeichnungen können eine unglaubliche Mannigfaltigkeit aufweisen. Wir haben uns auf Schwarz-Weiß eingelassen“, so Schröder. An der daraus resultierenden „gewissen Monochromie“ hätte auch der Gründer der Sammlung, Herzog Albert, eine Freude gehabt, zeigte sich der Generaldirektor überzeugt. Er betonte, dass mit dieser Schau das Zeichnungen innewohnende Potenzial untermauert werden solle. „Sie werden nicht nur für die kleine Tasche produziert“, sagte Schröder. In der Tat füllen manche der gezeigten Werke ganze Wände, andere dulden ein zweites, drittes oder gar viertes Werk neben sich.

Beim Betreten der Ausstellung springt sofort ins Auge, dass der erste Blickfang - eine von den beiden Linzern Peter Hauenschild und Georg Ritter angefertigte Zeichnung eines Ateliers - mehr als nur schwarz, weiß und grau aufweist. Gelb- und Orangetöne mischen sich ins Werk. Diese Irritation verblasst jedoch schnell, da mit wenigen Ausnahmen der Titel der Schau eingehalten wird. Thematisch ist die Ausstellung dagegen bunt aufgestellt: Riesige Augen, Sigmund Freuds Haustür, ein Revolverlauf, Hecken, Gräser, Wälder oder auch Silhouetten von Flüchtlingen treffen auf eine Abschiedsszene und Porträts.

Mit der Beschränkung auf Schwarz-Weiß gehe gerne Melancholie einher, sagte die Kuratorin der Ausstellung, Elsy Lahner. „Aber auch Unheimliches schwingt oft mit“, meinte sie mit Verweis auf deplatziert wirkende Wanderer in unwirtlichen Landschaften.

„Die künstlerischen Strategien sind sehr unterschiedlich“, erklärte die Kuratorin. Fotorealistische Zeichnungen von Sonja Gangl oder Robert Longo finden ebenso Eingang wie Werke mit gestischem Zugang. Zudem ist so manche Installation vertreten. Aus der Ecke eines Raumes wuchert etwa ein feingliedriges, fragiles Papiergewächs von Birgit Knoechl und wirkt dabei so, als möchte es sich seinen angestammten Platz zurückerobern. Ebenfalls vertrieben wurden ausgeschnittene Papierfiguren, die durch das Bild einer Videoinstallation namens „Schattenprozession“ von William Kentridge wandern. Der an das Schattentheater angelehnte Animationsfilm soll an alljene gemahnen, die grausam unterdrückt wurden oder ihr Heimatland verlassen mussten.

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