Nur jedes zweite Tiroler Gasthaus bewirtet im Lockdown

Vor allem am Land lassen sich die Umsatzverluste mit Abholung oder Lieferung schwer ausgleichen. Lieferdienste dürften Ablaufdatum haben.

Die Essensabholung und Lieferung ist für viele Lokale eine Möglichkeit, die Verluste zumindest teilweise auszugleichen.
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Von Stefan Eckerieder

Innsbruck – Die Corona-Krise setzt unter anderem der Gastronomie besonders stark zu. Bereits im ersten Lockdown im Frühjahr mussten die Betriebe wochenlang geschlossen bleiben und auch danach fielen die Umsätze nicht zuletzt wegen fehlender Gäste aus dem Ausland oft nur sehr spärlich aus. Die Möglichkeit der Essensabholung und Lieferung im aktuell bereits zweiten Lockdown ist für viele Betriebe eine Möglichkeit, die Verluste der letzten Monate zumindest teilweise auszugleichen.

„Bei rund 40 bis 50 Prozent der Tiroler Gastronomiebetriebe kann man während des Lockdowns Essen abholen oder liefern lassen“, sagt Alois Rainer, Fachgruppenobmann der Gastronomie in der Wirtschaftskammer Tirol. Das Offenhalten der Küchen zahle sich vor allem für die klassischen Pizzerias und chinesischen Restaurants aus, weil Abholung und Lieferung dort das ganze Jahr über zum Geschäft gehören.

Erfolg hängt vor allem vom Einzugsgebiet ab

„Für die anderen Betriebe ist es weitestgehend Neuland. Diese müssen sich oft erst einen Bekanntheitsgrad erarbeiten“, sagt Rainer. Die Umsatzverluste aufzufangen, sei für den Großteil der Wirte jedoch sehr schwierig. „Es geht vor allem darum, Stammgäste zu bedienen und Marktpräsenz zu zeigen“, erklärt der Gastronom. Der Erfolg hänge vor allem vom Einzugsgebiet ab: „In einer Stadt wie Innsbruck wird man sich leichter tun. Am Land ist man für die Abholung auf das Auto angewiesen.“

In den Ballungszentren versuchen viele Gastronomen ihr Glück bei Lieferdiensten, wie Artur Schreiber, Chef von Delivery Hero Austria, Betreiber des österreichweit größten Lieferdienstes Mjam, kürzlich in einem Interview auf der Online-Plattform derbrutkasten erklärte. Der Anbieter verzeichne demnach einen „großen Zulauf an Restaurants, die nun erstmals über Mjam ihr Essen ausliefern lassen wollen und darin die einzige Chance sehen, ihr Geschäft zu retten“.

In einer Stadt wird man sich mit der Essenslieferung und Abholung leichter tun.
Alois Rainer (WK-Tirol-Obmann Gastronomie)

Aus der Not eine Tugend gemacht

Das Innsbrucker Traditionsgasthaus Burenwirt hat bereits im ersten Lockdown aus der Not eine Tugend gemacht und sich mit dem Burenwirt-Express erfolgreich seinen eigenen Lieferdienst aufgebaut. „Wir wollten das Geschäft nicht den Bach runtergehen lassen und haben überlegt, was wir machen könnten. Am 16. März haben wir mit dem Ausliefer­n angefangen“, sagt Burenwirt-Chefin Ingrid Marzari. Ein für den Erfolg nicht unwesentlicher Faktor sei die Gründung der Facebook-Gruppe „Burenwir­t Fensterl“ gewesen, die „zu einem Selbstläufer“ geworden sei. „Viele haben dort ein Bild vom gelieferten Essen gepostet. Innerhalb weniger Wochen hatte die Gruppe 1500 Mitglieder“, sagt Marzari.

Mittlerweile werden die täglich im Schnitt 150 Bestellungen mit zwei Autos und zwei Fahrrädern von den Kellnern des Wirtshauses ausgeliefert. Im Sommer wurde extra dafür ein E-Fahrzeug angeschafft. Umsatzeinbußen verzeichne man dennoch, sagt die Wirtin. Im Frühjahr und Sommer hab­e man keine Corona-Hilfen in Anspruch genommen. Aktuel­l versuche man den Umsatzersatz zu beantragen.

Gastro-Betriebe erhalten im Lockdown einen staatlich finanzierte­n Umsatzersatz. Im November wurden den Betrieben 80 Prozent des Vorjahresumsatzes erstattet, im Dezember nur noch 50 Prozent.

Gastro-Obmann rechnet mit Abflauen im Jänner

Während der Burenwirt-Express auch nach dem Lockdown weiterbetrieben werden soll, rechnet Gastro-Obmann Rainer damit, dass viele Wirtshäuser ihre Lieferservices nach dem Lockdown-Ende am 7. Jänner eher wieder einstellen werden. „Das klassische Wirtshaus ist darauf nicht so konditioniert.“ Wirte müssten dann zusätzliches Personal einstellen.

Grundsätzlich fand Rainer aber die Etablierung von Lieferservices und Abholmöglichkeiten bei Restaurants im Lockdown überaus positiv. „Es geht schließlich auch darum, die lokale Gastronomie am Leben zu halten.“

Vor dem Lockdown-Ende erwartet sich Rainer noch von den Weihnachtsfeiertagen einen zusätzlichen Umsatzschub für die Betriebe. „Die Tiroler Gastro-Betriebe bereiten tolle Menüs und Platten vor, die man dann abholen oder liefern lassen kann.“


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