Sternsinger zu Corona-Zeiten: Statt Gold und Myrrhe mit Lautsprecher an der Tür

Corona zwingt die Heiligen Drei Könige zum Improvisieren. In welcher Form die Sternsingeraktion stattfindet, entscheidet sich nächste Woche.

Die Sternsinger bringen den Dreikönigssegen und sammeln dabei Spenden für Projekte in Entwicklungsländern.
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Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Für viele gehören sie hierzulande zur Weihnachtszeit wie der Adventkranz, der Christbaum und die Krippe: die Sternsinger, die zwischen Neujahr und dem 6. Jänner von Haus zu Haus ziehen und den Menschen den Dreikönigssegen bringen. Doch Corona könnte den Plänen von Caspar, Melchior, Balthasar und dem Sternträger diesmal einen Strich durch die Rechnung machen, denn Hausbesuche und Singen sind in Pandemie-Zeiten nicht gerade das, was Behörden, Politik und Gesundheitsexperten besonders empfehlen würden.

Tatsächlich wisse man noch nicht, in welcher Form die Dreikönigsaktion heuer durchgeführt werden kann und was erlaubt sein wird, bestätigt die Referentin der Dreikönigsaktion in der Diözese Innsbruck, Karin Boscolo. Man habe sich jedoch bereits früh mit dem Thema beschäftigt und ein Hygienekonzept erarbeitet sowie weitere Maßnahmen getroffen, um eine möglichst sichere Sternsingeraktion 2021 abzuwickeln. „Derzeit sind wir dabei, die Rahmenbedingungen mit den verschiedenen Ministerien zu klären. Wir hoffen, dass wir am Montag eine Antwort bekommen“, sagt Boscolo.

Das Hygienekonzept der Dreikönigsaktion, das bis Anfang nächster Woche abgesegnet werden soll, trägt den Titel „Sternsingen 2021 – aber sicher!“. Darin finden sich nicht nur Verhaltensregeln wie das Einhalten des Mindestabstandes, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in geschlossenen Räumen sowie die Handhygiene, sondern auch die Abläufe in der Vorbereitung und der Durchführung der Hausbesuche. So soll etwa die Gruppeneinteilung bereits im Vorfeld in Absprache mit Eltern und Kindern erfolgen, wobei darauf zu achten ist, dass Kinder, die ohnehin miteinander Kontakt haben – Geschwister, Freunde, Schulkollegen, Nachbarn –, in denselben Gruppen gehen. Wo möglich oder notwendig, können auch kleinere Gruppen mit nur drei Sternsingern gebildet werden. Die Vorbereitungstreffen sollen in großen durchlüfteten Räumen, Singproben in kleinen Gruppen im Freien oder in großen Räumen mit Mund-Nasen-Schutz stattfinden.

Gesungen wird nur im Freien mit Abstand

Auf der Sternsingertour selbst haben laut Hygienekonzept alle Beteiligten nicht nur eine Maske, sondern jede Gruppe auch Desinfektionsmittel bzw. Desinfektionstücher mitzuführen. Geschlossene Räume sind nur mit Maske zu betreten, wo möglich, sollen die Gruppen im Freien oder im Gang bleiben. Gesungen werden soll nur im Freien mit ausreichendem Abstand. Für das Singen in geschlossenen Räumen muss der Mund-Nasen-Schutz verwendet werden. Das Konzept empfiehlt aber auch, im Vorfeld ein Lied aufzunehmen und dieses dann mit dem Handy und einer kleinen Box abzuspielen. Süßigkeiten, die im Anschluss an die Sternsinger verteilt werden, sollten nur in Originalverpackung entgegengenommen werden. Geldspenden für die Projekte, die von der Dreikönigsaktion unterstützt werden, sollten mit genügend Abstand übergeben werden. Bei der Spendenbestätigung ist ein Kugelschreiber des Spenders zu verwenden bzw. muss der mitgeführte Kuli nach jeder Verwendung desinfiziert werden.

Für Karin Boscolo steht ungeachtet der Entscheidung der Ministerien nächste Woche fest: „Die Dreikönigsaktion wird auch 2021 stattfinden. Sie ist gelebtes Brauchtum und Tradition, viele freuen sich auf die Heiligen Drei Könige.“ Wenn Hausbesuche nicht gestattet sind, werde man den Dreikönigssegen eben virtuell zu den Menschen bringen und per Postwurf und Erlagschein um Spenden bitten.

In Tirol beteiligen sich jedes Jahr rund 10.000 Kinder an der Dreikönigsaktion, 7000 in der Diözese Innsbruck, 3000 in den Tiroler Gemeinden der Erzdiözese Salzburg. Die Katholische Jungschar organisiert seit den 1950er-Jahren das Sternsingen in Österreich und sammelt dabei für Hilfprojekte in den Entwicklungsländern. 2020 kamen dabei in Tirol 1,8 Mio. Euro zusammen, in Österreich wurden über 18 Mio. Euro gespendet.


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