Corona-Impfstoff von BioNTech/Pfizer in den USA zugelassen

In den USA ist erstmals ein Corona-Impfstoff zugelassen worden. Die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte dem Impfstoff des Mainzer Biotechunternehmens BioNTech und seines Partners Pfizer am Freitagabend eine Notfallgenehmigung. Diese gelte für Personen ab 16 Jahre, teilte die FDA mit. Mit den ersten Impfungen wird in den nächsten Tagen gerechnet.

Der Impfstoff hatte am Donnerstag die entscheidende Hürde für eine Zulassung genommen, nachdem sich der unabhängige Beratungsausschuss für Impfstoffe der FDA mit überwältigender Mehrheit für eine Genehmigung ausgesprochen hatte.

Zuvor soll das Weiße Haus den Chef der US-Arzneimittelbehörde FDA, Steven Hahn, nach übereinstimmenden Medienberichten mit Drohungen zur umgehenden Notfallzulassung des Corona-Impfstoffs gedrängt haben. Die „Washington Post“ berichtete, der Stabschef des Weißen Hauses, Mark Meadows, habe Hahn am Freitag aufgefordert zu kündigen, sollte der Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und dessen US-Partners Pfizer nicht vor Ablauf des Tages (Ortszeit) zugelassen werden.

Der abgewählte US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag ebenfalls den Druck auf die FDA erhöht. Er kritisierte die Behörde als „große, alte, langsame Schildkröte“. Auf Twitter schrieb er: „Geben sie die verdammten Impfstoffe jetzt raus, Dr. Hahn. Hören Sie auf, Spielchen zu spielen, und fangen Sie an, Leben zu retten!!!“ Trump hatte in der Vergangenheit mehrfach politischen Druck auf die Behörde in Hinblick auf die Zulassung von Corona-Impfstoffen und -Therapien ausgeübt und war dafür scharf kritisiert worden. Trump wertet die schnelle Entwicklung eines Corona-Impfstoffs auch als seinen Erfolg.

Ein Berater-Komitee der FDA hatte sich am Donnerstag dafür ausgesprochen, eine Notfallzulassung des Impfstoffs für Biontech und Pfizer für Menschen ab 16 Jahren zu erteilen. Bei dem per Videokonferenz abgehaltenen Treffen stimmten 17 der Fachleute für die Zulassung, vier votierten dagegen. Die Empfehlung des Berater-Komitees ist nicht bindend, meistens folgt die Behörde aber den Empfehlungen der Experten. Die US-Regierung hatte sich vertraglich die Lieferung von 100 Millionen Impfdosen von Pfizer/Biontech gesichert.

Am Mittwoch hatte die Zahl der Toten in den USA an einem einzelnen Tag erstmals seit Beginn der Pandemie bei mehr als 3.000 gelegen. Die Zahl der registrierten Neuinfektionen lag nach Statistiken der Johns-Hopkins-Universität in den vergangenen Tagen jeweils bei mehr als 200 000. Der künftige US-Präsident Joe Biden hatte am Dienstag ein 100-Tage-Programm zur Bekämpfung der Pandemie angekündigt, das er nach seiner Amtsübernahme am 20. Jänner sofort umsetzen wolle. Teil des Plans ist die Verabreichung von mindestens 100 Millionen Dosen eines Impfstoffs in dieser Frist.

Biden nannte den Höchststand an Coronavirus-Toten einen „tragischen Meilenstein“. „Mehr als 3.000 Tote an einem einzigen Tag, die höchste einzelne Todeszahl während dieser Pandemie“, sagte er am Freitag in Wilmington im Bundesstaat Delaware. „Das sind mehr Tote an einem einzelnen Tag, als wir an 9/11 oder in Pearl Harbor hatten.“ Biden bezog sich in seinen Äußerungen auf die Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington sowie auf den japanischen Angriff auf Pearl Harbor (Hawaii) im Dezember 1941. Er forderte den US-Kongress erneut auf, das monatelange Tauziehen zu beenden und ein neues Hilfspaket in der Krise zu beschließen.

Der Pharmakonzern Moderna teilte am Freitag mit, die US-Regierung kaufe weitere 100 Millionen Dosen seines Impfstoff-Kandidaten. Diese Dosen würden im zweiten Quartal des kommenden Jahres geliefert. Von den ersten 100 Millionen bereits von den USA gekauften Einheiten würden 20 Millionen noch in diesem Monat ausgeliefert, die restlichen 80 Millionen im ersten Quartel 2021. Die USA hätten zudem die Option, 300 Millionen weitere Dosen von Moderna zu kaufen. Der Moderna-Impfstoff muss von der FDA noch zugelassen werden.


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