Erster Impfstoff offenbar auf Trump-Druck in USA zugelassen

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dem Corona-Impfstoff des Pharma-Unternehmens BioNTech und seines US-Partners Pfizer eine Notfallzulassung erteilt. Der Impfstoff ist damit der erste, der in den USA zugelassen wurde. Das Weiße Haus soll FDA-Chef Stephen Hahn zuvor mit Drohungen zur umgehenden Erlaubnis des Impfstoffs gedrängt haben. Die FDA widersprach diesen Berichten. Die Infektionszahlen haben unterdessen in den USA mit 231.775 einen neuen Höchstwert erreicht.

Samstagfrüh wurden zudem 3.309 Tote gemeldet. Damit haben die in den USA binnen 24 Stunden erfassten Corona-Toten einen neuen Höchststand erreicht. Der bisher höchste Wert war mit 3.124 Toten am vergangenen Mittwoch verzeichnet worden. Insgesamt haben sich in den USA mehr als 15,8 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Seit Beginn der Pandemie starben 295.522 Menschen mit dem Erreger SARS-CoV-2.

Der abgewählte US-Präsident Donald Trump versprach seinen Landsleuten nach der Zulassung erste Impfungen noch an diesem Wochenende. „Der erste Impfstoff wird in weniger als 24 Stunden verabreicht werden“, kündigte Trump in einem auf Twitter veröffentlichten Video an. Seine Regierung habe bereits mit der Verschickung des Impfstoffes begonnen. Trump betonte, Impfungen seien für alle Amerikaner kostenfrei.

Mit Blick auf die Entwicklung des Impfstoffs in Rekordzeit sagte Trump: „Das ist eine der größten wissenschaftlichen Errungenschaften der Geschichte.“ Der Impfstoff werde Millionen Menschenleben retten „und die Pandemie bald ein für alle Mal beenden“.

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Trump präsentierte die Entwicklung als einen Erfolg seiner Regierung: Die USA seien „das erste Land der Welt“, das einen nachweisbar sicheren und wirksamen Impfstoff produziere. Das ist allerdings nicht zutreffend, da das US-Unternehmen Pfizer als Partner an der Entwicklung des Impfstoffs durch das deutsche Unternehmen BioNTech beteiligt war. Das Mittel wird auch außerhalb der USA bereits hergestellt und in einigen Ländern sogar bereits eingesetzt.

Das Weiße Haus soll FDA-Chef Stephen Hahn nach übereinstimmenden Medienberichten mit Drohungen am Freitag zur umgehenden Zulassung des Impfstoffs gedrängt haben. Die „Washington Post“ berichtete, der Stabschef des Weißen Hauses, Mark Meadows, habe Hahn aufgefordert, die Kündigung einzureichen, sollte der BioNTech/Pfizer-Impfstoff nicht vor Ablauf des Tages zugelassen werden. Die „New York Times“ berichtete, Meadows habe Hahn gesagt, dieser solle andernfalls erwägen, nach einem anderen Job Ausschau zu halten.

Hahn selber sprach in einer Stellungnahme an US-Medien dagegen von „einer unwahren Darstellung des Telefonats mit dem Stabschef“. Die FDA sei „ermutigt“ worden, den Antrag von BioNTech und Pfizer zügig zu bearbeiten. „Wissenschaft und Daten haben die Entscheidung der FDA gelenkt“, betonte Hahn am Samstag bei einer Pressekonferenz. Aufgrund der Dringlichkeit in der Pandemie habe der normalerweise Monate dauernde Zulassungsprozess auf mehrere Wochen verkürzt werden können - vor allem auch, weil die zuständigen Mitarbeiter Tag und Nacht gearbeitet hätten, sagte Hahn. „Externer Druck“ habe dabei keine Rolle gespielt.

Trump selber hatte am Freitag den Druck auf die FDA erhöht. Er kritisierte die Behörde als „große, alte, langsame Schildkröte“. Auf Twitter schrieb er: „Geben sie die verdammten Impfstoffe jetzt raus, Dr. Hahn. Hören Sie auf, Spielchen zu spielen, und fangen Sie an, Leben zu retten!!!“ Trump hatte in der Vergangenheit mehrfach Druck auf die Behörde in Hinblick auf die Zulassung von Corona-Impfstoffen und -Therapien ausgeübt. Er war dafür scharf kritisiert worden.


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