UN-Generalsekretär Guterres will „Klimanotfall“ ausrufen

Fünf Jahre nach der Einigung auf das Klimaabkommen der Vereinten Nationen hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres alle Staaten der Welt aufgefordert, den „Klimanotfall“ zu erklären. Dieser solle so lange gelten, bis CO2-Neutralität erreicht sei, also unterm Strich keine zusätzlichen Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangten, sagte Guterres am Samstag zum Auftakt eines eintägigen, digitalen Klimagipfels.

In Paris hätten die Staaten versprochen, den Temperaturanstieg so nah bei 1,5 Grad wie möglich zu begrenzen, sagte Guterres. Aber die dort gemachten Zusagen beim Klimaschutz reichten nicht aus, und nicht mal diese würden eingehalten. Wenn die Weltgemeinschaft nicht umsteuere, gehe es wohl auf einen katastrophalen Temperaturanstieg um mehr als drei Grad noch in diesem Jahrhundert zu. „Kann irgendjemand noch leugnen, dass wir vor einem dramatischen Notfall stehen?“, fragte sich Guterres.

38 Staaten hätten den „Klimanotfall“ bereits erklärt, sagte Guterres. Damit trügen sie der Dringlichkeit und dem Risiko Rechnung. „Ich bitte alle anderen dringend, sich dem anzuschließen.“ Die Welt sei nicht zum Scheitern verdammt.

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) rief beim Gipfel zu gemeinsamen Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel auf. „Jeder Einzelne von uns kann dazu beitragen, dass die grüne Wende gelingt - aber gemeinsam werden wir stärker sein“, sagte Kurz in seinem Video-Redebeitrag am Samstagabend. Die grüne Transformation bezeichnete er als „Chance für uns alle, aus der aktuellen Krise gesünder, stärker und innovativer hervorzugehen“.

Dabei würden wirtschaftliche Stärke und ein erfolgreicher grüner Übergang Hand in Hand gehen, so der Bundeskanzler. Er lobte die österreichischen Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel, darunter das Ziel bis 2040 klimaneutral zu werden und die Verfünffachung des österreichischen Beitrags zum Green Climate Fund (GCF) bis 2023 auf 130 Millionen Euro.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mahnte in ihrer Rede weltweiten Klimaschutz an. Sie sei froh über die Einigung der 27 EU-Staaten vom Vortag, „Klimaschutz auf ein neues Ehrgeiz-Level zu heben“, sagte von der Leyen am Samstag. Dies sei ein Startschuss dafür, Klimaschutz in Wirtschaft und Gesellschaft voranzubringen.

„Es ist uns ernst damit, unsere Wirtschaft auf einen nachhaltigeren Weg zu bringen“, sagte von der Leyen. Aber Europa sei für weniger als zehn Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich. Klimawandel sei eine Aufgabe nicht nur für Europa, sondern die Menschheit. „Es muss sich viel ändern, damit der Planet für die nächste Generation der gleiche bleiben kann“, sagte sie. Es gehe auch darum, die biologische Vielfalt zu bewahren und eine neue Kreislaufwirtschaft zu schaffen, die Arbeitsplätze und Wohlstand bringe und gleichzeitig die Natur schütze.

Indes kündigte Chinas Präsident Xi Jinping beim Klimagipfel weitere Anstrengungen seines Landes beim Klimaschutz an. Bis 2030 werde China seine CO2-Emissionen pro Bruttoinlandsprodukt-Einheit um mehr als 65 Prozent im Vergleich zu 2005 mindern, kündigte er am Samstag an. Der Anteil nicht-fossiler Energien am gesamten Energieverbrauch solle auf etwa 25 Prozent ansteigen. Zudem soll aufgeforstet und die Wind- und Solarkraft weiter ausgebaut werden, gab Xi Jinping bekannt. China ist das Land mit dem weltweit größten Treibhausgas-Ausstoß.


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