„Wien einst und jetzt“ - Bildband über eine Stadt im Wandel

„Wien einst und jetzt“ - Der Autor Dimitrios Dolaplis lädt in seinem neuen Bildband zu einer liebevoll adaptierten historischen Entdeckungsreise mit 50 Bilderpaaren ein. Anhand von Fotos aus 120 Jahren werden Sehenswürdigkeiten wie die Staatsoper, die Albertina oder Schloss Schönbrunn, aber auch Orte aus dem Alltagsleben Wiens in verschiedenen Epochen gezeigt. Einem historischen Bild steht jeweils ein aktuelles gegenüber und bietet so die Chance für interessante Vergleiche.

In der Gegenüberstellung der Aufnahmen aus derselben Perspektive liegt teilweise eine Zeitdifferenz von über 100 Jahren. Nicht unerwartet zeigt sich, dass sich historische Sehenswürdigkeiten und ihre Umgebungen - sofern sie nicht beispielsweise im Zweiten Weltkrieg völlig oder weitgehend zerstört wurden - weniger verändert haben, als andere Teile der Bundeshauptstadt, deren Häuser zwar auch reizvoll, aber nicht so bedeutsam waren.

Daher schmerzt vor allem die Erkenntnis, wie viele alte und für das Gesicht Wien prägende Bausubstanz auch in den Vorstadtbezirken über die Jahre ohne große Notwendigkeit zerstört und teils durch gesichtslose Kreationen ersetzt wurden. Wobei dies nicht unbedingt nur für die jüngere Geschichte gilt. So zeigt ein sehr frühes Bild den Elterleinplatzes in Wien-Hernals noch vor der Einwölbung des Alsbaches samt Mühle mit einem gemütlich-kleinstädtischen Touch, dem bereits in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts durch den Bau eines mächtigen Amtshauses der Garaus gemacht wurde.

Das Buch führt eben den Gang der Zeit vor Augen, die auch von Krieg und Zerstörung oder einfach erbärmlichen Arbeits- und Lebensbedingungen geprägt war. So gesehen gibt es für das Verschwinden frühere Bauten mitunter schon auch gute Argumente. Das Buch kann aber auch als Weckruf verstanden werden, den Charme einer Weltstadt nicht aus reiner Profitgier und Gewinnstreben auf Spiel zu setzen. Mitunter ließ (und ließe) sich Altes und Neues auch symbiotisch verquicken, wie das eine oder andere Foto beweist.

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(S E R V I C E - Dimitrios Dolaplis: Wien einst und jetzt. Sutton Verlag, Erfurt 2020. 122 Seiten; 22,99 Euro. ISBN 978-3-96303-248-6)


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