"Ich liebe dich": Ein Liebesmanifest auf Schwyzerdütsch

Die Krise brachte sie zusammen: Dino Brandão, Faber und Sophie Hunger veröffentlichen mit „Ich liebe dich“ erstmals gemeinsame Musik.

Kann Mundart die großen Gefühle? Die Schweizer Musiker Faber (Julian Pollina), Dino Brandão und Sophie Hunger (v. l.) finden das auf ihrem neuen und ersten Album „Ich liebe dich“ gerade heraus.
© Nadia Tarra

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – In Zeiten größter sozialer Distanz kamen sie sich so nahe wie noch nie. Dino Brandão, Faber und Sophie Hunger, drei Schweizer Musiker, die normalerweise im ganzen deutschen Sprachraum touren, strandeten im Frühjahr in Zürich. Konzerte wurden verschoben, Albumreleases gecancelt, die Stimmung war schlecht. Erst als ein Zürcher Radiosender die drei zu einer gemeinsamen Jam-Session in einer verwaisten Bar lud, wurde aus der Krise eine Chance. Am Wochenende veröffentlichte das Trio mit „Ich liebe dich“ sein erstes gemeinsames Album.

Gekannt hatten sich die drei Künstler schon länger: Brandão spielte in den Bands der beiden anderen, Faber trat schon im Vorprogramm der Wahlberlinerin Sophie auf. Bekannt geworden waren alle solo, Sophie Hunger mit ihrem eigenwilligen Avantgarde-Pop, Faber (Julian Pollina) als provokanter Cantautore. Und Brandão entdeckt man gerade als talentierten Multi-Instrumentalisten wieder.

Dass die drei über ihre Solokarrieren hinaus eine besondere Freundschaft verbindet, hört man jetzt ganz klar: Dem Trio kommt das L-Wort ganz leicht über die Lippen. Jedem von ihnen ist sogar ein Track mit einem offen und ehrlichen „Ich liebe dich“ im Titel gewidmet, das einmal verzweifelt eingefordert (Faber), nüchtern ausgesprochen (Hunger) und rührend ehrlich (Brandão) erklingt. Auch wenn es der ausdrückliche Wunsch des Trios ist, der Kälte und Distanz der Zeit „Wärme und Geborgenheit entgegenzusetzen“, allzu gefühlsduselig ist die Musik der Schweizer deshalb aber noch lange nicht. Die 12 Songs (plus Ouvertüre) sind auch Untersuchungen des Liebeslieds. Des Liebeslieds in Mundart wohlgemerkt. Kann Schwyzerdütsch als Liebesmanifest für die großen Gefühle dienen, ohne pathetisch zu klingen?

Der Stil kann es: Das Album kommt mit minimaler Instrumentierung aus, alles – bis auf einige vereinzelte Streichersätze – selbst im südfranzösischen Sommer eingespielt. Einflüsse von Jazz, Folk und Latin ergeben einen stimmigen Mix, der die Stimmen der Musiker jedoch immer im Mittelpunkt belässt.

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Und damit auch die Geschichte, bei der Nichtschweizer schon mal genau hinhören müssen. Oft geht es um die Liebe zu jemandem, mal um die Liebe zu einer Stadt, mal um jene zum Rausch. In „E Nacht a de Langstrass“ etwa besingt Faber den schmerzlich vermissten Exzess, in „Mega Happy“ hingegen schön schwarzhumorig exzessive Selbstoptimierung, die auf Dauer gar nicht „Mega Happy“ macht.

In „Derf i di hebe“ kulminiert die Mission des Projekts, drei Stimmen werden endgültig zu einer. „Ich liebe dich“ ist ehrlich gemeint und überzeugt, weil es hier weder für absolute Perfektion steht noch bedingungslos klingt. Die Musik der drei Schweizer gilt im Jetzt, ist frei von der Leber weg komponiert und mitten ins Herz abgezielt.

Folk/Pop Brand ã o, Faber, Hunger: Ich liebe dich. Two Gentlemen.


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