Kunstmarkt setzt in der Coronakrise auf Online-Auktionen

Die Coronapandemie hat auch den Kunstauktionsmarkt weltweit durcheinandergewirbelt. Die großen New Yorker Auktionshäuser mussten ihre normalerweise rekordträchtigen Präsenzauktionen im Mai und November immer weiter nach hinten schieben und schließlich weitgehend ins Internet verlegen.

Auktionsrekorde in dreistelliger Millionenhöhe wie etwa noch 2019, als ein Monet-Gemälde für 110 Millionen Dollar den Besitzer wechselte, blieben im Coronajahr 2020 aus. Den höchsten Erlös erbrachte 2020 ein Triptychon von Francis Bacon bei Sotheby‘s mit rund 85 Millionen Dollar - immerhin deutlich mehr als zuvor erwartet.

Das Gesamtvolumen der gehandelten Werke sei 2020 stark gesunken, sagt Johannes Vogt, Leiter der Abteilung Zeitgenössische Kunst beim Kunstmarkt-Internetdienstleister Artnet. „Aber der Markt ist da, und er ist unglaublich resistent gewesen in der Krise.“ Das sei der große Unterschied zur Finanzkrise 2008, als auch der Kunstmarkt in den Keller ging.

„Das Interesse und die Kaufkraft ist da, es ist nur insgesamt global das Volumen heruntergegangen“, sagt Vogt. Zwischen April und Herbst hätten die Verkäufer ihre hochpreisigen Werke wegen der übergreifenden Unsicherheit zurückgehalten. Ein großer Teil des Geschäfts der großen Auktionshäuser werde inzwischen aber ohnehin über private Verkäufe erledigt. Sogenannte „Private Sales“ seien extrem angestiegen. „Der Trend besteht aber schon seit Jahren und hat nichts mit Corona zu tun.“

Corona war vor allem ein Katalysator für Online-Auktionen. Erstmals seien auch Werke im Millionenbereich nur online angeboten worden, sagt Vogt. Sotheby‘s etwa verkaufte auf einer „Online-Only“-Auktion ein Werk des russischen Romantik-Malers Iwan Aiwasowski für den Rekordpreis von 2,8 Millionen Dollar. Auch Artnet habe bei ein „absolutes Rekordjahr erlebt“, sagt Vogt. Das Haus ist nach eigenen Angaben das bisher einzige „Online-Only“-Auktionshaus, das nur im Internet versteigert. „Unser Geschäft ist seit April durch die Decke gegangen.“

Die Pandemie habe im Auktionsmarkt und in der Kunstbranche „einen enormen Wandel ausgelöst“, sagt Bastienne Leuthe, Senior Director für zeitgenössische Kunst bei Sotheby‘s Deutschland. „Für Sotheby“s bedeutete das eine Beschleunigung der Digitalisierung in einem noch nicht da gewesenen Ausmaß.“ Mit 362 Online-Auktionen in allen Kategorien habe Sotheby‘s 522 Millionen Dollar erzielt. Wöchentlich werden jetzt bei Sotheby‘s auch Juwelen oder Armbanduhren online versteigert. Ein Paar Sneaker Nike Air Jordans wurden für 560.000 Dollar verkauft.

Ob Designer-Handtaschen, Edelsteine, teure Weine oder Sneakers - auch Christie‘s ist auf diesem Gebiet schon länger aktiv und versteigerte in diesem Jahr beispielsweise ebenfalls ein Paar von Basketballstar Michael Jordan getragene Sportschuhe für den Rekordpreis von 615.000 Dollar. Sotheby‘s bot beispielsweise eine Plastik-Krone des Rappers Notorious B.I.G. (1972-1997) an, die fast 600.000 Dollar einbrachte. „40 Prozent der Kunden in unseren Online-Verkäufen sind Neukunden, und mehr als ein Viertel der Onlinekäufer ist unter 40 Jahren“, sagt Leuthe.


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