Frankreich lockert Corona-Maßnahmen

In Frankreich sind die strengen Ausgangsbeschränkungen ein weiteres Stück gelockert worden. Seit Dienstag können sich die Menschen im Land tagsüber wieder ohne Formulare und Einschränkungen bewegen. Neu ist allerdings eine Art abendlicher Ausgangssperre. In Deutschland ist die Corona-Lage nach Einschätzung des staatlichen Robert Koch-Instituts (RKI) so ernst wie nie zuvor in der Pandemie. Die Fallzahlen seien so hoch wie noch nie, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler.

In Frankreich dürfen die Menschen zwischen 20.00 Uhr und 6.00 Uhr nur mit triftigem Grund auf die Straße - dazu zählen der Arbeitsweg, Kinderbetreuung oder medizinische Notfälle. Es ist außerdem erlaubt, Haustiere auszuführen. Anders als vorher ist es aber in diesem Zeitraum nun nicht mehr möglich, Sport zu treiben oder zu spazieren.

Für viele Menschen im Land fühlt sich die neue Regelung daher teilweise gar nicht wie eine wirklich große Lockerung an. Die zuvor geltenden Ausgangsbeschränkungen waren in Paris zum Beispiel kaum noch kontrolliert worden. Auch sind die Lockerungen nun weniger weitgehend als zunächst angekündigt. Eigentlich sollten auch Kinos, Theater oder Museen wieder öffnen. Da die Zahl der Neuinfektionen aber nicht so stark gesunken ist wie erhofft, ist dies nun erstmal verschoben worden. Eventuell können sie ab dem 7. Jänner öffnen.

Die Regierung hat ein neues Formular für die abendlichen Einschränkungen online gestellt. Einzig am Heiligen Abend sollen diese nicht gelten. Die Öffnung der Restaurants hatte Präsident Emmanuel Macron für den 20. Jänner in Aussicht gestellt. Premier Jean Castex betonte am Dienstag jedoch, dass dies nicht sicher sei. „Es wird davon abhängen, wie wir die Festtage überstehen“, sagte er dem Sender Europe 1. Während der Weihnachtsferien könne das Virus wiederaufflammen.

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Macron hatte Frankreich Ende Oktober in einen strengen Lockdown geschickt, erst Ende November durfte der Einzelhandel wieder öffnen. Das Land war von der Corona-Pandemie hart getroffen - konnte aber mit den strengen Regelungen recht schnell Erfolge verbuchen. Seit einigen Wochen stagnieren die Zahlen aber - das Ziel von im Schnitt 5.000 Neuinfektionen pro Tag konnte nicht erreicht werden.

Mit zwischen 12.000 und 29.000 gemeldeten Neuinfektionen pro Tag lägen die Fallzahlen im Dezember in Deutschland deutlich höher als im November, führte RKI-Präsident Wieler aus. Aktuell seien 325.000 Menschen in Deutschland mit SARS-CoV-2 infiziert, in den Sommermonaten seien es wenige Tausend gewesen. Immer stärker betroffen sei die Gruppe der 80-Jährigen, mit besonders hohem Risiko für schwere und tödliche Krankheitsverläufe.

Am Mittwoch tritt ein weitgehender Lockdown in Deutschland in Kraft, der zunächst bis 10. Jänner gelten soll. Spahn rechnet jedoch nicht mit schnellen Effekten für die Eindämmung der Pandemie. „Auch eine Vollbremsung wird eine lange Bremsspur haben“, sagte er.

Die deutschen Gesundheitsämter haben dem RKI 14.432 neue Fälle und 500 Todesfälle binnen eines Tages übermittelt, wie das RKI am Dienstag bekannt gab. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 22.475.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn verteidigte seinerseits die Entscheidung, keine Notfallzulassung für den von der deutschen Firma Biontech und ihrem US-Partner Pfizer entwickelten Impfstoff anzustreben, sondern ein reguläres Verfahren der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Dies sei wichtig für das Vertrauen in Impfstoffe, sagte Spahn am Dienstag.

In den USA und in Großbritannien haben die zuständigen Zulassungsbehörden den Impfstoff von Biontech und Pfizer bereits per Notfallzulassung genehmigt. In beiden Ländern wird mittlerweile geimpft. Ziel sei es, eine europäische Impfstoff-Zulassung noch vor Weihnachten zu erreichen und dann in Deutschland noch vor dem Jahreswechsel mit dem Impfen beginnen zu können, sagte Spahn weiter.

Die in Amsterdam ansässige EMA bestätigte ein früheres Zulassungsdatum am Dienstag allerdings nicht. Sie prüft die Daten des Impfstoffes für die EU-Mitgliedsstaaten und will bis spätestens 29. Dezember entscheiden.

Britische Behörden informierten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterdessen über eine in Großbritannien gefundene neue Variante des Coronavirus SARS-CoV-2. Studien dazu liefen, wie eine Sprecherin der WHO am Dienstag in Genf sagte. „Bisher wissen wir sehr wenig über diese Variante“, sagte der Physiker Richard Neher, der am Biozentrum der Universität Basel die Evolution von Viren und Bakterien erforscht. Unklar sei etwa, ob eine der Mutationen mit einer reduzierten Erkennung durch das Immunsystem einhergehe. Die britischen Behörden erforschten dies zur Zeit, so die WHO.

Weil die neue Virusvariante in kurzer Zeit bei mehr als 1.000 Menschen im Südosten Englands nachgewiesen wurde, prüfen die britischen Behörden auch, ob sie ansteckender ist als die bekannten Varianten. „Ob sich die Variante tatsächlich schneller ausbreitet, kann man zu diesem Zeitpunkt nicht sagen“, meinte Neher. „Das plötzliche Auftreten könnte auch durch Superspreader-Anlässe zu erklären sein.“

Nach Angaben der WHO haben die schon bekannten Varianten des Virus im Hinblick auf Ansteckungswege oder Schwere der Krankheit Covid-19, die es auslösen kann, sich kaum oder gar nicht anders verhalten als das zuerst identifizierte Virus. Es gebe aus Großbritannien bisher auch keine Hinweise, dass dies bei der neuen Variante anders sei.


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