Minus bei Seilbahn-Käufen, Wasserstoff im Anrollen

Corona kostet die Gruppe HTI um den Seilbahnhersteller Leitner 30 Prozent Umsatz. Präsentiert wurde das erste wasserstoffbetriebene Pistenfahrzeug.

Leitner-Chef Anton Seeber präsentierte das weltweit erste wasserstoffbetriebene Pistenfahrzeug.
© pinoth

Sterzing, Telfs – Mitten in der zweiten Welle der Corona-­Krise sorgte gestern die Unternehmensgruppe HTI (High Technology Industries) mit Leitner Ropeways, Poma, Prinoth, Demaclenko und Leitwind für eine Weltpremiere: Prinoth präsentierte das weltweit erste wasserstoffbetriebene Pistenfahrzeug. „Wir sind schon stolz darauf, dass mit dem neuen Konzeptmodell ein Fahrzeug nach einem intensiven Jahr an Entwicklungsarbeit in die Testphase geht“, sagt HTI-Chef Anton Seeber gegenüber der TT.

Man habe die Wasserstoff-Brennstoffzelle zur Versorgung der Batterie mit einem Elektromotor verbunden. Mit Wasserstoff und Elektro habe man „das Beste aus zwei zukunftsträchtigen Welten“ verknüpft. Mit 544 PS habe der Leitwolf sogar noch mehr Motorleistung als sein klassischer Diesel-Vorgänger. Zudem wurde mit dem Husk­y E-Motion auch ein neues Pistengerät mit Elektromotor vorgestellt. Dass man solche Innovationen ausgerechnet in der momentanen Krise schafft, sei kein Widerspruch, betont Seeber. „Krise kann keine Auszeit für die Auseinandersetzung mit den großen Fragen unserer Zeit bedeuten. Klimawandel und Nachhaltigkeit werden uns als Herausforderungen bleiben.“

Viele Skigebiete würden immer nachhaltiger, das gehe oft leider in den öffentlichen Tourismus-Diskussionen völlig unter, sagt Seeber. Seilbahnbetriebe würden immer noch effizienter und umweltschonender durch innovative Elektroantriebe. Die Pistenfahrzeuge seien die einzig verbliebenen Verbraucher von fossiler Energie gewesen, die neue Wasserstoff-Lösung sei ein wichtiges Puzzle-Stück für die Zukunft. „Wir müssen uns bewusst sein, dass die Menschen in den Alpen auch in Zukunft mit dem Tourismus und dem Skifahren Einkommen erwirtschaften und die Täler am Leben erhalten.“

Ist die massive Corona-Krise nicht zugleich auch der Abgesang auf immer mehr Seilbahnprojekte? Seeber verneint dies entschieden. „Seilbahnen sind und bleiben massiv ressourcenschonend­e Beförderungsmittel. Ein einziger Elektromotor treibt Hunderte 10-Personen-Kabinen an. Nicht nur in den Alpen, sondern überall. Sie sind rasch zu errichten, sie sind extrem sicher und im Verhältnis zu anderen Lösungen sehr kostensparend.“

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Nachdem die HTI-­Gruppe im Vorjahr mit 1,05 Mrd. Eur­o zum zweiten Mal in Folge die Milliarden-Grenze überschreiten konnte, schlug heuer die Krise voll durch. Investitionen vieler Seilbahn-Betreiber seien verschoben und weniger neue Projekte gestartet worden, so Seeber. Glücklicherweise sei man auf etlichen Standbeinen aufgestellt, etwa mit urbanen Transportsystemen oder Windkraft.

Bereits im Frühjahr sei man von einem Umsatzminus von 30 Prozent ausgegangen, das werde auch so eintreffen, sagt Seeber. Die Gruppe hatte vor der Krise insgesamt 3800 Mitarbeiter, einen Personalabbau habe man „auf Biegen und Brechen verhindert“. Es gebe jetzt einen Produktionsstopp bis 11. Jänner, der Betriebs­urlaub werde mit Urlaubsabbau ergänzt, auch Kurzarbeit wurde teilweise angewandt.

Sehr positiv ist laut Seeber die Entwicklung am Standort Telfs mit seinen über 250 Beschäftigten. Hier habe man „das Headquarter für zentral­e Produkte unseres Portfolios und das Kompetenzzentrum für elektrische Antriebstechnologie“. Seeber zeigt sich überzeugt, dass „wir alle im Jahr 2021 die Pandemie hinter uns lassen und dann wieder zur Normalität zurückkehren können“. (va)


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