Osttiroler Feuerwehrmann entwickelt Hochwasserschutz

Wolfgang Oberkofler aus Dölsach hat auf Grund der Corona-Krise seinen Arbeitsplatz verloren. Die Zeit daheim nutzte er für die Entwicklung eines neuartigen Hochwasserschutzes, der inzwischen patentiert ist.

Wolfgang Oberkofler hat in wenigen Monaten seinen neuartigen Hochwasserschutz entwickelt und bereits patentieren lassen.
© Oberkofler

Von Christoph Blassnig

Dölsach – Man muss ehrlich sein und fleißig, dann schafft man etwas. Davon ist Wolfgang Oberkofler aus Dölsach überzeugt. Der 48-Jährige war zuletzt als Kranführer beschäftigt und wurde im Herbst aufgrund der Corona-Krise unerwartet gekündigt. „Ich war damit nicht allein, es hat auch einige meiner Kollegen getroffen.“

Seit 35 Jahren engagiert sich der gebürtige Lienzer bei der Freiwilligen Feuerwehr. In den letzten Jahren gab es auch in Osttirol immer wieder Starkregen und in der Folge Überschwemmungen. „Da muss es etwas anderes geben als diese schweren Sandsäcke.“ Oberkofler machte sich Gedanken. „Das muss leicht und einfach sein, schnell herzunehmen und ebenso schnell wieder zu verstauen.“ Die plötzliche Arbeitslosigkeit bot dem findigen Feuerwehrmann in den letzten Monaten die nötige Zeit, einen neuartigen Hochwasserschutz zu entwickeln. Das Besondere daran: Säcke aus einer schweren Plane, wie sie etwa für Lkw Verwendung findet, werden bei Bedarf mit Wasser gefüllt und verschlossen. Dann kann man sie nebeneinanderlegen und stapeln, bis zu einer Höhe von etwa einem Meter. Seine Entwicklung hat Oberkofler inzwischen erfolgreich patentieren lassen.

„Wobei der Sack an sich nicht interessant für das Patent ist, sondern eine zusätzliche Folie, die damit verschweißt wird“, erklärt der Erfinder. „Ohrwaschl“ nennt Oberkofler diesen Zusatz, der erst die Funktion ermöglicht und verhindert, dass antreffendes Hochwasser die Säcke wegtragen könnte. Und zwar durch das Gewicht eben jenes Wassers, das über einen Garten- oder Feuerwehrschlauch in den Hochwasserschutzsack geleitet wird. Über Metall­ösen lässt sich ein Schutzwall aus vielen Säcken zusätzlich auch mittels Heringen auf abschüssigem Gelände verankern.

Der Dölsacher befindet sich mitten in der Gründung seines Unternehmens, wie er berichtet. Die Produktion müsse erst anlaufen. „Ich rechne mit einem Zeitaufwand von 15 Minuten für die Fertigung eines Sackes in der Größe von 400 mal 800 Millimetern.“ Die Kosten könnten pro Stück bei etwa 20 Euro liegen. Es wird auch größere Versionen für Feuerwehren geben. In der nächsten Zeit will Oberkofler jedenfalls jede freie Minute für die Fertigung verwenden. „Ich mache alles selbst, solange es irgendwie geht. Ich habe eine Familie und Freunde, die hinter mir stehen und mithelfen.“ Gefertigt und versandfertig gemacht werden die Produkte einstweilen in einer Garage.

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Obwohl das Unternehmen noch ganz am Anfang steht, sind bereits Anfragen aus österreichischen Bundesländern und aus Deutschland eingetroffen. Ab Jänner sollen Produkttests die professionelle Verwendung bei Feuerwehren ermöglichen.

„Mein Traum wäre schon, dass wir damit auch weltweit erfolgreich sein könnten“, verrät der Erfinder. Die Vorteile des Systems würden auf der Hand liegen. Aus dem Ein-Mann-Produktionsbetrieb könnten dann weitere Arbeitsplätze entstehen.


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