Frankreichs Präsident Macron ist Corona-positiv

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist positiv auf Corona getestet worden. Der 42-Jährige werde sich eine Woche isolieren, teilte sein Büro mit. Eine ganze Reihe von Spitzenpolitikern in Frankreich und der EU begaben sich daraufhin als Kontaktpersonen in Quarantäne - darunter der spanische Regierungschef Pedro Sánchez und EU-Ratspräsident Charles Michel. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Bundespräsident Alexander Van der Bellen sandten ihre Genesungswünsche.

Macron wurde nach Angaben seines Büros nach dem „Auftreten erster Symptome“ getestet, das Ergebnis des PCR-Tests lag am Donnerstag vor. „Er wird weiter arbeiten und seine Tätigkeiten aus der Distanz sicherstellen“, betonte der Elysée-Palast.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen wünschte Macron im Kurzbotschaftendienst Twitter eine „rasche Genesung“. „Wir werden diese Pandemie gemeinsam besiegen“, schrieb sie. Die 62-Jährige hatte am Sonntagabend mit Macron in Brüssel zu Abend gegessen.

Ihr Sprecher teilte aber mit, dass sie nach Austausch mit den französischen Behörden darauf verzichten werde, sich in Selbstisolation zu begeben. Demnach wurde von der Leyen zuletzt am Montag negativ auf das neuartige Coronavirus getestet. Nach EU-Angaben gehen die französischen Behörden davon aus, dass Macron erst ab Montagabend oder Dienstag ansteckend war.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) haben dem an Corona erkrankten französischen Staatspräsidenten ebenfalls eine rasche Genesung gewünscht. „Lieber @EmmanuelMacron, ich wünsche eine vollständige und schnelle Genesung! Gute Besserung“, schrieb Kurz am Donnerstag auf Englisch auf Twitter. In einem persönlich gezeichneten Tweet Van der Bellens hieß es auf Französisch und Deutsch: „Meine besten Wünsche an Präsident #Macron. Gute Besserung und eine rasche und vollständige Genesung!“

Wegen der Vielzahl von Macrons Kontakten ist unklar, wo sich der Staatschef angesteckt haben könnte. Ende vergangener Woche nahm er am EU-Gipfel in Brüssel teil, wo er unter anderem Bundeskanzler Kurz begegnete. Am Montag empfing er dann EU-Ratspräsident Michel im Elysée-Palast und traf Spaniens Ministerpräsident Sánchez bei einem Festakt zum 60. Bestehen der internationalen Wirtschaftsorganisation OECD in Paris.

Am gestrigen Mittwoch leitete Macron zudem in Paris die Kabinettssitzung mit Premier Jean Castex und empfing den portugiesischen Regierungschef Antonio Costa, der ab Jänner von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel den rotierenden EU-Ratsvorsitz übernimmt. Auch Costa ist nach Angaben seines Büros nun in Quarantäne. Castex wurde nach Angaben aus Frankreich negativ auf das Virus getestet.

Der britische Premierminister Boris Johnson wünschte seinem „Freund“ Macron auf Twitter eine „schnelle Genesung“. Johnson war im Frühjahr selbst schwer an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt und verbrachte drei Tage auf der Intensivstation. Zu weiteren bekannten infizierten Politikern gehörten der scheidende US-Präsident Donald Trump sowie der brasilianische Staatschef Jair Bolsonaro.

Frankreichs Premierminister Castex kündigte an, als Kontaktperson vorsorglich in Quarantäne zu gehen. Der 55-Jährige wird deshalb nicht wie vorgesehen den Corona-Impfplan im Senat vorstellen. Er hatte sich zuvor zuversichtlich gezeigt, mit der Impfkampagne in Frankreich Ende Dezember beginnen zu können.

Anders als der erst 42-jährige Präsident Macron gehört seine 67-jährige Frau Brigitte zur Risikogruppe. Die pensionierte Lehrerin will ebenfalls in Quarantäne gehen, wie der Fernsehsender BFM-TV berichtete. Der Präsident der französischen Nationalversammlung, Richard Ferrand, kündigte den gleichen Schritt an.

In Frankreich war die Zahl der Neuinfektionen zuletzt wieder gestiegen. Am Mittwochabend registrierte die nationale Gesundheitsbehörde 17.615 positiv Getestete innerhalb von 24 Stunden. Virologen warnen wegen der bevorstehenden Feiertage bereits vor einer möglichen dritten Welle.

Durch den strikten Lockdown seit Ende Oktober waren die Neuinfektionen in Frankreich zunächst deutlich gesunken, nachdem sie zwischenzeitlich einen Höchststand von rund 60.000 erreicht hatten. Auch der Druck auf die Krankenhäuser ließ deutlich nach. Derzeit werden noch gut 2.800 Corona-Patienten auf Frankreichs Intensivstationen behandelt.

Ende November lockerte die Regierung wegen der positiven Anzeichen die Corona-Auflagen: Seitdem sind alle Geschäfte wieder offen, seit Dienstag dürfen sich die Franzosen zudem wieder ohne zeitliche und räumliche Beschränkung bewegen.