Von der Oper zum Liedgesang: „Liebst du um Schönheit ...“

In stillen Zeiten blüht die intime Kunst des Liedgesangs. Elina Garancas erste Lied-CD und ein Kranz neuer CDs.

Mit dem exzellenten Pianisten Malcolm Martineau tastet sich die Mezzosopranistin Elina Garanca an das Liedfach heran.
© imago images/ZUMA Press

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Seit zwei Jahrzehnten ist die Oper die musikalische Heimat von Elina Garanca. Spät kam der Einstieg ins Liedfach, zunächst in Konzerten erprobt, jetzt mit ihrer ersten Einspielung, immer mit dem pianistisch wunderbaren Sicherheitsfaktor Malcolm Martineau. Mit ihm wächst sie klanglich und im Puls der Lieder zusammen.

Frauenliebe und Leben

Garancas künstlerische Ernsthaftigkeit hat es ihr nicht leicht gemacht. Der deutschen Sprache und Literatur gilt ihr Respekt, auch Schubert. Sie suchte nach den für sie richtigen Komponisten: Robert Schumann und Johannes Brahms. Ihre CD „Lieder“ vereint den Zyklus „Frauenliebe und Leben“ mit 13 Gesängen von Brahms, auch aus dessen Jugend.

Die Schönheit ihrer Stimme, die technische Souveränität, der typische edle Grundton, das alles geht in den Liedern vom Tiefensamt bis zur makellosen Höhe in einer reichen Farbpalette sehr differenziert auf. Garanca­s musikalischer Gestaltung ist die sprachliche allerdings unterlegen. Und letztlich fehlen auch Unmittelbarkeit und emotionales Risiko (Deutsche Grammophon).

Auch Christiane Karg hat ein neues Liederalbum, nach Strauss diesmal Gustav Mahler gewidmet, auch sie versicherte sich des Klaviermagiers Malcolm Martineau. Ausgewählte Gesänge aus „Des Knaben Wunderhorn“ und aus der Jugendzeit erfahren ihren taufrischen Sopran mit Silberglanz, die Rückert-Lieder fragile Lyrismen. „Liebst du um Schönheit …“ ist ein perfektes Beispiel für die Klangverführung. Mahlers Zerrissenheit, Ironie, Melancholie bleiben verborgen.

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Und dann musiziert Karg mit Mahler persönlich. Mit heutiger Technik wurde ihr Gesang mit den Welte-Mignon-Aufnahmen von 1905 kombiniert, auf denen Mahlers Klavierbegleitung zu „Ich ging mit Lust“ sowie „Das himmlische Leben“ aus der 4. Symphonie festgehalten ist (BR Klassik).

Klassik-Talente und das Kunstlied

Unter den jungen Männern der aufstrebenden Klassik-Talente haben erstaunlich viele eine intensive Beziehung zum Kunstlied. Darunter der Leipziger Tenor Patrick Grahl, 32, der sein Debüt Schumanns „Dichter­liebe“, Beethovens „An die ferne Geliebte“ und ausgewählten Liedern von Felix Mendelssohn widmet (avi). Ein unprätentiöser, überzeugender Interpret mit guter Technik, natürlichem Ausdruck und Daniel Heide als fester Größe am Klavier. In der „Dichterliebe“ ist allerdings noch Raum für Entwicklung.

Auch der 30-jährige deutsche Bariton Samuel Hasselhorn zeigt auf seinem neuen Album „Still­e Liebe“ (hm) mit Schumanns „Kernerlieder“ im Zentrum, dass er neben seiner Opernkarriere die Liebe zum Lied nicht verloren hat. Ebenso wie Rafae­l Fingerlos, 34, der vor einem Jahr im Innsbrucker Symphoniekonzert mit Mozart und Mahler begeisterte und nun mit seinem Klavierpartner Sascha El Mouissi die Liedsammlung „Fremde Heimat“ vorlegt (Oehms).

Als nächster Liederabend wird im Haus der Musik Innsbruck für 11. Februar 2021 „Ein Südtiroler Liederabend mit Gedanken zur Kunst des Weinmachens“ angekündigt mit André Schuen, der neuerdings vom Label Deutsche Grammophon präsentiert wird, Daniel Heide und Winzer und Mäzen Alois Lageder. Schuen und Heid­e erarbeiteten für ihre letzte CD die nachdenklichen Petrarca-Sonetten von Franz Liszt (avi).


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