Palfrader zu Flüchtlingsaufnahme: „Humanitär verpflichtet, zu helfen“

ÖVP-Landesrätin Beate Palfrader und etliche ÖVP-Bürgermeister drängen auf hiesige Herberge für Flüchtlingskinder.

Palfrader: „Wie kann man Lieder von Nächs­tenliebe singen, wenn man weiß, was in den Lagern abgeht?“
© Land Tirol/Berger

Von Karin Leitner

Wien – Der Status quo ist bekannt. Die Grünen sind dafür, ob der Zustände in griechischen Flüchtlingslagern Menschen von dort in Österreich aufzunehmen, der Koalitionspartner, die ÖVP, ist dagegen. Die Tiroler ÖVP-Landesrätin Beate Palfrader ist nicht eines Sinnes mit ihre Bundespartei. „Wir sind humanitär verpflichtet, zu helfen“, sagt sie im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. „Unsere christlich-soziale Verpflichtung ist, sofort zu helfen.“

Wie bewertet sie die „Hilfe vor Ort“, von der die ÖVP-Regierenden reden? „Die reicht doch nicht. Wenn die so ausschaut, dass Kinder im Dreck liegen und erfrieren, dann ist das keine. Diese Bilder sagen mehr als Worte“, antwortet Palfrader. „Einlenken“ sollten Kanzler Sebastian Kurz & Co.: „100 Familien in Österreich aufzunehmen, wie der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler sagt, ist doch kein Problem. Es wäre ein erster Schritt, ein Signal.“ Für die Landesrätin gilt es, „die parteipolitische Agenda jetzt außen vor zu lassen. Es geht um kein politisches Farbenspiel, sondern um das eigene Gewissen. Wie kann man am 24. Dezember Lieder von Nächstenliebe und Solidarität singen, wenn man weiß, was in den Lagern abgeht? Dass dort Kinder verhungern?“ Alle Kinder hätten „verdient, ein Dach über dem Kopf zu haben, nicht nur ein Zeltdach. Sie verdienen Nahrung und trockene Kleidung.“ Das sei „nicht mit geografischen Grenzen oder Staatszugehörigkeit abzutun“.

Etliche Tiroler ÖVP-Bürgermeister sehen die Sache wie Palfrader: Ernst Schöpf, Ortschef von Sölden und Gemeindeverbandspräsident, Klaus Winkler von Kitzbühel, die Lienzer Bezirkshauptfrau Olga Reisner, Stefan Jöchl aus Reith bei Kitzbühel, Dietmar Wallner aus Jenbach, Dominik Hiltpolt aus Seefeld, Josef Raich aus dem Kaunertal, der Heimat von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Heiner Ginther aus Elmen und Vinzenz Knapp aus Höfen. Klaus Winkler sagt zur TT: „Ich habe einen humanitären Zugang. Uns allen würde gut anstehen, den auch zu zeigen – und das Herz zu öffnen, Hilfe zu leisten. Das gehört zu unseren Werten.“ Werde das „nicht zu den Akten gelegt und nachhaltig thematisiert, wird es hoffentlich zum Erfolg führen“.

Schöpf: „Die Bilder sind selbstredend“

Ernst Schöpf konstatiert: „Ich bin ÖVPler. Das ist in solchen Fällen aber keine Frage. Die Bilder aus den Lagern in Griechenland sind selbstredend. Es geht ja nicht um 100.000 Leute, die nach Österreich kommen sollen. Es gibt auch Quartiere. Es stünde Österreich sehr gut an, zu helfen.“ Zum Nein von ÖVP-Regierungschef Kurz sagt Schöpf der TT: „Ich muss nicht alles verstehen und nachvollziehen können, was die weltlichen Obrigkeiten an Standpunkten vertreten. Das gilt selbst dann, wenn es sich um Parteifreunde handelt.“

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn ruft ebenfalls dazu auf, Menschen aus griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen. „Bürgermeister, Gemeinden, Pfarren haben ihre Bereitschaft erklärt. Ich bitte darum!“ Die Menschen in diesen Lagern hätten „fast immer dramatische Fluchtwege hinter sich“, befindet er via Heute. „Die Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft hält sie aufrecht. Wir können nicht alles Leid der Welt lösen. Aber das Klopfen der Herbergsuchenden sollten wir nicht überhören. Jesus war einer von ihnen.“ Schönborn verweist auf den Besuch des Innsbrucker Bischofs in der Vorwoche auf Lesbos. Dieser habe die Zustände im dortigen Lager Kara Tepe als „erschütternd und katastrophal“ qualifiziert.

Kommenden Dienstag werden sich Vertreter der Zivilgesellschaft, welche von Kunst und Sport vor dem Bundeskanzleramt formieren, um erneut wegen der schlimmen Situation von Kindern in den Lagern zu alarmieren.


Kommentieren


Schlagworte