WestLicht zeigt Fotoarbeiten von Padhi Frieberger

Padhi Frieberger besaß nie eine eigene Kamera und ließ sich auch die Filme meist von anderen zahlen. Dafür sind es erstaunlich viele Fotos des 2016 gestorbenen Künstlers, die das Wiener WestLicht ab Freitagnachmittag in einer Ausstellung zeigt. Zu sehen sind über 100 Fotoarbeiten, die Peter Coeln aus dem Nachlass Friebergers erworben hat, sowie aus dem ebenfalls von Coeln betreuten Proksch-Archiv, ergänzt mit Leihgaben der Galerie Konzett und von Brigitte Groihofer.

„Fotografie ist in den bisherigen Ausstellungen zu Frieberger immer zu kurz gekommen“, sagt Marie Röbl, die Leiterin der Fotosammlung des Museums WestLicht. Man habe sich früher vor allem auf Objekte und Assemblagen konzentriert. Doch auch die Schau „Padhi Frieberger. Frische Luft ist nicht alles. Fotokunst 1950-2000“, die bis 14. Februar zu sehen ist, ist weniger aus fotokünstlerischer denn aus gesamtkünstlerischer und kunsthistorischer Sicht hoch interessant. Der selbstproklamierter Außenseiter der Kunstszene, der den Kunstmarkt immer verachtete, doch seine eigenen Arbeiten sorgfältig gerahmt hinterließ, scheint das gesamte Who is Who der österreichischen Kunstszene der 1950er und 60er-Jahre, von Walter Pichler bis Konrad Bayer, persönlich gekannt zu haben. Und nicht nur diese: Man begegnet auf den Fotos nicht nur Friedensreich Hundertwasser, Andre Heller, Oswald Wiener oder Ernst Fuchs, sondern auch Falco, Udo Proksch und - Bruno Kreisky.

Nicht dabei und doch mittendrin - Leben und Werk Friebergers (1931-2016), der eigentlich den Vornamen Walter hatte, ehe er sich in einer Verballhornung von „Buddy“ zum Padhi machte, sind von Originalität gekennzeichnet und gleichzeitig voller Widersprüche. Im Szenenbild des Films „Der Bockerer“ arrangierte er sich selbst, auf Fotos der „Uni-Ferkelei“ im neuen Institutsgebäude ist er als Trommler im Hintergrund zu sehen. Röbl: „Er war auch ein genialer Schnorrer, ein Lebenskünstler.“

„Wer klug ist wartet, bis Padhi artet“, lautet eines seiner Zitate an einer Ausstellungswand. Mehrere rote Fäden lassen sich erkennen: arrangierte Fotos mit Bekannten und Kollegen aus Lebens- und Kunstzusammenhängen wie seinem Atelier in jener ehemaligen Harzfabrik in Piesting, in der Udo Proksch später seine angebliche Uranaufbereitungsanlage zusammenbastelte, wechseln mit fotografischen Neuinszenierungen seiner Objektkunst. Cowboys, Tauben und Kinder finden sich immer wieder auf den Fotos. „Kinder haben für ihn das Ursprüngliche, das Authentische verkörpert, das ihm so wichtig war“, sagt Röbl. Es finden sich Anfänge einer nachhaltigen Lebenspraxis, für die Hundertwasser als Vorreiter berühmt wurde, und von Objekten, die später zum Markenzeichen Daniel Spoerris wurden.

Die Ausstellung hat aber noch einen zweiten Teil: In vier Vitrinentischen sind Schätze ausgebreitet, die die Wiener Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin Brigitte Groihofer bei sich zu Hause in Schubladen aufgestöbert hat: Fotos, Textilarbeiten, Collagen, Mail-Art. „Ich wusste gar nicht, dass ich noch so viele Arbeiten habe“, sagt Groihofer zur APA. Erst auf Bitte von Röbl habe sie sich auf die Suche nach dem Material begeben. „Das ist jetzt 45 Jahre her. Ich hatte mit dieser Zeit abgeschlossen. Das gehört für mich zu einem anderen Leben.“ Ihre Radikalität der Rückschau erklärt sich aus den Umständen: Groihofer war erst 15, als sie Frieberger erstmals begegnete und rasch ganz unter seinen Einfluss geriet. Ihre Beziehung beschreibt sie als Mischung aus Muse und Genie, Einführung in die Kunstwelt, aber auch Gehirnwäsche und Kindesmissbrauch. „Ich war dem wehrlos ausgeliefert. Es war für mich auch eine Zeit des wortlosen Staunens.“

Auf vielen Fotos ist die junge Frau madonnenhaft ins Zentrum gerückt, die vielen kunstvoll verzierten, liebevoll gestalteten und ihr geschickten Postkarten sieht sie heute noch als Beweis großer Zuwendung. „Das sind schon Preziosen.“ Letztlich habe ihre Zeit an der Seite Friebergers, die an die drei Jahre dauerte, dann wohl auch dazu geführt, dass sie später Kunstgeschichte studiert habe, sagt Groihofer. Künftig selbst über Padhi Frieberger zu arbeiten, das komme für sie jedoch nicht infrage, sagt sie. „Aber es ist gut, das nun nochmals zu reflektieren.“

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