Sturms Lauf führt Grazer widerwillig in die Winterpause

Um den Lauf von Sturm Graz zu stoppen, braucht es eine Winterpause. Mit dem 3:0 gegen St. Pölten feierte der Fußball-Bundesligist den neunten Sieg in den vergangenen zehn Spielen. Nach dem sportlichen Totalausfall im Frühjahr 2020 hat Sturm einen famosen Turnaround hingelegt und sich noch im selben Jahr ins Liga-Establishment zurückgespielt. Nun warnt Trainer Christian Ilzer vor übertriebener Sorglosigkeit.

Vor den Sonntagspielen der Salzburger (gegen WAC) und des LASK (bei der Austria) lag Sturm nur einen Punkt hinter dem Tabellenführer aus Salzburg, punktegleich mit Rapid und einen Punkt vor dem LASK. Nach dem Abschluss der 12. Runde werden die Grazer ein verschobenes Spiel in der Hinterhand haben.

Sturm-Coach Ilzer sagte: „Wenn man die Tabelle liest, dann schaut das im Moment richtig gut aus. Wir haben uns oben richtig festgebissen.“ Nach dem fünften Ligasieg in Folge bilanzierte der Trainer hochzufrieden, betonte aber auch: „Für uns ist wichtig, dass wir uns nicht nur mit Tabelle-Schauen zurücklehnen, kurz den Weihnachtsurlaub genießen, aber dann extremen Fokus auf das legen, was es zu entwickeln gibt. Da gibt es so einiges.“

Wichtige Punkte seien die Steigerung der Intensität über längere Zeiträume, oder „den Spielrhythmus so zu wählen, dass wir Dinge besser kontrollieren, wenn der Gegner Übergewicht kriegt“, sagte Ilzer. Das könnte schon in den nächsten Auswärtsspielen beim WAC (17.) und Rapid (23. Jänner) gefragt sein. „Da wird man gleich sehen, wie weit wir sind, wie gut wir dieses Niveau auf Dauer bringen können, ob wir diesen Lauf über den Weihnachtsurlaub hinaus verlängern können.“

Am Samstag gewannen die Grazer ein Spiel, das zwischenzeitlich „auf Messers Schneide“ stand, wie Ilzer zugab. „Aber wir haben im Moment diesen Lauf, der uns in diesen Phasen unbeschadet davonkommen lässt. Dazu einen Jörg Siebenhandl, der den ganzen Herbst in bestechender Form spielt.“ Die defensive Stabilität um den Goalie beeindruckt: Nur fünf Gegentore in den ersten elf Spielen bedeuten Vereinsrekord. Laut Ligapartner Sky hat diesen Wert in der Bundesliga nur der FC Tirol unterboten, der im Herbst 2001 bis zur 12. Runde überhaupt ohne Gegentreffer blieb.

„Schade, dass die Weihnachtstage kommen, wir haben einen super Lauf. Sagt man normalerweise nicht, weil es eine schöne Zeit ist, aber wir wären gerade in einem guten Flow“, meinte Jakob Jantscher, der als Stürmer richtiggehend aufgeblüht ist. Der Routinier (31) hat in seinem letzten Vertragsjahr mit vier Toren und sieben Vorlagen einiges verbucht und scheint einem Verbleib in der Heimat nicht abgeneigt. „Wir haben Gespräche geführt, die waren auch sehr positiv“, sagte Jantscher, der in dieser Auffassung wenig später von Sportchef Andreas Schicker bestätigt wurde.

Auch an einer Verlängerung mit dem georgischen Teamspieler Otar Kiteishvili, der noch bis 2022 gebunden ist, werde gearbeitet, so Schicker. „Natürlich versuche ich, so einen Spieler wie ihn frühzeitig zu verlängern, das wird aber nicht einfach werden.“ Umgekehrt sei Sturm ein Club, der auf Transfererlöse angewiesen sei. „Wenn ein sehr gutes Angebot kommt im Sommer, dann muss man es auch annehmen.“

Der erst 34-jährige Nachfolger von Günter Kreissl hat den Kader im Sommer schlanker und billiger gemacht, jedoch um ausländische und inländische Klassespieler wie Jon Gorenc-Stankovic und Andreas Kuen ergänzt. Das Hauptaugenmerk lag Schickers Aussagen zufolge aber im zwischenmenschlichen Bereich. „Es war wesentlich, dass wir eine richtige Mannschaft werden. Immer dann hat Sturm Erfolg gehabt.“ Dies sei eingetreten. „Wir haben es geschafft, eine richtige Einheit zu werden.“

St. Pölten hingegen deutete sein Potenzial bisher sporadisch an und könnte am Sonntag noch aus den Top sechs fallen. „Ich glaube schon, die Mannschaft einiges mitbringt, damit wir diesen sechsten Platz ergreifen können“, sagte Trainer Robert Ibertsberger. „Jetzt erwarten uns zehn Endspiele. Es gilt für uns die richtigen Schlüsse zu ziehen, um die Vorbereitung so anzulegen, dass wir auch einen positiven Start hinlegen.“ Der SKN startet mit einem Heimspiel gegen die Admira ins Frühjahr.


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